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Musik, Kino, Kultur, Radio


The Parallax View von Alan J. Pakula - Ein zeitloses Meisterwerk

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 5. März 2016, 14:35pm

Kategorien: #Klassiker

The Parallax View von Alan J. Pakula - Ein zeitloses Meisterwerk

THE PARALLAX VIEW (Zeuge einer Verschwörung) ist der nächste Film der Retrospektive, welche mit KING OF NEW YORK begonnen wurde und unter dem Oberbegriff "wichtigste persönliche Filme" firmiert. Er ist filmhistorisch der Mittelteil der berühmten Paranoia-Trilogie der 70'er Jahre von Alan J. Pakula. Über KLUTE hatten wir bereits an anderer Stelle auf diesem Blog geschrieben.

Der Film ist ein zeitloses Meisterwerk. Auch gestern war ich wieder hellauf begeistert, sei es das Thema, die Musik, die Regie oder diese überwältigend schöne Fotografie eines Gordon Willis, Director of Photography.

Zu Beginn des Films wird ein US Senator bei einer Wahlkampfveranstaltung erschossen. Einige Monate später wird der Fall abgeschlossen und eine Aufklärungskomission, die von Pakula nur schemen- und schablonenhaft gezeigt wird, lässt verlautbaren, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe.

Bereits dieser brilliant fotografierte Anfang (achten Sie darauf, wie die Kamera die Perspektive in der allerersten Einstellung verändert und siehe auch weiter unten im Text dazu) lässt keinen Zweifel am Thema aufkommen: Eine zutiefst beunruhigende Skepsis bezogen auf die lebensnahe Realität, als Folge der (politisch motivierten?) Attentate auf John F. Kennedy, Robert Kennedy und Martin Luther King in den Vereinigten Staaten.

The Parallax View von Alan J. Pakula - Ein zeitloses Meisterwerk

Was für eine wunderschön fotografierte Sequenz auf der Space Needle in Seattle! Dieses Licht, die Perspektive, die Kurven in der rechten Bildhälfte. Visuell atemberaubendes 70'er Jahre Kino! Solche Linsen, solches Filmmaterial gibt es heute nicht mehr. Achten Sie mal im zeitgenössischen Kino auf die Bilder!

Warren Beatty spielt den Reporter Joe Frady, der 3 Jahre nach dem Attentat von einer Kollegin aufgesucht wird, weil sie grosse Angst hat und der Meinung ist, dass nach und nach Zeugen des Attentates ermordet werden. Frady glaubt ihr nicht, ändert seine Meinung schliesslich, als die Kollegin tot nach einer Überdosis Barbiturate und Alkohol aufgefunden wird.

The Parallax View von Alan J. Pakula - Ein zeitloses Meisterwerk

Willis und Pakula überlassen bei der Bildgestaltung nichts dem Zufall. Es ist eine unglaubliche Freude diesen Film zu sehen! Achten Sie in dem Bild auf die "Uhr mit der Waage" (!) über dem Kopf der Toten und zeitgleich die Uhr über Beattys Kopf. Eine metaphysische Ebene, die unterschwellig sagen will:"Deine Zeit wird auch noch kommen!". Faszinierend, wie Willis mit Licht arbeitet.

Frady kommen Zweifel und er stellt Nachforschungen an, die ihn auf eine Organisation aufmerksam werden lassen: DIE PARALLAX CORPORATION. Eine undurchsichtige Firma, die anscheinend Attentäter ausbildet. Frady meldet sich an, erhält alsbald Besuch und nimmt an einem Test teil ... .

The Parallax View von Alan J. Pakula - Ein zeitloses Meisterwerk

Meisterhaft, wie auch in dieser Szene (in der Frady unvermuteten Besuch erhält) Kameramann Gordon Willis mit Licht & Schatten arbeitet, wie sich in der rechten Bildhälfte das Gesicht aus der Schwärze des Zimmers herausschält.

Die Szene in der Beatty aka Joseph Frady in einem verdunkelten Zimmer der Parallax Corporation einen Film vorgeführt bekommt (mit der mögliche Attentäter einer Gehirnwäsche unterzogen werden) ist die entscheidende Szene dieses Films und ein Highlight, optisch als auch tontechnisch und für mich persönlich einer der Höhepunkte des 70'er Jahre- und des Kinos schlechthin. Eine ähnlich beeindruckende Szene gibt es mit dem legendären Edward G. Robinson in SOYLENT GREEN. Stellen Sie sich die Wirkung in einem grossen Kinosaal vor mit der entsprechend grossen Leinwand und Akustik!

Diese Manipulation, die im Film stattfindet, findet auch im Kino statt!

Die Parallaxe: Hierunter versteht man die Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine eigene Position ändert. Im Alltag kann man auf diese Weise Entfernungen schätzen und das Phänomen der Parallaxe ist die Grundlage des räumlichen Sehens.

Was also passiert ist die scheinbare Bewegung eines beobachteten Objektes, weil man seinen eigenen Beobachtungsstandpunkt ändert. Der Zuschauer folgt dem mit dem Blickwinkel des Reporters, der eben eine solche Parallaxe vollzieht: Scheinbar kommt er einer Verschwörung auf die Spur, in Wirklichkeit geht er der Corporation in die Falle.

THE PARALLAX VIEW

Paramount Pictures präsentiert einen Alan J. Pakula Film. Drehbuch Lorenzo Semple Jr. (Papillon, Die 3 Tage des Condor) und David Giler (Co-Produzent des SF-Meisterwerkes ALIEN), Musik Michael Small, Kamera Gordon Willis, Schnitt John W. Wheeler.

Meisterhaft, wie Pakula die paranoide Stimmung im Film generiert: Die Handlung ist sprunghaft und viele Lücken muss der Zuschauer selbst ausfüllen (was nicht schwer fällt). Brillant wie Kameramann Gordon Willis Warren Beatty in den Bildern versteckt, das Auge des Zuschauers muss ihn immer wieder suchen, selbst auf dem Fernseher fällt das schwer, wie muss das erst auf der grossen Leinwand gewesen sein!

Die Bedrohung durch Mächte, einem Zusammenschluß von Wirtschaft, Politik und Justiz ist kaum zu greifen, kaum zu durchschauen. Je weiter der Film voranschreitet, desto bedrohlicher wird die Stimmung. Hilflosigkeit und schiere Angst machen sich breit und am Schluß muss sich der Zuschauer die Frage stellen: Wer regiert eigentlich?

Im Gegensatz zu den allermeisten Filmen aus Hollywood hat der Film kein Happy End, das war damals und ist auch heute eine mutige Entscheidung, denn gerade im Genre des Thriller will der Zuschauer, dass am Ende alles gut wird und der Held wieder Boden unter den Füßen hat. Boy meets Girl, Boy gets Girl. Diesem Muster folgt Pakula nicht und auch deswegen, auch wegen der Aussichtslosigkeit und der pessimistischen Sichtweise ist TPV ein zeitlos aktueller Film.

Warren Beatty ist in dem Film ein Ermittler, aus der Sicht des Publikums, aus einer anderen Sicht aber auch ein Mörder, aus einer anderen widerum aber auch ein Opfer.

Das hängt alles vom Standpunkt des Betrachters ab, in diesem Falle, der

PARALLAX VIEW.

Einer der besten Filme aller Zeiten!

Von dem Dach der Space Needle,

Rick Deckard

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