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www.lomax-deckard.de

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Filmmusik

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 11. April 2010, 12:14pm

Kategorien: #Orchestrale Musik

 

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Viele der regelmässigen Leser dieses Blog mögen sich vielleicht fragen, was es mit dieser Art Musik auf sich hat und warum Menschen sich mit ihr in der Freizeit beschäftigen? Im Gegensatz zur PoP Musik zur Klassik oder auch Jazz ist dieses Teilgebiet der Musik in der Gesellschaft bei weitem nicht so populär. Das hat viele Gründe, die ich jetzt hier im einzelnen nicht erläutern will, vielleicht später. Ich möchte auch keineswegs missionarisch tätig sein oder werden, denn damit bin ich in der Vergangenheit kläglich gescheitert. Ich habe versucht vielen Menschen im Laufe der letzten 2 Jahrzehnte meine Begeisterung für diese Musik an Hand Mix-Tapes näher zu bringen, aber die Resonanz war immer gleich null, von Kommentaren wie "... ich bin eingeschlafen!" oder "... hmm, ganz nett". Das ist und war auch nicht weiter schlimm, denn man kann jemanden etwas nicht aufzwingen. Das bedauerliche ist hierbei nur, dass die meisten Menschen nicht wenigstens versuchen sich dieser Musik zu nähern. Es erfordert überhaupt keine Mühe und auch keine Vorkenntnisse. 

Lomax und ich haben in diversen Beiträgen von der Musik-Sozialisierung gesprochen, also wie jemand das erste Mal mit Musik im Laufe seines Lebens in Kontakt kommt, wie sich diese Begeisterung dann im Laufe der Jahre weiter entwickelt, festigt und auch ausbaut. Gerade letzteres ist etwas, was bei den meisten Menschen die ich kenne und die sich für Musik begeistern nicht passiert. Denn irgendwann tritt ein Stillstand ein, man "kennt seine Pappenheimer" und es lässt sich in einer geordneten musikalischen Welt eben bequem und gut leben. Dem ist nichts entgegen zu setzen, weil es das Recht eines jeden einzelnen Menschen ist und niemand möchte sich in seiner Freiheit einschränken lassen. Es gibt aber darüber hinaus einen Punkt, wenn man ihn denn überschreitet, der zu einem viel zitierten Satz führt:"Die Schönheit der Erkenntnis!" 

Was mich betrifft, so war ich seit frühester Jugend ein "Kind der Klassik" bedingt durch den Umstand, dass meine Eltern mich motivierten das Klavierspiel zu erlernen. Solche Umstände prägen ungemein, mehr unbewusst als bewusst und mehr als man glaubt. Also beschäftigte ich mich mit den Musikern dieser Gattung und den vielen orchestralen Werken, Sonaten, insbesondere für Klavier und vertiefte mich zum Teil auch in die Biografien der Künstler. Wenn man es so will war ich ein Nerd in dieser Hinsicht. Neben diesem Hobby flammte seit der frühesten Kindheit die Leidenschaft für das Kino auf, die ungebrochen bis heute anhält. Seit den frühen 80'er Jahren entwickelte ich dann parallel zur Klassik ein immenses Interesse an der Filmmusik, welche kurzzeitig für einige Jahre unterbrochen wurde und das war gut so, denn wenn man sich nur noch einseitig mit etwas beschäftigt, wird man nicht nur dogmatisch in seinen Ansichten, sondern neigt auch dazu intolerant zu werden. Der Grund für diese Pause waren die berühmten Musik Sessions mit Lomax in den Neunziger Jahren. Zugegeben, ich war der Klassik und der Filmmusik auch etwas überdrüssig und meine Ohren wollten etwas neues hören. Ich erinnere mich sehr gut. In meiner Neugier fing ich an Punk zu hören, zusammengestellt auf einem Sampler, der dem Rolling Stone Magazin anbei lag. Das waren Lomax Worte, als ich in einem Telefonat hierüber erzählte:"Grossartig! Deckard hörte meine Musik!" Also kam es, dass wir in den darauf folgenden Monaten gemeinsam über diese Musik zum PoP/Rock und wiederum hierüber bei Fusion und schlussendlich beim Jazz landeten. Das alles muss ich noch anmerken, weil es wichtig ist, tat Lomax in einer sehr behutsamen, toleranten und auch intelligenten Art und Weise, denn anders kann man niemanden für etwas begeistern.

Nun, was hat das alles mit der Überschrift zu tun? Es geht einfach um die Tatsache sich zu öffnen und in der Musik, die so vielfältig und bereichernd ist, verschiedenen und anderen Stilen und Ausdrucksmöglichkeiten auch mal eine Chance zu geben! Urteilen kann man doch nur über etwas, wenn man es entweder probiert oder versucht hat. Ob es dann von Erfolg gekrönt ist oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Ich kann nur sagen, dass mein musikalischer Kosmos ohne die vielen Bands, die deutschsprachige PoP Musik und dem Jazz um vieles ärmer wäre und auch wäre mein Horizont der gleiche geblieben. Das ist es worum es geht.

