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Super 8 - Michael Giacchino

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 7. August 2011, 19:07pm

Kategorien: #Orchestrale Musik

Super 8

Was war die Motivation sich wieder einem zeitgenössischen Komponisten zu widmen?

Immer wieder der scheue Versuch zu sehen, nein hören, was sich aktuell in der Filmmusik so tut. Scheu deswegen, da das Gros der Neuerscheinungen einen eher abwinken lässt. Zu uniform, zu vorhersehbar und gleichförmig die Musik. Wenn auch das nicht gleichermaßen für alle Komponisten gilt und Michael Giacchino gehört zu ihnen. Er pflegt einen musikalischen Stil, der mich gelegentlich an die glanzvolleren Tage zurückdenken lässt.

Nun las ich, dass J.J. Abrams einen Film in die Kinos bringt als Hommage an das Kino der 80'er Jahre: die Filme eines Steven Spielberg in Gedächtnis rufend, wie z.B. 'E.T' oder auch 'Goonies' von Richard Donner. Sofort werden gerade bei diesen Filmen Erinnerungen wach an die überwältigende Musik von John Williams als auch dem gelungenem Score von Dave Grusin. 

Das machte natürlich im Falle von 'Super 8' neugierig: würde Giacchino zitieren, würdigen, neu erfinden? Ich bin normalerweise zurückhaltend eine Filmmusik zu erwerben ohne den Film gesehen zu haben, das Privileg einer solchen carte blanche willige ich nur einigen sehr wenigen und auserwählten Komponisten zu. Trotzdem schlug ich in diesem Fall den unüblichen Weg ein. Nun geht man als Filmmusik-Hörer immer ein Wagnis ein, am vordringlichsten die Antwort auf die Frage suchend, ob die Musik auch neben dem Film wird bestehen können, also losgelöst von den Bildern über eigenständige Hörqualitäten verfügt?

Bei 'Super 8' musste ich diese Frage mit einem 'Jein' beantworten. Das ist unbefriedigend, aber das war mein erster Eindruck. Nach dem ersten Durchlauf der wahrlich langen 1:17:43 min Gesamtlaufzeit hatte ich gemischte Gefühle.

Giacchino bedient sich eines großen Orchesters um die Handlung musikalisch zu untermalen. Die Musik wird klar dominiert von den Streichern und den Blasinstrumenten. Ein ein wenig spannend-bedrohliches schnell auf- und wieder absteigendes 4 Noten Motiv eröffnet die Musik, bevor eine kleine wohlklingende Melodie übernimmt.

Die nachfolgenden Tracks haben einen stark deskriptiv-"nostalgischen" Charakter und ich war unschlüssig was noch folgen würde, bis Track 7 ('We'll Fix It In Post-Haste') es in ganzen 00:44 sek. schafft eine zauberhafte kleine Melodie ans Licht zu bringen, dessen 8 Noten Thema sich hier und dort im Score immer wieder Gehör verschafft. Dieses Motiv, dieses Thema hat wahrlich einen infektiösen Charakter und bleibt lange nach dem Hören in Erinnerung.

Danach schleppt sich die Musik weiter von Track zu Track und hier offenbart Filmmusik was sie schlussendlich ist: Gebrauchsmusik, Musik mit einer Funktion. Andersherum gesagt sind das mit Sicherheit Töne, die die bewegten Bilder unterstützen und zusammenhalten, aber auf keinen Fall ein isoliertes Hörvergnügen bieten. Man ist schon ein wenig frustriert, was aber nicht an der Qualität der Musik liegt, sondern an der Form der Darbietung, doch dazu später mehr.

Ab Track 20 ('Alice Projets On Joe') wird es wieder interessanter, die Musik nimmt langsam an Fahrt auf, es ist sowohl eine an der Spannung orientierte Musik zu hören, als auch wird das Tempo ein wenig schneller. Man spürt, dass sich da oben auf der Leinwand etwas tut. Das zu Beginn gehörte 'Mystery oder Suspense Motiv' taucht ebenso wieder auf, als auch weitere kleine Themen, die Bedrohung signalisieren. 

Mit dem über 10 min. langen 'Creature Comforts' nimmt Giacchino dann an Fahrt auf, bis das Album mit dem grossartigen 'Letting Go' und der 'Super 8' Suite endet. Hier in den letzten beiden Stücken taucht das auf, was man sich als Filmmusik-Hörer immer wünscht: von der Musik mitgenommen zu werden. Pathos und Melodie dominieren in den letzten Minuten die Musik bis mit 'The Case' von Charles Kaznky das Album endet.

Es gibt schon seit einigen Jahren oder Jahrzehnten die Tendenzen diverser Labels jede Sekunde Musik auf dem Tonträger zu veröffentlichen, was meines Erachtens keinen Sinn macht. Ich erinnere mich da gerne an Zeiten zurück, in denen eine LP/ CD veröffentlicht wurde, die die wesentlichen Themen in einer chronologisch zwar veränderten, aber musikalisch sinnvollen Weise zusammen gestellt wurde. So wurde das Hörvergnügen nicht getrübt, was den Gesamteindruck von 'Super 8'aber etwas verwässert, denn ganz ehrlich: wer will ganze 10 Stücke hören, die unter einer Minute sind, ganz zu schweigen von weiteren 6, gerade über eine Minute?. 

Da ist man im digitalen Zeitalter im Vorteil und kann sich seine eigene Suite zusammenstellen, die dann erheblich eingängiger und weniger langweilig klingt. Ein solche zeitlich kürzere und kompaktere Veröffentlichung der Musik Giacchinos hätte einen wesentlich besseren Effekt erzielt.

Trotzdem zeigt er mit 'Super 8', dass er nicht zu Unrecht zu den gefragtesten und umtriebigsten Komponisten in Hollywood zählt. Die Musik ist sicherlich gelungen, abwechslungsreich und dem Genre angepasst, sie bietet darüber hinaus viele Momente mit klassisch schöner und melodischer Filmmusik. Trotzdem bleibt das ungute Gefühl zurück, dass viele Momente seltsam leblos und steril klingen, gerade in den Spannungsmomenten. Hier hätte ich mir eine differenziertere und komplexere Musik erhofft. 

Wer nicht die ganze Musik hören hören will, dem sei die 'Super 8' Suite empfohlen!

Es tut sich einiges und es lohnt sich immer wieder seine alten Helden (für einen Augenblick) zu verlassen.

Das 'Super' mal ausser 8 gelassen, haben wir hier eine gute und gelungene Komposition eines talentierten Musikers, den es weiter im Auge zu behalten gilt.

Rick Deckard

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