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Musik, Kino, Kultur, Radio


The Organization - Gil Mellé

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 18. Juli 2012, 15:15pm

Kategorien: #Orchestrale Musik

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Ganz im musikalisch vorherrschenden Stil der 70'er Jahre eröffnet die CD mit Bassline, Groove, Orgel und fetten Bläsern: Fast wähnt man sich bei Quincy Jones.

Filmmusiken von Gil Mellé sind immer eine Klasse für sich. Die hier vorgestellte schrieb er für einen Film aus dem Jahr 1971 mit dem Meister des Overacting in der Hauptrolle: Sidney Poitier. Meisterregisseur Norman Jewison etablierte mit seinem Klassiker 'In der Hitze der Nacht' den Charakter des Virgil Tibbs, der durch den Film so populär wurde, dass eine Trilogie folgte. Die Musik zu 'In The Heat Of The Night' schrieb kein geringerer als Mr. Jones, Gesang Ray Charles.

Der Film 'Die Organisation' geriet aufgrund der laschen Story und Dramaturgie wie auch sein Vorgänger schnell in Vergessenheit, das Label Intrada veröffentlichte jedoch die Musik von Mellé vor längerer Zeit auf CD. Das erfreut natürlich das Herz eines jeden Filmmusik-Enthusiasten, gerade auch, weil sich solche Scores wohltuend von den gängigen Klischees dieser Musiksparte unterschieden (natürlich auch ein Zugeständnis an die Vorgaben der damaligen Zeit).

Der 'Main Title' ist ein Bespiel für diese These. Ganz langsam und allmählich schält sich aus einem Konglomerat aus Bass, Elektronik, synthetischem Klavier und Snare Drums eine coole Melodie und ein ebensolcher Rhythmus heraus. Nach und nach nimmt das Stück an Fahrt auf, bis sich Bläser hinzugesellen und in voller Pracht und Dynamik aufspielen. Der Crossover aus Jazz, R&B und Big Band Sound ist grosse Klasse. Binnen 5:39 Minuten fühlt man sich in eine andere Ära zurückversetzt. Die Musik kommt auch ein wenig Avantgarde daher mit leicht elektronischen Schattierungen.

'Virgil's Theme' ist eher ruhiger gehalten in einem balladesquem Stil mit einer dezent chilligen Komponente und wenigen Streichern zu Beginn. Nach einiger Zeit übernimmt die Flöte, die fließende Stimmung zu Beginn des Stückes löst sich in Fragmente auf und es wird atmosphärischer: Die Musik hat eher beschreibenden als themenhaften Charakter. Diese Wandlungen in den Stücken eines Gil Mellé sind spannend und es Wert entdeckt zu werden.

Nach dem eindeutigen am Jazz orientierten 'The Whole World' (man höre auf das Schlagzeug!) folgt 'Annie Lost', das 5-Noten Motiv von zu Beginn wieder aufnehmend. Es dominieren Orgel, Bläser und das Saxophon als Soloinstrument. Gegen Ende wird es disharmonisch und das Stück gleitet über in kaleidoskopisch anmutende Soundfragmente mit harschen, kurzen Bläserattacken.

'Mr. Tibbs' ist ein vom Saxophon getragenes kurzes Stück von lasziver Prägung. 'Night Dancer' variiert das Hauptthema in einem gediegenen, relaxt groovigen Sound.

'Subway Chase' nimmt dem Titel zu Folge an Tempo auf. Rassel, Bass und elektronisches Klavier machen den Anfang, Streicher übernehmen und sorgen mit Bläsern und Percussion für Spannung und Stimmung. Wie im Grunde der gesamte Score zeichnet sich auch dieses Stück durch einen Groove auf, der in die Beine geht.

Die CD endet mit einer Reprise des Organization-Themas.

Mit 26:35 Minuten bietet die Intrada CD beste Kurzweil einer weiteren sehr hörenswerten Mellé Musik. Wer sich abseits klassischer orchestraler Komposition für den Film unterhalten lassen will, der möge sich an dieser Musik vergnügen. Kein großer Wurf, aber ein perfekter Sound für Retro-Fans. Ein gewisses Interesse für den Jazz, Groove & Funk und Big Band Sound muss der Hörer aber schon mitbringen.

Falls es Sie interessiert, ein Link zu einer weiteren Besprechung eines Mellé Score:

http://www.lomax-deckard.de/article-borderline-von-gil-melle-ein-vielseitiger-kunstler-jazz-musiker-und-pionier-der-elektrischen-musi-103046091.html 

They call me Mr. Deckard.

Hier ein erstklassiger Trailer aus den 70'er Jahren mit einer beeindruckenden Stimme aus dem Off. So beeindruckte man damals das Publikum in Schlaghosen und Reverskragen:

 

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