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Boardwalk Empire – Finale Staffel 1 -ohne Spoiler-

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 21. April 2011, 07:08am

Kategorien: #Fernsehen

Nucky-Thompson-boardwalk-empire-16656276-1600-1200.jpg

 

Weitestgehend kann ich dabei bleiben, was ich im Februar zu der Serie gesagt habe: http://lomax.over-blog.de/article-endlich-boardwalk-empire-66356850.html

 

Für Interessierte die sich vorgenommen haben sich die Serie anzusehen, möchte ich gerne empfehlen, dies in einem kompakten Zeitfenster zu tun. Ich habe die Folgen nun über 10 Wochen hinweg auf dem Bezahlsender TNT-Serie gesehen. Die Tage dazwischen sind einfach zu lang, um immer wieder in die Geschichte und die komplexe Erzählweise reinzukommen. Klar, wir sprechen hier immer noch von einer Serie, aber im Prinzip ist Boardwalk Empire ein 10-stündiges Scorsese oder Leone Epos, welches in 10 Teile aufgeteilte wurde. Da auch wenig mit Cliffhängern gearbeitet wurde und die Dramaturgie sehr gleichbleibend inszeniert ist denkt man nicht sehr oft an ein Serienformat, gleichzeitig macht dieser Zustand die Serie aber eigenständig und unterscheidet sehr von den vielen anderen.

 

Boardwalk Empireist das, wasich erwartet habe: Eine detaillierte und opulente Erzählung aus den Gründertagen der amerikanischen Mafia. Und das ist famos, wenn man sich für den Themenkomplex interessiert.

 

In der letzten Folge gibt es ein schlichtendes Streitgespräch zwischen den beiden Hauptpersonen Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi) und seiner Geliebten Margaret Schroeder (Kelly MacDonald). Die Sequenz beginnt im Umkleidezimmer von Thompson, der sich gerade für eine Halloween-Party zu recht macht und eine schwarze Maske trägt. Dabei spielgelt er sich mehrfach und steht so als 6-fache Kopie vor Margaret. Wie Goethes Mephisto steht er dort. Thompson hat zwar seine gönnerhaften und großmütigen Momete, eine materialstische Einstellung zu den Dingen, aber natürlich verkörpert er das Böse.

 

Mephisto.jpg„Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär's, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ Was Goethe hier den Mephisto sagen lässt, wäre für Nucky wohl etwas too much, aber der Kreis der Autoren um Winter, Scorsese, Wahlberg, van Patten, Levinson und Johnson, gibt Nucky und dem Publikum folgende Worte mit auf den Weg, wenn Margaret ihn naiv fragt, warum er so schlimme Dinge tun kann: „Jeder muss für sich selbst entscheiden, wieviel Schuld er mit sich herumtragen kann“.

 

Diese Schlüsselsequenz ist famos in doppelter Hinsicht und untermauert gleichzeitig das künstlerische Vermögen dieser Serie. Das Schauspielerensemble ist großartig. Aber die Leistung von Buscemi ist atemberaubend, weil er mit Nucky Thompson eine Figur schafft, die kein Autor auf Papier entwerfen kann. Vergleicht man die Person und die schauspielerische Herausforderung z. B. mit James Gandolfini und seinem Tony Soprano, dann liegt zwischen beiden ein meilenweiter Unterschied. Gandolfini ist Tony Soprano. Er braucht ihn nicht zu spielen. Sein Aussehen, sein Charakter, seine Bewegungen, alles passt zusammen. Man nimmt ihm das ab, vergisst oft, dass es sich um einen Schauspieler handelt. Boardwalk Empire hingegen nimmt den Zuschauer mit in eine andere Zeit! Verzaubert vielleicht auch, romantisiert und lässt die Charaktere tatsächlich so stehen, wie sie damals gewesen sein müste –fantastisch die Sequenz als der einzige farbige Ganove Chocky White, Thompson erklären muss was Mo…Fckuer bedeutet–. Buscemi verzaubert dabei auch, lässt sein Publikum immer zwischen (mehr) Bewunderung und (weniger) Abscheu zurück. Allerdings ist er dabei niemals die miese, abartige soziopathische Sau wie Soprano, sondern ein Gentleman, der auf dem besten Weg dahin ist, ein Soziopath zu werden, dem die Gesellschaft allerdings noch keinen Anlass dazu gegeben hat. Das ist zeitgleich die andere Sicht auf das künstlerische Vermögen. Annie-Tony1

 

Boardwalk Empire ist ein Geschenk an Menschen die das  Kino, den großen Film lieben und verstanden haben, dass die Fernsehserie ein gleichwertiger Partner geworden ist. Zusammengefasst eine Geschichte für Menschen, die Geschichten lieben.

 

Alan Lomax

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