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Musik, Kino, Kultur, Radio


Interstellar - Christopher Nolan - Ein Verriss

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 20. April 2015, 18:08pm

Kategorien: #Filme

Du meine Güte! Bin ich hier im falschen Film? Ja!!!!

Du meine Güte! Bin ich hier im falschen Film? Ja!!!!

Natürlich war meine Erwartungshaltung sehr groß. Nach den wirklich überzeugenden Science-Fiction Streifen GRAVITY von ALFONSO CUARÓN und dem Masterpiece OBLIVION von JOSEPH KOSINSKI auch kein Wunder.  Beide Streifen überzeugten durch einige kluge, neue Ideen was das Genre angeht und beeindruckten durch eine visionäre Ausdehnungskraft was die Cinematographie angeht.

Mythologisches, pseudophilosophisches Geplänkel kann man –wenn man ganz ehrlich ist– auch Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum unterstellen und wer dagegen argumentiert blickt aus meiner Sicht zu subjektiv auf das Genre. Denn ein Science-Fiction Film muss mehr Fragen stellen, als wir beantworten können. Kann er das nicht, verliert er sein überwältigendes Ausmaß. Mag der Zuschauer es oder nicht, entscheidet nicht die Tricktechnik oder der gedankliche Entwurf des Regisseurs, sondern eine Art von Demut die der fertige Film auf die Sehnsucht des Zuschauers ausübt.

Einfacher gesagt und am Beispiel von 2001 klebend, schafft der Wunderregisseur Kubrick es mit Ästhetik und Avantgarde, den kleinbürgerlichen gewöhnlichen Kinogänger zu überfordern und die gebildeten Statushohen darauf hinzuweisen, dass die formalen Möglichkeiten des Films noch nicht erreicht sind. Das war 1968 und für diese Zeit natürlich epochal. Und wegweisend ist der Film, aus philosophischer und cineastischer Sicht noch immer.

Ein Film wie INTERSTELLAR muss sich daher an diesen drei Beispielen messen lassen. Insbesondere an 2001, denn Regisseur und Drehbuchautor Christopher und Bruder Jonathan Nolan als Lieblingsfilm und Vorlage erwähnen. 

Was wir aber in dem dreistündigen Blockbusterfilm zu sehen bekommen ist taumelnder Mist! INTERSTELLAR schafft eben nicht das, was CUARÓN und KOSINSKI und um die Beispiele abzurunden, DANNY BOYLE mit SUNSHINE und DUNCAN JONES mit MOON geschafft haben, die weniger durch galaktische Spezialeffekte überzeugen, aber durch kammerspielartige Inszenierungen und überragenden Schauspielern glänzen.

Bevor ich das Schlimmste aus INTERSTELLAR addiere, noch ein Wort zur Musik im Film. Über Richard Strauss sinfonische Dichtung ALSO SPRACH ZARATHUSTRA und deren Verwendung  in 2001 muss als Geniestreich nicht gesprochen werden. Überhaupt ist es schwer, Filmmusik in wenigen Zeilen zu bewerten. Insbesondere da ein Score immer ein ganzheitlicher künstlerischer Ansatz ist und somit für die Freiheit des Komponisten und des Regisseurs steht!

Was Hans Zimmer uns aber in diesem Film anbietet ist nicht nur ein lächerliches Plagiat und ein wahrscheinlich in 24 Stunden programmiertes Machwerk, sondern eine Beleidigung an das Herz und Ohr an den Zuschauer mit Anspruch und  an das Ohr des „normalen“ Zuschauers. Keine Ahnung was den Soundeditor getrieben hat. Die  Mischung von Geräuschen, Dialogen und Musik ist unerklärlich fürchterlich und kaum zu ertragen. Ein technischer Aspekt der nichts mit einem künstlerischen Ansatz zu tun hat und vom Regisseur als „eindringliches Sound- und Musikdesign“ beschrieben wird. Eine Sache! Aber Zimmer’s Versuch und (man muss es ja so nennen) größenwahnsinniger Versuch Richard Strauss zu kopieren und Arvo Pärts schönen Klangstrukturen zu verwenden, ist lächerlich und eine der peinlichsten Unternehmungen in der Geschichte des Films. Leider noch nicht mal mehr Trash!

Die Geschichte kann als solche stehen bleiben, obwohl sie logische Löcher aufweist, semi-philosophische Versuche unternimmt und eigentlich bahnrechend langweilig ist. Das Schlimmste an dem Skript aber ist, dass die Nolan’s uns  permanent versuchen alles zu erklären. Und was bleibt mir da anderes übrig als zusammenfassend zu sagen, dass dieser Film für Philister ist. Denken Sie alleine an die bedauerliche Sequenz auf dem von der Endurance angesteuerten Planet, der von Astronaut Mann (Matt Damon) entdeckt wurde. 

Wenn man das alles überstanden hat und denkt: „…es ist doch nur ein Kinofilm“, kommen einem die armen Darsteller in den Sinn. Allen voran den seit letzter Zeit, von mir hoch geschätzten, Matthew McConaughey, der in diesem Film zurück zu seinen Anfängen (Ein Schatz zum Verlieben) kommt. Aber es ist unmöglich zu glauben, dass es seine Schuld ist. Nolan kann mit dem Charakter gar nichts anfangen und überträgt diese Gleichgültigkeit auf den Texaner. Es fängt bei den unmöglichen Texten an, die der arme Mann in dem Film von sich geben muss und endet bei der unmöglichen Reise die er nur aus einem Grund bewerkstelligt. 

Leider ist INTERSTELLAR direkt von Null in die TOP10 meiner persönlich schlimmsten Filme, ohne Trashfaktor, gerutscht. Und das liegt nicht an den subjektiv feststellbaren Schwächen, sondern an der Ambition, wie hier versucht wird ein Meisterwerk wie 2001 – Odyssee im Weltraum nachzuahmen und durch eine vereinfachte Handlung zu einem Blockbuster mutieren zu lassen, der den Zuschauer nicht mal in seinen emotionalsten Momenten erreicht.

Aus einem Wurmloch!

Alan Lomax 

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