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Schuld und Vergebung

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 26. Juli 2009, 17:25pm

Kategorien: #Filme

Ich weiss, dass der Mann der die Zeilen ausspricht und der diesen Charakter erfindet nicht ein und dieselbe Person sind, aber in seinem Falle ist der Grad der Identifikation immer so gross, dass ich unweigerlich in jedem seiner Filme seinen Vornamen laut ausrufen muss mit geballter und gestreckter Faust. Vielleicht ist das sein Geheimnis, ich weiss es nicht. Ich weiss auch nicht wie lange mich Clint Eastwood in meinem Leben auch schon begleitet hat, es ist sehr lange her und es gibt nur sehr wenige Menschen, die einen solchen "Einfluss" auf mich hatten wie er. Gibt es im richtigen Leben Seelenverwandte, so sind es in der Fiktion die von ihm dargestellten Charaktere auf der Leinwand. Das Eastwood selbst im realen Leben nicht unbedingt deren Ansichten und Lebensweisheiten teilen muss liegt auf der Hand, aber irgendeine Beziehung muss er zu ihnen haben, sonst würde er keine Filme über sie drehen. Wenn ich bis zum Ende bei einem Film sitzen bleibe, dann ist das immer ein gutes Zeichen für die Qualität und im Falle von 'Gran Torino' muss ich sagen, dass er ein unvergleichlich schöner, nachdenklicher, mutiger und bewegender Film dieses Regisseurs und Schauspielers ist. Es gibt so viele berührende, ehrliche und zu Herzen gehende Dialoge in diesem Film, dass man immer wieder daran erinnert wird, wie "einfach" es ist gute Geschichten zu erzählen ohne viel Lärm und Getöse. Und solche Art Geschichten kann er und nur er erzählen und ich behaupte mal zu wagen, dass es momentan keinen gibt der das besser kann.

Man sitzt vor dem Fernseher und blickt gebannt auf den Schirm und staunt mit welcher Finesse Eastwood zeitlose Themen angeht und wie "leicht" ihm dabei die Inszenierung von der Hand geht. 'Gran Torino' ist ein Film der sicherlich als Unterhaltung gedacht ist aber weit, sehr weit darüber hinausgeht. Im Grunde ist der Film die Reflexion eines alten Mannes über sein Leben, seine Vergangenheit, seine Fehler, seine Schuld und Sühne. Manch einer mag sich vielleicht an der religiösen Symbolik stören, aber ich finde sie in diesem Kontext sehr gut eingesetzt, anders wäre es auch undenkbar. Zum anderen ist der Film aber auch ein mustergültiges Beispiel über Freundschaft und deren Wert, über In- und Toleranz, Ehrlichkeit und bröckelnde Moral- und Wertvorstellungen. Man könnte den Inhalt dieses Filmes mühelos in einen Western übertragen. Eastwood verkörpert die Wandlung eines grantigen Korea Krieg Veteranen und ehemaligen Montagearbeiters bei Ford mit einer traumwandlerischen und glaubwürdigen Sicherheit, kein Wunder nach diesen Jahrzehnten an Erfahrung. Ein grossartiger Schauspieler war er nie, brauchte er aber auch nie zu sein für die Rollen die er verkörperte, waren doch das Umfeld und die Geschichte sehr viel bedeutender bei ihm und nebenbei fand und finde ich seine Interpretation der Rollen einfach grossartig. Man nimmt ihm diesen Walt Kowalski ab ohne zu zweifeln und damit hat er als Schauspieler überzeugt, vollkommen.

Was den Film so wunderbar beeindruckend und grossartig macht sind die vielen kleinen Wahrheiten, die abseits der Rahmenhandlung stecken, die vielen grossartigen humorvollen Szenen und Dialoge, die absolut mitreissend sind. Diesem Film gelingt etwas, was im Kino sehr sehr selten ist: Das Kino imitiert das Leben imitiert das Kino. Solche Filme sind absolute Raritäten wie beispielsweise 'The Deer Hunter', sie spielen in einer sehr schwer zu erreichenden Liga und leider sind es meistens solche Filme, die sehr melancholisch und traurig sind. Über die Handlung darf und werde ich nichts erzählen, denn sie ist das Kernelement dieses so grandiosen Filmes.

Ich kann Mr. Lomax nur zustimmen: Nach diesem Film haben Menschen wie wir das Bedürfnis, den Wunsch mit Mr. Eastwood einen Drink an der Bar zu nehmen, nicht um mit ihm über den Film zu reden, sondern nur um Spass zu haben.  The Village Gate

Die Schlusseinstellung des Filmes ist eine der schönsten die ich je gesehen habe, sie hat sich eingebrannt und dass Jamie Cullum den Titelsong singt, dieser von ihm, Clint Eastwood und seinem Sohn Kyle geschrieben wurde, dass sagt einfach alles aus.

'Gran Torino': Ein Meisterwerk.

Rick Deckard

Bildquelle: Copyright Warner Bros.

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