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Unvergessene Helden - Farley Granger

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 20. April 2011, 13:25pm

Kategorien: #Vergessene Helden

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Im Zusammenhang mit dem Tod von Liz Taylor erwähnte ich auch den unvergesslichen Montgomery Clift. Einen homosexuellen Bezug von Clift zu dem kürzlich verstorbenen Farley Granger herzustellen wäre einfach und wäre Amerika in den vierziger und fünfziger Jahren nicht noch prüder gewesen als heutzutage, dann hätte man beide Schauspieler wohl auch in einem Film gemeinsam gesehen. Das famose daran wäre gewesen, dass der alte Recke und ewiger sympathischster Mensch Hollywoods Jimmy Stewart auch noch einen Part in der homosexuellen Männer Dreierbeziehung des Filmes Cocktail für eine Leiche von Alfred Hitchcock gehabt hat. Clift, Stewart und Granger wäre also als das erste schwule Dreigestirn in einem Hollywoodfilm gewesen.

 

Cary Grant hat die Rolle des Rupert Cadell direkt abgelehnt. Stewart der entweder weitsichtiger oder liberaler war, nicht. Clift wurde nicht besetzt, weil er damals schon den Mut hatte aus seiner Homosexualität kein Geheimnis zu machen. Hitchcock hat gerade das Thema fasziniert und wenn man den Film zum gefühlten zwanzigsten Mal sieht, wird einem bewusst, dass das auch eines seiner Motive war den Film zu drehen. Interessant wie sich die latent sexuellen Spannungen zwischen den drei Männern aufbauen und Hitch es famos schafft uns mit einem weiteren MacGuffin auf seine Mörderstory abzulenken.

 

Farley Granger ist mir allerdings bereits vor 1984 aufgefallen, als man sich mit den Hitchcocks schwarz-weiß Filmen zufrieden geben musste. Cocktail für eine Leiche und vier der weiteren großen amerikanischen Farbfilme, galten lange als verschollen bzw. durften nicht gezeigt werden, weil Hitchcocks Verleih die Rechte nicht rausrückte. In der Fremde im Zug (1951), spielt er den smarten Guy Haines, der Sportler ist und Politiker werden will. Auch dem Drehbuch von Raymond Chandler (übrigens nach einem Patricia Highsmith Roman) kann man eine homosexuelle Basisgeschichte unterstellen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das zu weit geht. Letztendlich handelt es sich um einen fragwürdigen Deal, unter Männern und dem Kampf zwischen Gut und Böse. Farley Granger spielt sehr glaubwürdig und sympathisch den „good Guy“. Insbesondere das Ende ist eine imposante schauspielerische Leistung, da Granger befreit aufspielen kann. Hitch hat das Ende in zwei Varianten gedreht. Aber in beiden sieht man einen erleichterten Guy Haines. Einmal während eines finalen Telefongesprächs, einmal bei dem humvolleren Ende, wenn er und seine Frau aus dem Abteil laufen, weil sie nicht schon wieder einen Fremden kennenlernen wollen.

 

Über Grangers Tod wurde in der deutschen Presse erstaunlich populär berichtet. Obwohl er mit insbesondere wegen den beiden Hitchcock Filmen im Gedächnis ist, war er doch ein absoluter C-Schauspieler. Zumindest was seinen kommerziellen Erfolg angeht. Die schöngeistige Süddeutsche Zeitung und die bürgerbildungstümelnde Welt, sprechen natürlich noch einen Nick Ray und einen Visconti Film an, aber letztendlich werden es die beiden sympathischen Darstellungen des Guy Haines und des ruhigen intellektuellen Pianisten Phillip Morgan sein an die man sich erinnert wird.

 

Bei der Recherche zu diesem blog-Eintrag habe ich dann noch gelesen, dass Farley Granger in einem meiner liebsten Spencer / Hill Filme „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ mitspielt. In der Italowesternparodie spielt Granger den Bösewicht in Form „des Major“. „Verdammt! Wenn einer wie Du romantisch wird, kommt mir der Kaffee hoch“, sagt Hill irgenwann zu dem Major.

 

Interessant wie die Wege eines Schauspielers so verlaufen und wie manifestiert einige Augenblicke Film doch sein können. Trotzdem sieht man nur das was man sieht und lernt bei jedem Streifen etwas dazu und versteht interessante Zusammenhänge mehr und mehr. Bei Granger sicherlich interessant, die Mischung der drei Streifen.

 

Alan Lomax

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