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Musik, Kino, Kultur, Radio


CBGB - Randall Miller

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 7. März 2016, 19:48pm

Kategorien: #Filme

Filmplakat

Filmplakat

Die Geschichte des New Yorker Punk-Clubs CBGB, ist auch meine Geschichte. Wohl kaum ein Musikclub der Welt repräsentierte geballt so viele Bands, die mit meiner persönlichen Musiksozialisierung zu tun hatte: Ramones, Blondie, Talking Heads, The Feelies, Television, Suicide etc.

Vielleicht würde ich noch das Village Vanguard nennen, wenn ich den Wunsch frei hätte mit einer Zeitmaschine zu einen Veranstaltungsort für Musik, nach meiner Wahl, zu reisen. Aber das hat mehr mit meiner parallel entwickelten Sozialisierung für die Jazzmusik zu tun!

An dem Punkt ist vielleicht eine Liste angebracht. Top5 Veranstaltungsclub der Vergangenheit, in denen ich gerne ein Konzert gesehen hätte.

  1. CBGB (New York)
  2. Village Vanguard (New York)
  3. Ratinger Hof (Düsseldorf)
  4. Fac51 Hacienda (Manchester)
  5. Blue Note (Paris)

Das CB’s (abgekürzt) hieß eigentlich CBGB OMFUG, was so viel wie „Country, Bluegrass, Blues and Other Music For Uplifting Gormandizers“ bedeutet und direkt einen ersten Hinweis auf den Gründer Hilly Kristal gibt.

Kristal gilt heute als Godfather des Punks, weil er eben all‘ diesen Band’s (in Wirklichkeit sind es weit über 50.000!!!) die Möglichkeit eines Liveauftritts ermöglichte und im Prinzip keine Einschränkungen machte, sondern das Wort Punk als solches, direkt für sich definiert. Nämlich sich von allen Konventionen zu verabschieden und keine Regeln zu haben. Weder in der Kunst, noch für sein eigenes Leben.

Kristal hatte bereits zwei Bankrotte Clubs in New York geführt, auch mal als Ex-Geschäftsführer des VV ein Miles Davis Konzert organisiert. Rechnung, Verträge, Betriebswirtschaft, Regeln, waren ihm fremd und ein Graul. Autoritäten nervten den Mann bereits als Jugendlichen.

Vom Leben und der Leidenschaft des Hillel Kristal handelt auch der sympathische Film CBGB (2013) von Randall Miller.

Der Film ist natürlich kein Meisterwerk aus cineastischer Sicht und wird auch ehr nur Menschen interessieren, die sich schon immer einen Abend in diesem versifften Club mit ihrer Lieblingsband gewünscht haben. Und ja es gibt einiges in dieser Richtung zu sehen und das ist irgendwo zwischen peinlich (Kyle Gallner’s Auftritt als Lou Reed) und rührend (Joel David Moore als Joey Ramone) bis wirklich atemberaubend Echtwirkendend (die nachgespielten Auftritte von Television, Talking Heads und The Police) einzuordnen. Außerdem lernen wir natürlich auch Iggy, Debbie, Terry Ork, Patti Smith persönlich kennen.

Einladend!

Einladend!

Mit diesen nachgestellten musikalischen Szenen rettet der Film sich quasi immer wieder selbst und man wird wohl kaum frühzeitig abschalten, wenn man auch nur ein paar Gramm Leidenschaft für diese Helden in seinem Körperrumpf übrig hat.hat.

 

Überhaupt nicht gelungen ist der Versuch, dem Film eine leichte Note zu verleihen, wenn es um die Erklärung der komplexen, konträren Ideologie geht, die ja keine war. Der Versuch dies mit dem Punk Magazine des Grafikers und Comiczeichners John Holmstrom auszugleichen, ist gründlich gescheitert. Denn dieses Fanzine ist weitaus wichtiger für die Erklärung der Inhalte gewesen, um es als dilettantischen Trägerkultur des Filmes zu missbrauchen.

 

Die fehlende Würde und Authenzität, sowie das abgleiten des Filmes in einen komischen Film über Punkmusik, allerdings verhindert ganz und gar die geniale Besetzungidee, den kürzlich verstorbenen Alan Rickman mit der Rolle des kauzigen Kristal zu besetzen. Rickman’s Darstellung ist niemals jovial, sondern immer loyal. 

