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Der Plan – Safe Your Software

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. April 2021, 10:07am

Kategorien: #Alan Lomax Blog, #Album Review, #Elektronische Musik, #Feuilleton, #Independent Musik, #Kommunikation, #Popmusik

Coverpicture: Safe Your Software - Der Plan

Coverpicture: Safe Your Software - Der Plan

„Informationen sind nicht vollständig“; …fast drohend schlägt mir die Textphrase aus dem Song "Copy Copy Machine" entgegen, als ich die Platte das erste Mal höre. Es ist der Eröffnungstrack auf dem Album SAFE YOUR SOFTWARE, welches lange als verschollen galt.

 Zu dem gesamten universellen Kunstwerk Ata Tak/Der Plan habe ich eine ganz besondere Beziehung. Daher ist es mir auch sehr wichtig, in diesem Artikel nichts zu vergessen. Wiedermal muss ich mich also entscheiden, ob ich subjektiv oder objektiv über das Angekündigte schreibe. Etwas später, nämlich bei dem Track „Die Geschichte der Fanuks“, wird mir diese erste Entscheidung von Oliver Dupont abgenommen. Der Schauspieler erklärt nicht nur die Kernelemente der Konzeption der Kunstband, sondern auch die Ausarbeitung philosophischer Grundlagen künstlicher Musiker in einem erlesenen par force Abstract.

 Ich selbst habe mein erstes Album der Band ca. 1984 entdeckt. Es war „Die letzte Rache“. Zu dieser Zeit fing ich an, mich intensiver mit Musik zu beschäftigen und mich auch für die Menschen, die hinter dieser Kunst stehen, zu interessieren, also nicht nur aus der Perspektive eines 14-jährigen mit einem stets wechselnden Bravo-Starschnitt in seinem Zimmer. Erstaunt stellte ich eine geheimnisvolle Nähe zu zwei anderen Schallplatten meiner damals noch spärlichen Sammlung fest: der Single "Fred vom Jupiter" und der seltsamen Single einer Band, die sich Deutsch Amerikanische Freundschaft nannte und die ich in dem Plattenhaufen meines Bruders entdeckt hatte. Diese Wurzeln der Zusammenhänge wurden einige Jahre später aufs Extremste verdichtet. Obwohl ich nicht im Rheinland aufgewachsen bin, war ein Augenmerk bei Plattenkäufen der 1980er Jahre auch immer die inzwischen persönlich aufgestiegene Marke Ata Tak. Zufällig erstand ich Ende des Jahrzehnts auf dem Flohmarkt in Hannover die Depeche Mode Single "The Meaning of Love" (1982) für wenige DM, welche die unabdingbare Feststellung der Zusammenhänge der Herren Dahlke, Fenstermacher und insbesondere (für mich persönlich) Reichelt verstärkte.

Und es ging immer weiter. Als ich Anfang der 1990er Jahre in einem kommunalen Kino den Film "Die letzte Rache" von Rainer Kirberg sah, fielen mir die berühmten Schuppen von den Augen: Meine erste Der Plan Platte war ein Soundtrack. Die Zeit während des Films im Kino war wie meine zweite Geburt: ich sah die von Moritz R® entworfenen Bühnenbilder und Masken. Nahm den schon immer geliebten Andreas Dorau wahr. Etwas später habe ich in Braunschweig mein erstes Der Plan Konzert gesehen. Ich glaube es wurde auch der Film „Schlag Dein Tier“ von Andreas Dorau und ein weiterer Film mit dem Namen „Der Grottenolm“ (ebenfalls Rainer Kirberg) gezeigt.

Wissen Sie? …Anfang der 1990er Jahre war es gar nicht so einfach, sich für solche geschlossenen Universen zu interessieren. Bücher über Popkultur und ernstzunehmende deutsche Künstler aus dem Untergrund waren rar bzw. gar nicht gesät. Über die Umstände des nicht vorhandenen Internetzes sind Sie, lieber Leser, bestens informiert. Nicht gerade förderlich für die Verdichtung waren aufkommende Bands wie Nirvana und eine sehr starke gute Independent Kultur aus GB und USA, die ständig um mich tanzte und ablenkte. Glücklicherweise war ich schon damals mit Marc Hairapetian www.spirit-fanzine.de befreundet, der gute Kontakte zur Düsseldorfer Musikszene hatte. Später zog ich ins nachbarschaftliche Köln und konnte mich endlich mit der rheinischen Popkultur von Can bis Kraftwerk beschäftigen. Leider wurde bei allen Retrospektiven der letzten Jahre, die im rheinischen Kontext stattfanden, die visionäre Welt von Der Plan zu häufig vergessen. Der fehlende Gleichklang zu Kraftwerk und ähnlichen Vergleichen liegt vielleicht an der Tatsache, dass Der Plan das Umfeld der Visionen aktiviert hat, während andere diese verspätet aber erfolgreicher gezielt als kommerzielle Problemlösung eingesetzt haben.

Auch im Jahr 2021 ist es noch immer so, dass in fast jedem Bericht über Kunst und Werk der Band, "Fred vom Jupiter" als Wegbereiter der Neuen Deutschen Welle herhalten muss und Ata Tak damit immer wieder in einer Lebensgestaltung verortet werden, die der Wichtigkeit und Bewusstwerdung ihrer Kunst für Popkultur national und international nicht mal ansatzweise gerecht wird.

 Vielleicht ist dann das Album SAVE YOUR SOFTWARE auch als Rationalisierung der geistigen Tätigkeit der drei Herren zu verstehen. Denn irgendwann will doch ein Künstler nur noch ein Mensch sein, der Sex mag und den Computer und die Arbeit hasst. Abgesehen von dieser fragwürdigen objektiven Feststellung muss noch unbedingt erwähnt werden, dass diese Platte ein weiteres Meisterwerk ist. Denn mit Klangkunst, Sounddesign, Editing, Komposition, Würde und Humor, sowie mit der Zusammenfassung der zentrierten Frage MenschMaschine: I Want to be human, kann FANUKS es mit einigen der nicht weniger visionären Alben von Kraftwerk aufnehmen.

 Uin, Uin, Mun Kona Bab, Uin!

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