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Cortez The Killer – Neil Young & Crazy Horse

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 26. März 2013, 10:39am

Kategorien: #Klassiker

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Seit genau einer Woche, höre ich nur noch einen Song: “Cortez The Killer” von Neil Young & Crazy Horse. Zuerst auf dem Konzeptalbum „Zuma“ (1975) erschienen, gilt der Song unter Fans und Kritiker noch immer als Höhepunkt, der umstrittenen LP.

Neil Young kehrt auf der Platte zur Thematik der amerikanischen Ureinwohner zurück und beschreibt das Volk der Inkas und Azteken. Hernán Cortés war ein spanischer Eroberer und Abenteuer der 1521 die Azteken besiegte und somit der spanischen Expansion in Südamerika die Türen öffnete. Dabei zerstörte er natürlich die kulturelle Identität der Indianer. Allerdings ist die Rezeption, das Bild von Cortés heutzutage sehr unterschiedlich.

Ebenso schwierig ist die Interpretation des Songs. Im Prinzip beschreibt Young die Geschichte des Spaniers. Dabei springt er allerdings häufig von der dritten zur ersten Person. Außerdem fällt die direkte Übersetzung schwer, weil Young ebenfalls sprunghaft, zwischen Lyrik und echter Geschichte, vorgeht.

Könnte ich Young interviewen, würde ich ihn fragen, wie weit, der Text und das Konzept, hier Mittel zum Zweck ist. Natürlich begleitet mit Fragen über Youngs ewigem Dauerthema der Nachkolonialen Geschichte Amerikas. Schließlich will man dem Meister nicht auf die Füße treten! 

neil-young-crazy-horse.jpgMusikalisch gesehen gilt  „Cortez The Killer“ bis heute objektiv zu den 500 größten Liedern aller Zeiten (Rolling Stone). Und wird in der Zeitschrift „Guitar World“ als größtes –auf Platz 39- gespieltes Gitarrensolo überhaupt gewürdigt.

Dabei ist der Song erst mal wie so viele der alten Crazy Horse Nummern.  Ralph Molinas Drums poltern unspektakulär im Hintergrund. Frank Sampedro’s Rhythmus Gitarre plärren die schönen Akkorde Em7, D und Am7sus4 im wunderschönsten, zuverlässigen loopvariierten Strukturen  und Talbot’s Bass ist ein schöner melodiöser poppiger Counterpart zu Youngs selbstvergessenen Gitarrenläufen. Um die es bei dem Song primär gehen soll:

Natürlich habe ich keine Ahnung, welches Kraut Neil Young gerade geraucht hatte, als er die Nummer auf der Broken Arrow Ranch aufgenommen hat. Aber in meinem ganzen Leben, habe ich keine ehrlichere, sinnvollere, erhabenere und  versunkener  Gitarrenmelodie gehört als diese. Spätere Live-Aufnahmen, Coverversionen (selbst Doug Martsch’s  Built To Spill Cover) oder Neueinspielungen können da nicht mithalten.

Offensichtlich ist die komplette über 7:51 Minuten lange Nummer in einer Session live eingespielt worden. Es gibt angeblich einen verloren gegangen Part. Ab 2:10 ist dieser Cut zu hören. Interessant und warum das so geblieben ist, kann man hier nach lesen.  http://www.guitarworld.com/100-greatest-guitar-solos-39-cortez-killer-neil-young Young spielt sich die Seele aus dem Leib, ohne dabei durchzudrehen. Dabei entstehen Folge von Tönen und Momente die es handwerklich und musikalisch normal denkend nicht geben dürfte. Diese Passagen sind Gold, sind Sonne, stellen vielleicht das Paradies Mexikos im 15. Jahrhundert dar! Das Besondere und Geniale daran ist die Durchgängigkeit des Solos. Denn „Cortez The Killer“ ist im Prinzip ein über sieben Minuten langes Gitarrensolo, unterbrochen von den Textpassagen. Es gibt natürlich keine Strophen oder Refrains. Die Dramaturgie des Songs, die Struktur erhebt sich ausschließlich aus dem ellenlangen improvisierten Gitarrenlauf. Welches in mehrfacher Hinsicht Sinn ergibt und somit nicht ausschließlich als Solo eines Musikers steht, sondern für die Wahrhaftigkeit der Rockgitarre, als erzählendes Element. OldBlackCase.jpg

Cortez The Killer ist ein majestätischer, irgendwie unglaublich lebensbejahender Song, den nur ein Mensch so spielen kann. Neil Young selbst. Die Akkorde, Tonfolgen sind einfach nachzuspielen. Aber es geht hier um die Übernahme einer menschlichen Seele in ein Instrument. Und die vermutliche Les Pauls (Old Black) klingt wütend und wunderschön und verbittert zu gleich. Es ist unfassbar, wie dieses Instrument die Gefühle Youngs aufnimmt, wie Young sie abgibt.

Aus meiner Sicht gibt es kein vergleichbares Songbeispiel in der Rockgeschichte unter der Prämisse der gesamt Betrachtung eines Songs, so wie ich es hier Schulmusik AG Aufsatzmäßig in den letzten Zeilen geschrieben habe.

Daher auch meine Entscheidung keinen Youtube-Clip hier einzubauen. Nebenbei hören oder mal reinhören zählt nicht. Dieses Masterpiece muss würdevoll und Gottesdienstgleich im hauseigenen Musikraum, in ertragbarer Lautstärke aufgelegt werden.

Sich mit Neil Young auseinanderzusetzen, sein Lebenswerk, seine hunderten von Platten zu hören, die Biographien zu lesen und das wütenden, menschliche, sanfte Genie kennenzulernen ist eine sehr erfüllende Aufgabe. Einen Song  wie „Cortez The Killer“ zu beschreiben ist die Hölle. Man kann nur scheitern! Aber man muss ihn erwähnen, ihn umarmen und ihn feiern. Denn das sind wir diesem Monster von Song schuldig. Hat man „Cortez The Killer“ nicht gehört, darf man nicht mitreden. Und dabei geht es nicht um Geschmack oder subjektive Wahrnehmung, sondern um das Verständnis zur Musik.

Alan Lomax

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