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Better Call Saul – Staffel 1 – 4 – Ein Meisterwerk

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 11. Oktober 2018, 13:54pm

Kategorien: #Filme, #Fernsehen

Better Call Saul – Staffel 1 – 4 – Ein Meisterwerk

Bereits 2015 lief die erste Staffel des BREAKING BAD Ablegers. Ich habe gerade mal meine damaligen Gedanken dazu nachgelesen LINK. Oftmals neigen Autoren dazu, dass gestern geschriebene, besser zu vergessen, aber ich bin froh für diese archivierten Notizen und auch für meine damalige Euphorie.

Denn das tolle daran ist, dass die Serie nach vier Staffeln als eine der 10 großen TV-Meisterwerke der letzten 20 Jahre genannt werden kann. Den Showrunnern Peter Gould & Vince Gilligan gelingt es weiterhin mit Tiefe der Erzählung, konsequenter Tragik und Komik bei der Weiterentwicklung der Seriencharaktere und einer zeitgleichen Schwere und atmosphärische Trägheit, eine zutiefst ergreifende Geschichte zu erzählen, die zudem aus cineastischen Gesichtspunkten und einer sehr eigenen Bildästhetik, kaum Vergleiche zu lässt.

Natürlich ist der Star der Serie, weiterhin BOB ODENKIRK. ODENKIRKs Ausdrucksstärke und visuelle Komik würde auch in jedem je gedrehten Stummfilm funktionieren. Auf eine sehr einzigartige Weise, verleiht er der Figur, einen eigenen, oftmals für den Zuschauer nicht immer gleich nachvollziehbaren Antrieb und leicht entrückte Beziehung zum Leben. Interessanter Weise erinnert Odenkirks Interpretation der Rolle des Rechtsanwaltes James "Jimmy" Morgan McGill, an die Figur Donald Duck. Sozusagen ein notorischer Pechvogel, der ständig den Kürzeren zieht, aber eben auch, weil er an etwas festhält, was ihm sein Umfeld nicht zulassen will.

Grandios in der Entwicklung des Story-Tellings der vier Episoden (NETFLIX) ist die auch die langsam, aber sichere Überleitung zur Mutterserie. So tauchen nach und nach die Leute vom Salamanca Kartell auf und in einer genial erzählten Parallelgeschichte, erfahren wir wie sich Gus Frings überlegt das unterirdische Drogenlabor zu bauen. Dieses Vorhaben ist natürlich monumental für ein Kaff wie Albuquerque in New Mexico. Dem geneigten Zuschauer von BREAKING BAD wird das damals schon aufgefallen sein. Und Gilligans inhaltlicher Einfall, die Geschichte des Baus, als gleichzeitiges Stimmungsbild und Vorlage einer weiteren Hauptfigur zu nehmen ist genial. JONATHAN BANKS als MIKE EHRMANTRAUT ist somit auch sicherlich die Hauptentdeckung der Serien und neben JIMMY MC GILL aka. SAUL GODDMANN, das entscheidende Bindeglied der gesamten Erzählung.

Das Ganze führt zum Ende der vierten Staffel zu einer der ergreifendsten emotionalen Show-Downs der amerikanischen TV-Geschichte. In die auch ein Landsmann verwoben ist. Der deutsche Schauspieler RAINER BOCK brilliert in der gesamten Staffel als Bauleiter Werner Ziegler. Eine weitere grandiose Leistung, die im Prinzip ein weiteres Spin-Off rechtfertigen würde.

BETTER CALL SAUL ist unglaublich langsam erzählt. Die daraus entstehende Filmästhetik und Eleganz ist visuell erschütternd. So gibt es Kameraeinstellungen die sich einem erst viel später erschließen und Handlungsstränge die schwer zu verstehen sind, wenn sich der Zuschauer ablenken sollte und nicht aufmerksam bleibt. Außerdem gibt es kaum Stereotypen. Nichts ist wie in anderen Serien. Nichts folgt einer konventionellen Logik. Diese Serie ist eine Serie für Menschen die mit dem Thema Serien längst abgeschlossen haben oder noch gar nicht richtig angefangen haben und auf die lakonisch Kunst eines Aki Kaurismäki, Wes Anderson oder Jim Jarmusch stehen.

Aus der Anwaltskammer, New Mexiko

Alan Lomax 

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