Ob Filmmusik, PoP, Rock oder Jazz. Jeder wird in seinem musikalischen Leben eine solche Initialzündung erlebt haben, sei es durch ein Konzert, eine Platte oder einen gemeinsamen Musikabend. Damit komme ich auch zu den Menschen, wie ich einer bin, die sich u.a. für die Filmmusik entschieden haben. Warum hören diese Menschen Filmmusik? Dafür gibt es 3 Gründe:

- einer der Hauptgründe ist, dass man von einem Film so angetan ist, dieser einen so überwältigt hat, in welchem Sinn auch immer, dass man viele Szenen nochmals vor dem Auge wieder aufrufen möchte mit dem Zweck diese einzigartige Atmosphäre nochmals aufleben zu lassen.

- ein weiterer ist, dass sich Menschen die sich für das Kino begeistern, sich auch für den technisch-kompositorischen Aspekt interessieren. Wie schaffte es der Komponist einer Szene eine bestimmte Wirkung oder Stimmung zu verleihen, die diese ohne die Musik nicht erreicht hätte? 

- das Hauptargument aber sind die Emotionen. Ich möchte behaupten, dass Filmmusik es wie keine andere Gattung schafft Emotionen in ihrer ursprünglichsten Form zu transportieren und dieses Erleben des ganzen Gefühlsspektrums verursacht ähnlich wie bei der PoP Musik oder auch Jazz eine körperliche Reaktion. Musik ist physikalisch gesehen nichts anderes als eine Schwingung.

Diese Empfindung, dieses Hörerlebnis in der Filmmusik ist absolut einmalig. Ich empfehle es einfach mal auszuprobieren. Es gibt bestimmt den einen oder anderen Film, der gefällt und da sollte man, wenn man an Filmmusik interessiert ist oder diese entdecken möchte, ansetzen. Der Vorteil gegenüber der Klassik ist vielleicht, dass die meisten Stücke eher kurz sind und somit die Aufnahmefähigkeit nicht all zu sehr "strapaziert" wird. Heute ist man ja in der Lage auch mal einzelne Titel zu laden und zu hören und ist nicht verpflichtet das ganze Album zu kaufen. In dieser Hinsicht ein grosser Vorteil in einer solchen Anfangsphase.

Scores wie sie im englischen genannt werden, sind aber nicht nur auf orchestrale Musik beschränkt, es gibt sehr viele Querverweise zum Jazz, aber auch zur PoP Musik. Jeder kennt z.B. das Thema von 'Der rosarote Panther'. Es gibt unzählige solcher Beispiele, die jedem geläufig sind, bewusst oder unbewusst.

Grundsätzlich gibt es die Vocal oder Non-Vocal oder auch instrumentale Musik. Filmmusik ist letztere wie auch mit Ausnahmen der Jazz und die Klassik. Es gibt vieles bei dieser Musikrichtung zu entdecken, weil im Gegensatz zur Vocal Musik der Hörer viel mehr Freiheiten geniesst: Man kann der Musik so lauschen wie sie ist, oder seinen eigenen Assoziationen freien Lauf lassen. Instrumentelle Musik bietet einen die Möglichkeiten zur Reflektion, zur Abstraktion. Dadurch kann man sich so wunderbar in ihr, in diesem Fall der Filmmusik, "verlieren".

Natürlich ist Filmmusik in aller erster Linie funktionelle Musik, also zweckdienlich dem was auf der Leinwand auch immer passiert - entweder soll sie Emotionen oder die bewegten Bilder in einem bestimmten Sinne unterstützen oder verstärken, oder dort, wo Schauspieler aus natürlicher Gegebenheit nicht in der Lage sind solche darzustellen, ergänzen. Es ist eine Auftragsarbeit, die meistens unter enormen Zeitdruck vom Komponisten abgeliefert werden muss. Filmmusik-Komponisten können sich nicht ein Jahr ins Studio zurück ziehen und endlos am Sound oder an der Melodie feilen. Umso bemerkenswerter ist es, was manche Komponisten trotz dieser sehr grossen künstlerischen Einschränkungen "auf die Beine stellen". Das Ergebnis ist vielfach bemerkenswert!

Ich empfehle einfach mal beim nächsten Besuch im Kino oder beim anschauen einer DVD gezielt auf die Musik im Hintergrund zu achten oder zu hören, vielleicht bei der Titelsequenz.

 

Hier kann man übrigens die Qualitäten eines John Williams bewundern, der "Haus- und Hofkomponist" von Steven Spielberg.

Aber auch abseits der diversen Download Plattformen und Datenträger gibt es Möglichkeiten Filmmusik auch live zu erleben:

link zu Star Wars in Concert. Gerade vor kurzem war das Spektakel in Oberhausen und Hamburg zu sehen mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter dem Chefdirigenten Dirk Brossé. Vielleicht gewinnt man dann einen Zugang zu dieser Musik oder macht einmal eine Erfahrung abseits der herkömmlichen PoP und Rock Pfade.

link zu Klassik Radio. Das Klassik Radio Pops Orchestra spielt Themen aus verschiedenen Filmen, demnächst in Frankfurt (18.04.10) und Stuttgart (23.05.10).

Augen und Ohren auf, es gibt immer wieder interessantes zu entdecken!

Einen schönen Sonntag,

Rick Deckard

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