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Lawrence von Arabien - Genese eines Mythos

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 31. August 2011, 09:56am

Kategorien: #Kommunikation

Lawrence_von_Arabien_-c-Rau.jpg

 

Kategorisch fällt es mir bei den ersten Zeilen schon schwer zu schreiben! Lawrence von Arabien!? Film, Vergessene Helden, Kommunikation?

 

Seit April gibt es im Kölner Rautenstrauch-Jost-Museum (Kulturen der Welt) die Ausstellung Lawrence von Arabien - Genese eines Mythos. Ein treffender Titel. Seit April fahre ich taglich durch die Innenstadt an großflächigen Plakaten für diese Ausstellung vorbei. Sehe meinen Kindheits-, Jugend- und Filmhelden.

 

Der echte Thomas Edward Lawrence lächt mich täglich an und hinterlässt jedesmal einen Schauer bei mir. Einerseits freue ich mich zwischen all' den Werbefotos von Schokoriegeln, Handyanbietern, Fernsehshows und Elektronikmärkten einen echten Helden zu sehen, anderseits, ergreift mich die Angst, sich komplett mit der echten Geschichten von Lawrence und der fantastischen Filmgeschichte von Sam Spiegel und David Lean auseinanderzusetzen. Untertitel: Zerstörung eines Mythos. ?

 

Die ganze Geschichte um den Autor, Soldaten, Abenteurer, Historiker, zweifelhaften Menschen und Forscher Lawrence ist eine philosophische Betrachtung und poetische Beschreibung, dann aber auch eine fesselnde Handlung. Es gibt kaum vergleichbarere Charaktere die im echten Leben, zweifelhaft waren und deren Filmmythos, dann die gesamte Geschichte nocheinmal auf eine neue Stufe gebracht hat.

 

Aber ob nun Geständnis oder Rechtfertigung! ...das kann nicht meine Aufgabe sein. Die Lebensgeschichte von Lawrence in der Realität ist ein fantastischer Motor um Geschichte und um Arabien zu verstehen. Der Film ist ein großartiger Motor, um menschliche Bewegunggründe, Leidenschaft und Scheitern eines Menschen zu verstehen. Subsummiert eine der besten, manigfältigsten Themen der Weltgeschichte.

 

Nach dem Ausstellungsbesuch werden mir viele Fakten bewusst, die ich vorher nicht gesehen habe. Auch wieder zweigeteilt in geschichtlicher Wahrheit und filmischer Liebe.

 

Die Ausstellung visualisiert Leben und Wirken dieser schillernden Persönlichkeit als Archäologe, militärischer Berater, Autor, Konstrukteur. Dabei stehen seine Begegnungen mit dem Orient, seine widersprüchliche Rolle in der arabischen Revolution und der Entstehungsprozess seines Mythos im Vordergrund. Natürlich spielt hier auch immer wieder die popkulturelle Bedeutung des Filmes, aber auch der zahlreichen Bücher und Comics eine Rolle.

 

Besonders interessant sind die zahlreichen Requisiten, die im Prinzip gar keine sind. Zwar auch im Film auftauchen, aber auch "echte" Gegenstände des "echten" Lebens gewesen sind. Unter anderem der orignal Nachbau des Motorrads, welches letzendlich Lawrence elektirischer Stuhl wurde.

 

Beeindruckend sind Informationen aus seiner Jugend. Um zu verstehen, was ihn, zum größten Abenteurer (ich finde die Bezeichung am passensten) der jüngsten Vergangenheit machten. Interessant auch die Information, dass er selbst nur 1,66 m groß war. Natürlich hat man mit Peter o Toole einen anderen Eindruck im Kopf. Und schon ist man gedanklich auch beim Film.

 

Haben Sam Spiegel und Lean bei der Besetzung alles richtig gemacht? Eine kätzerische Frage, klar, nachdem man selbst den Film 30 Jahre als Meisterwerk abgefeiert hat und O Toole eben gerade wegen dieser einmaligen Glanzleistung in seine Heldentitanengallerie aufgenommen hat.

 

Aber was soll das! Zum zerstörren eines Mythos -Film- habe ich mir die Ausstellung nicht angesehen. Sondern um dieser wunderbaren Geschichte neue Facetten abzugewinnen. Und dazu ist die kleine, aber feine Ausstellung perfekt gemacht. Für weniger Interessierte, ist das sicherlich nur Beiwerk.

 

Natürlich habe ich den ganzen freien Tag dazu genutzt mir am Abend, endlich einmal wieder das Meisterwerk "Lawrence von Arabien" anzusehen. Die gute Nachricht: Er hat nichts von seiner Wucht verloren. Einige Dialoge und Sequenzen gehören nach wie vor (geneigte Leser, Freunde und Kollegen, wissen welche ich meine) zu den bewegensten der Leinwandgeschichte. Maurice Jarres Score ist bleibt der ewige Soundtrack der Wüste und Freddy Youngs Kamera gehört zu den am besten bewegten Maschinen, seit der Erfindung der Maschine. Das soll alles nicht lapidar klingen, es ist aber so, dass alles zu diesem Film gesagt wurde, was man sagen kann und zweifelsohne bleibt dieser Film das größte, was das Kino jemals erlebt hat. So steht es geschrieben...

 

Aber durch die Ausstellung und die kurzzeitige erneute Beschäftigung mit der Person Lawrence hat der Themenkomplex eine neue Stufe erreicht und das finde ich echt wirklich gewinnbringend für mich!

 

Was den zweifelhaften Charakter des Abenteurers angeht, so lassen wir ihn doch am besten selbst sprechen. Dieses Zitat habe ich zwischen den ganzen Ausstellungsstücken, Briefen und Fotos gefunden. Es repräsentiert am besten, die Aktualität der Geschichte, die Bedeutung von T.E. Lawrence für unsere Zeit und ist zeitgleich eine mahnende Stimme aus der Vergangenheit, die wir (alle Menschen der Gegenwart) mal täglich überdenken sollten:

 

"Im allgemeinen ziehe ich Lügen der Wahrheit vor, besonders wenn es um meine Person geht!"

 

Alan Lomax

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