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Ad Astra

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 7. Februar 2020, 17:30pm

Kategorien: #Filme

Ad Astra

Die Suche nach guten Science Fiction Filmen ist genauso aufwendig, zäh und frustrierend, wie die Suche nach extraterrestrischem Leben im All. Im Falle von James Grays Aufbruch zu den Sternen wird man belohnt, allerdings erst auf den zweiten Blick und einen Tag später.

Erzählt wird der Geschichte von Major Roy McBride (Brad Pitt), Mitglied von Space Command, einer Weltraumbehörde in der Zukunft. Major McBride wird für eine Geheimmission auserkoren. Er soll Kontakt zu seinem Vater Clifford McBride (Tommy Lee Jones) aufnehmen, der ein Projekt zur Suche ausserirdischen Lebens leitete und vor mehr als zwei Jahrzehnten verschwand. Die Behörde nimmt an, dass er noch lebt und bittet den Sohn um Kontaktaufnahme vom Mars. Space Command vermutet, dass vom Neptun aus, McBrides letztem Aufenthaltsort, elektromagnetische Stürme ausgehen, die das Leben auf der Erde bedrohen. 

Ad Astra bietet keine Twists, keine Aliens, keine Schlachten im Weltall, der Film mutet eher an, wie eine lange Meditation. Der Vater-Sohn-Konflikt, die Vater-Sohn-Erzählung, bietet eher einen unbedeutenden Kern, um den sich ganz etwas anderes dreht: Die schier unendliche Größe und Weite des Weltalls mit der Lebensfeindlichkeit für den Menschen. Zeit und Raum: Zwei Dimensionen, die die Vorstellungskraft des Menschen sprengen.

Regisseur James Gray und sein (legendärer) niederländischer Kameramann Hoyte van Hoytema (bekannt durch seine Zusammenarbeit u.a. mit Christopher Nolan) liefern beeindruckend schöne Bilder von der Erde und vom All. Erst in der Relation wird sichtbar, wie klein und "unbedeutend" der Mensch vor der unendlichen Größe des Universums ist. 

Interessanter Weise bedient sich Gray der Technik des "Voice Over", durch die der Protagonist aus dem Off an seinen Gedanken teilhaben lässt. Dieser innere Monolog ist denn auch der Leitfaden dieser Erzählung. Die Monotonie der Stimme, der Inhalt und die Sinnlosigkeit der Gedanken als auch die realistische Einschätzung der Geschehnisse durch den Hauptcharakter verleihen dem Film einen reflektierenden, kühl-analytischen Charakter eines Dokumentarfilms. Es wird einem mulmig in der Magengegend, wenn man den von Pitt dargestellten Charakter in der Trostlosigkeit des Alls und ferner Planeten beobachtet ... far away from home. Wie schön unser Planet ist!

Ad Astra bietet keine Projektionsfläche, keinen sympathischen Charakter, keine Wärme und genau aus diesen Gründen wirkt er faszinierend, weil er sich abhebt vom einheitlichen Mainstream-Gebräu. Aber nicht sein Anti-Blockbuster-Alleinstellungsmerkmal macht ihn sehenswert, sondern seine Ambition das Weltall als menschenfeindlich zu zeigen und den Menschen als "Weltenfresser", wie Roy McBride es sagt, als ein Lebewesen, dass immer wieder um Ressourcen streitet und kämpft, selbst dann, wenn andere Planeten besiedelt werden.

Der Film besticht durch seine realistische Inszenierung und seine Ausgewogenheit in puncto Wissenschaft und Fiktion. Ein Streifen für eine Late Night Vorstellung, den man in aller Ruhe und innerer Ruhe geniessen sollte. Einmal, am besten zweimal.

Vom Neptun,

Rick Deckard

 

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