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Brügge sehen ... und sterben?

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 25. Juni 2013, 21:47pm

Kategorien: #Filme

Brugge.jpg

Was für ein herrlicher Film!

2008 drehte der Ire Martin McDonagh den Film 'In Bruges' - Brügge sehen ... und sterben?Brendan Gleeson und Colin Farrell spielen darin zwei irische Killer aus London, die aufgrund eines Verbrechens, welches über einen Auftragsmord hinausging, gezwungen sind, sich für 14 Tage in der belgischen Stadt Brügge zu verstecken. Während Ken, gespielt von Brendan Gleeson, die Stadt romantisch findet und sich an den Sehenswürdigkeiten erfreut, findet Ray, gespielt von Colin Farrell, die Stadt einfach nur langweilig. So vertreiben sie sich die Zeit bis nach wenigen Tagen ihr Auftraggeber anruft und Ken auffordert Ray zu töten ... .

Brügge sehen ... und sterben? ist eine Gratwanderung aus Komödie und Tragödie, die sich wunderbar die Waage hält und sowohl vom gegensätzlichen Spiel der verschiedenen Protagonisten lebt, als auch von der gelungenen Mischung aus Filmkunst und Mainstream. McDonagh beweist dabei einen grossartigen Sinn für Humor, wie auch kürzlich in 7 Psychos. Es gibt unglaublich viele Sequenzen, bei denen man spontan lachen muss und auch ebensoviele, die einem nahe gehen. Maßgeblich hierfür sind die vielen (ungemein) lustigen Diagloge und die Flut an skurillen und teils absurden Szenen. Die überraschenden Momente sind dabei phasenweise so gross, dass die Bauchmuskeln fast schmerzen vor lachen.

Auf der anderen Seite ist der Film, wie soll ich sagen, durch und durch "abendländisch". Grund hier für ist die wunderschöne Stadt Brügge, ein eigenständiger Charakter, mit den vielen faszinierenden mittelalterlichen Gebäuden, der gotischen Kunst, den Kanälen und der Kunst. In einer der vielen bemerkenswerten Szenen stehen die beiden in einem Museum und sehen sich Bilder von Hieronymus Bosch an. Der dänische Kameramann Eigil Bryld hat die Stadt in ihren vielen Facetten, Stimmungen und verschiedenen Lichteinflüssen sehr ästhetisch eingefangen.

Nicht unerwähnt lassen sollte man den Schauspieler Ralph Fiennes, der den cholerischen, paranoiden und zwanghaften sowie psychopathischen Auftraggeber der beiden spielt und in diversen Szenen seine Kunst aufblitzen lässt. Dabei beweist Fiennes auch sehr subtil seine komödiantische Ader. Es sind dies v.a. die Szenen, in denen er nur seine Mimik sprechen lässt - unfassbar grosse Momente.

Der Amerikaner Carter Burwell schrieb eine sehr passende Filmmusik, die grösstenteils auf einer bedrückenden Melodie basiert, die auf dem Klavier gespielt wird und die die essentielle Atmosphäre des Films sehr gut einfängt. Dazu spielt ein kleines Kammerorchester auf und so kitten beide, Klavier solo und das kleine Orchester, auf hörenswerte Weise die Bilder.

Brügge sehen ... und sterben? ist ein sehr sehenswerter, ausserordentlich komischer und zugleich tragischer Film eines Regisseurs, von dem wir uns hoffentlich viele weitere solch hervorragender Filme erhoffen dürfen. Ein Mann mit einem Talent, was rar gesät ist: Menschen im Kino zum lachen zu bringen. Das ist eine wirkliche Kunst! Billy Wilder war ein Meister darin.

Lesen Sie hier, was mein Kompagnon Mr. Lomax dachte, als er bei seinem "4 x 2 Event" den Film sah: 

http://www.lomax-deckard.de/article-26688506.html

Man hat nach einem solchen Film das sehr gute Gefühl, dass die wahre Befähigung und Kunst des Kinos noch immer nicht ausgestorben zu sein scheint, in Zeiten, in denen Prequels, Sequels, Reboots, Remakes, 3D, CGI und der Franchise regieren.

Rick Deckard

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