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Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia - Sam Peckinpah

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 14. Mai 2016, 20:22pm

Kategorien: #Klassiker

Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia - Sam Peckinpah

S A M  P E C K I N P A H 

 

Eine Ikone des US-Amerikanischen Kinos. Eine Legende. Ein Regisseur, der im Gegensatz zu so vielen anderen (Mainstream-) Filmemachern das Kino stilistisch in grossem Maße beeinflusst und dieser Kunstform seinen Stempel aufgedrückt hat. Einer meiner absoluten Lieblingsregisseure und ein Idol im künstlerischen und menschlichen Sinne, weil er stets versucht hat, und das gegen alle Widerstände, seine Vision, seine Auffassung von Kunst durchzusetzen. Mir geht es nicht um seine Typisierung als "Outlaw" und "Rebell", seine Rolle als Nonkonformist in Hollywood. Was ich an Speckinpah so schätze und liebe, ist, dass er grossen MUT besaß. Ein Löwe unter lauter Hyänen.

 

Heute wurde mir das wieder bewusst, als ich einen seiner letzten Filme sah: Bring me the head of Alfredo Garcia. Der 1974 erschienene Film ist in einer wunderbaren Mediabook Edition von Koch Media auf den Markt gebracht worden, die den Film auf DVD und Blu Ray würdigt, mit einer zusätzlichen Scheibe voller Specials. Als Beilage ist der Edition ein lesenswertes Booklet von Peckinpah Kenner Mike Siegel beigelegt. Solche Filme werden niemals auf dem Friedhof der Silberlinge enden, sondern in der Hall of Fame. Glückwunsch Koch Media zu dieser Veröffentlichung! Wenn ich noch einen Wunsch äussern dürfte: Könntet Ihr bitte Peckinpahs Masterpieces THE WILD BUNCH, GETAWAY, PAT GARRET & BILLY THE KID und THE KILLER ELITE auch in einer solchen Edition veröffentlichen?

 

Ich erwähnte eingangs den Einfluss Peckinpahs auf das zeitgenössische Kino. Unübersehbar ist in diesem Zusammenhang seine Wirkung auf Quentin Tarantino. Aufmerksamen Zuschauern und Cineasten wird das an vielen Stellen im Film auffallen. Mir kamen ausweislich der Parallelen zur Bildsprache eines Tarantino auch andere Assoziationen in den Sinn. Häufiger lief vor meinem geistigen Auge 'No Country for Old Men' ab, dieser brillante Western von den Coen Brüdern, ob eine Hommage von denen beabsichtigt war, sei dahingestellt, die Assoziationen kamen auf.

 

Bring me the head of Alfredo Garcia ist ein Film, der in einem sehr ruhigen Rhythmus erzählt wird und sich zwei Genres zuordnen lässt: Thriller und Road Movie. Es spricht für den Regisseur, dass er einer gängigen Regel des Thriller-Genres nicht folgt, nämlich "boy meets girl", "boy looses girl", "boy gets girl". Für solche Regeln ist Peckinpah nicht zu haben.

 

Die Hauptrolle wird verkörpert von keinem geringeren als dem legendären Warren Oates. Der 1982 verstorbene Mime ist einer der ganz wenigen Schauspieler, der den Titel Kultstar verdient. Grandios seine Performance als Sgt. Hulka in 'Ich glaub mich knutscht ein Elch' (Stripes). Hier verkörpert er einen Barpianisten namens Bennie, der sich mehr schlecht als recht durch das Leben schlägt und für Touristen die üblichen Folklore Songs spielt, bis eines Tages zwei Gringos in der Bar erscheinen und einen Mann namens Alfredo Garcia suchen.

 

Allein dieser erste Auftritt würde reichen den Kultstatus des Filmes zu untermauern, nicht nur wegen Oates, sondern auch wegen dem ungewöhnlichen Killer-Duo Quill & Sappensly, perfekt besetzt mit Robert Webber und Gig Young. Die Spannung in dieser Szene ist kaum zu ertragen, die Dialoge punktgenau getimt. Oates lässt beide wissen, dass er den Gesuchten finden könne.

 

Am nächsten Tag sucht er die Auftraggeber auf in einem Anzug, der es sich hat: Heller Zweiteiler und Hemd & Krawatte, deren Form und Farben schrill aufschreien. Wunderbar!

 

Der Mittelteil, in dem sich Bennie aka Oates auf die Suche nach Alfredo Garcia macht, ist von Melancholie durchzogen und ungewöhnlich für Peckinpah. Seine grosse Liebe beteuert ihn die Finger von der Suche zu lassen und stattdessen ein ruhiges Leben mit ihr zu führen. Doch Bennie lässt sich nicht von seiner Idee abbringen, sieht er doch in seinem Leben eine einmalige Chance gekommen, sich aus dem Sumpf zu befreien.

 

Was den Film seheneswert macht, ist nicht Oates allein, sondern der Stil Peckinpahs und seine Erzählweise. Bennie ist ein Antiheld durch und durch, müde und mit aller Macht nach dem letzten rettenden Strohhalm greifend. Nichts hält ihn von seinem Vorgehen ab. Er passt in keine gängigen Schubladen. Bis zum Ende folgt er seinem eigenen Ethos und seinem Herz, wohin dies ihn auch führen mag. Insofern deckt sich diese Charaktereigenschaft des Protagonisten eng mit der Einstellung des Regisseurs.

 

Als das letzte Bild einfriert, sagt diese einzige Einstellung mehr aus, als tausend Worte.

 

Jerry Fiedling schrieb eine wunderbar passende und auch abseits des Film hörenswerte Musik, für seine Verhältnisse phasenweise sehr melodisch mit Anbindungen an die mexikanische Folklore. Der Score erschien vor einiger Zeit bei Quartet Records in einer erstklassigen Veröffentlichung mit Bonus Tracks als Bonbons.

 

Was Sam Peckinpah als Künstler und Regisseur auszeichnet ist die Tatsache, dass er Filme schuf, die beides in sich vereinten: Anspruch und Unterhaltung. Das ist eine Rarität. Seine Filme werden wie die eines David Lean, Sergio Leone, Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick, Billy Wilder, Orson Welles, Clint Eastwood, Oliver Stone, Martin Scoresese. Don Siegel, Michael Mann, David Fincher und Ridley Scott die Ewigkeit überdauern.

 

Ein filmbegeisterter

 

Rick Deckard

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