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Wege zum Ruhm – Mein Lieblingsfilm mit Kirk Douglas

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 6. Februar 2020, 16:29pm

Kategorien: #Filme, #Kommunikation, #Vergessene Helden

Wege zum Ruhm – Mein Lieblingsfilm mit Kirk Douglas

Der große Kirk Douglas ist mit 103 Jahren gestorben. Der Verlust ist groß, da der Schauspieler einer der letzten großen Symbolfiguren des klassischen Hollywood gewesen ist. In Nachrufen werden nun seine großen Filme genannt werden. Viele Medien werden von seiner Männlichkeit berichten, von seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und über seine Paraderolle als Kämpfer der Gerechtigkeit in Stanley Kubricks Spartacus (1960) schreiben. All‘ diese Hochschätzungen sind gerechtfertigt.

Mein persönlicher Lieblingsfilm mit Kirk Douglas, aber ist ein weniger genannter: Nicht aus diesem Grund, sondern weil ich Paths of Glory (Original Titel) seit je her für einen der besten Antikriegsfilme überhaupt halte.

Es gibt wenige Filme die ein so klares und präzises Plädoyer gegen jegliche Form von Militarismus und Ablehnung der Todesstrafe sprechen. Die Geschichte erzählt die Machenschaften einiger  französischer Offiziere im Ersten Weltkrieg, mit der sie zur Beförderung der eigenen Karriere die Soldaten in eine militärisch sinnlose Schlacht schicken. Kirk Douglas spielt Colonel Dax, den Kommandeur der Soldaten. Er gehorcht dem Unterfangen seiner Vorgesetzten, der Angriff auf die Anhöhe, aber scheitert. Die Offiziere wollen nun ein Exempel statuieren und lassen drei Soldaten aus den eigenen Reihen wegen Feigheit vor dem Feind erschießen. Colonel Dax verteidigt seine Soldaten vor dem Kriegsgericht, obwohl der Tod bereits beschlossene Sache ist.

Stanley Kubrick ist bei diesem Film scheinbar auf der Höhe seiner Fähigkeit, Räume, Architektur und Atmosphären nicht nur besonders zu sehen, sondern dies auch fotografisch um zusetzten. Somit nutzt er das Schloss Schleißheim als bittere Abrechnung der Dekadenz, nicht nur aufgrund des geringen Budgets (daher in Deutschland gedreht), auch als Abrechnung mit Frankreich da Kubrick dort keine Drehgenehmigung erhielt. Die abgehobene Kulisse, die Divergenz der schmutzigen Kriegsschauplätze zur Welt der Generalität, der große Saal in dem die Gerichtssequenz stattfindet und die armen Soldaten, die wie Bauernopfer noch eindrucksvoller wirken, weil der Boden schachbrettartig verlegt ist und die unglaubliche Schlusssequenz - die ich mal ohne zu spoilern „treue Husaren“ nenne - vergisst niemand der den Film je gesehen hat.

Kirk Douglas selbst hat über den Film gesagt, dass er keine 50 Jahre benötigt, um  beurteilen zu können, dass Paths of Glory immer gut sein wird, weil er es schon damals wusste. Douglas war überzeugt von dem Stoff und dem Streifen und von Stanley Kubrick. Denn er produzierte ihn und wusste auch, dass er nie etwas damit verdienen würde.

Der Film ist sicherlich nicht der bekannteste Kirk Douglas Film. Und wahrscheinlich kennen die wenigsten Menschen die wirklich wichtigen und auch häufig aufgeschriebenen Hintergründe zu dem Meisterwerk. Aber ich denke, wenn wir uns an diesen Mann erinnern, sollten wir auch er wähnen, dass er nicht nur Teil des Kinos war, sondern eben auch selbst ein Cineast gewesen ist. Wie sonst ist zu erklären, dass er 1960 die treibende Kraft hinter so einem schwierigen und unbequemen Stoff war und selbst die Hauptrolle spielt.

Als Colonel Dax bleibt diese Ikone für mich unvergessen. Denn das kaleidoskopische Zusammenspiel vieler Faktoren macht nicht nur seine Darstellung in Paths of Glory unvergessen. Es ist auch die Zeit um 1960 in dem er sich diesem unpopulären Thema annimmt, obwohl er ein Superstar ist, offensichtlich das Verlangen nach Gerechtigkeit hat und sich obwohl amerikanischer Patriot, mit scheinbar europäischen Sujets auseinandersetzte, obwohl gerade ihn etwas später die anrollende Nouvelle Vague, aber auch das neue amerikanische Kino, überrollen wird.

Natürlich konnte er das ca. 10 Jahre zuvor nicht wissen, aber entscheidend dabei ist, dass beide „Wellen“ eben nichts mit diesen Helden anfangen konnte, ja diese Rollen sogar hinterfragt hat. Erst heute wissen wir, welchen Wert Film, Darstellung und vielleicht auch Heldenepen wie u. a. auch "Spartacus" gehabt haben. Von filmhistorischen Momenten zu sprechen ist einfach und eine rein cineastische Sichtweise.

Wir sollten lernen, insbesondere solche wahrhaftigen Darstellungen, der menschlichen Abgründe in unseren Alltag einzubauen. Diese Filme und Geschichten unseren Kindern und Enkelkindern erzählen und zeigen, damit der ganze Scheiß nicht von vorne anfängt.

Aus Hollywood

Alan Lomax

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