 

Wer je in seinem Leben, einen Typen wie Kristal kennengelernt weiß, dass diese wohlwollenden und gönnerhaften Typen, auch sehr anstrengend und herablassend sein können. Was sich bei dem Clubbetreiber in seinem Verhältnis zu seiner Tochter ausdrückt.

 

Rickman selbst hat sich den chaotischen Charakter des Unikums Kristal, aber von der Taktvollen Seite angenähert, um ihn glaubhafter zu machen. Denn diese Sensibilität der Darstellung ist in übertragener Weise für den Film sehr viel wichtiger, da es einzig und allein Kristal war, der zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Aber zum richtigen Zeitpunkt mit seinem Verhalten auch das richtige gesagt und getan hat. 

 

Und so widersinnig es immer wieder im Leben, in der Musik und der Kunst ist, so ist es auch in der Punkmusik:

 

„Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihren Unkosten zu schimmern!“.

 

Das hat tatsächlich Freiherr Knigge gesagt und es ist wohl das beste Zitat, um zu beschreiben, warum Hilly Kristal, eben diesen wichtigen Erfolg für uns Musikliebhaber hatte, weil er früh verstanden hat, worum es in der Musik geht. Und das zu Zeiten, als John Denver, Barbara Streisand und Olivia Newton-John die amerikanischen Charts behaupteten und allmählich der Disco-Sound die saubere Mainstreamwelt der Jugendlichen dominierte. 

 

Es ist und bleibt schwierig, diese ganze Sache mit der Musik zu erklären, wenn man kein entscheidenes Beispiel hat: 

 

Mich hat Randall’s Film sehr glücklich gemacht, weil mir wieder einmal klar, wurde warum es die Talking Heads sind, die ich immer nennen werde, wenn ich nach meiner Lieblingsband gefragt werde. Denn es ist natürlich die Verwirrtheit und der Wiederspruch eines Orientierungslosen Jugendlichen, der aus dieser Aussage spricht. 

Ohne Worte

Ohne Worte

Epilog

 

Beatles oder Stones? Schlager oder Rock? Jazz oder Punk? Das war musikalisch inhaltlich für mich nie die Frage. Denn meine Antwort war bereits sehr früh: STOP MAKING SENSE bzw. THE NAME OF THIS BAND IS TALKING HEADS.

 

Sieht man in diesem Film nun die jungen Kunststudenten David Byrne und Tina Weymouth und deren Freund Chris Frantz, später dann natürlich auch Jerry Harrison, im CBGBs „Psycho Killer“ vorspielen, stehen nicht nur die letzen Nackenhaare. 

 

Angefixt wie eh und je, ist der nächst Griff natürlich der ins Plattenregal. Wieder einmal also die 77er Platte der Heads. Und wieder einmal der Schlag in der Fresse, warum alles so gekommen ist, wie es heute im Jahre 2016 um meine Musiksozialisierung steht. Es ist die Verwirrtheit, aber auch die gleichzeitige Neugierde darauf, warum es Menschen gibt, die eine offensichtliche Geistesverwandtschaft zu einem haben und einem das erklären, was man selbst nicht in Melodie oder Text ausdrücken kann: Es läuft DONT WORRY ABOUT THE GOVERMENT, direkt nach dem prägenden PSYCHO KILLER und ich muss weinen, bei so viel endloser Wahrheit und Gegensätzlichkeit.

 

Hätte Kristal an diesem Tag nicht erkannt, dass diese Attitüden freie Band aus der Lower East Side Mannhattans, das Potenzial dazu hat, die programmatischste Band aller Zeiten zu werden und somit, meine Lieblingsband aller Zeiten, wäre alles anders gekommen.

 

Vieles könnte ich aufzählen, aber eines ist mir wichtig! Anders gekommen wäre ganz bestimmt, nämlich, dass ich mich frühzeitig als Punk gekleidet hätte. Heute aber aussehen würde, wie ich nun mal aussehe, dieses Bewusstsein und die Haltung bestimmt nicht mir in mir hätte, weil sie zu viele Menschen erkannt hätten und ich mich niemals hätte verstecken können. Damals nicht und heute nicht!

 

Aus dem Süden von Manhattan, auf der Suche nach einer Dose Bier, nach drei Akkorden und der ewigen Wahrheit!

 

Alan Lomax  

...was sagten Sie? Wo steht die Zeitmaschine?

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