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The Outlaw Josey Wales

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 2. Juni 2009, 19:52pm

Kategorien: #Filme

Die Trilogie mit Filmen aus den 60'er und 70'er Jahren habe ich mit einem Paradewestern der Extraklasse gestern abgeschlossen. Falls jemand hier nicht mehr weiss was ein Western ist: Spielt in der Natur, Cowboys und Indianer kommen vor, es gibt viele Schiessereien und am Ende reitet der Held der Sonne entgegen. Also im Grunde ist das eine Zusammenfassung des Films, kein Scherz! Aber es ist nicht so simpel, auch wenn alle o.g. Zutaten auch bei diesem Western eine grosse Rolle spielen. Clint Eastwood hat den Film gedreht und meines Erachtens ist er einer der besten Western und leider in Vergessenheit geraten. Bereits beim ersten mal war ich vollkommen überwältigt von der Epik, der Machart und der für Eastwood milden, ja fast liberalen Geisteshaltung, als ob er mit aller Macht gegen sein eigenes Image ansteuerte. Wobei er schlussendlich das spielt, was ihn zum Superstar (hier noch so einer, der diese Beigabe wirklich verdient!) gemacht hat: den stoischen, mürrischen Helden mit undurchdringlichem Ehrenkodex. In 'Erbarmungslos' gipfelte diese untypisch-nicht-reaktionäre Haltung, in einer zu Anfang schwer erträglichen, 360° Wendung, wobei er damit allen Stereotypien den Spiegel vorhielt, was gerade letzteren Film zu einem Meisterwerk machte! 

Rache war schon immer das archaische Motiv fast eines jeden Western: In grandioser Vollendung auf der Leinwand zelebriert von dem Genie Sergio Leone in 'Once Upon A Time In The West'! Auch hier ist es der Antrieb des Protagonisten. Eastwood spielt zu Beginn einen Farmer, dem man binnen Minuten seine Familie und sein ganzes Hab und Gut nimmt und zerstört. Getrieben von unstillbarer Rache wütet er im Anschluss wie ein Fegefeuer unter den Bösen, bis er am Ende seinen Seelenfrieden findet. Das klingt nach 'Ein Mann sieht Rot' Philosophie, ist es aber nicht und das ist dem schlauen Drehbuch zu verdanken und der unfassbar schönen Farbfotografie des Kameramanns Bruce Surtees.

Bei Anthony Mann war die Landschaft stets der Hauptdarsteller und auch hier wird die Landschaft des wilden Westens in fast malerischen Bildern eingefangen. Am Anfang sieht man das Licht durch die Bäume schimmern und Erinnerungen kamen (fast) hoch an die Maler des Impressionismus. Später wird die gesamte Facette, das urtümliche des Westens, ob Prärie, Wüste, Berge in fantastischen Cinemascope Bildern eingefangen. Die Kameraführung und v.a. die Ausleuchtung in Zimmern, Häusern und in der Dunkelheit im freien scheint fast ohne künstliche Lichtquelle auszukommen. Für einen Western eine aussergewöhnliche Qualität und ich kann es nur immer wieder betonen ohne in Nostalgie zu verfallen: Diese Art der Kameraführung wird mehr und mehr zur Seltenheit im von CGI überfluteten Kino der Neuzeit.

Es ist kein Wunder warum Eastwood der Mythos des Helden innewohnt. Auch hier ist er unglaublich souverän, extrem zielgerichtet und folgt unbeirrt seinem Weg. Die shoot outs, von denen es nicht wenige gibt, wie auch die direkten Duelle sind packend inszeniert bis zum finalen Duell, das zwar auch in einer Stadt stattfindet, aber in einer Seitenstrasse und ohne das gewohnte Ritual. Doch unabhängig von den klassischen Genre-Mustern die perfekt inszeniert sind, besticht dieser Film durch die leiseren Momente und die Dialoge (eher Monologe) von Eastwood mit Chief Dan George, der einen alten ausgemusterten und im Reservat lebenden Cherokee Indianer spielt, der einschliesslich seines Pferdes alles verloren hat. Die z.T. entwaffnend ehrlichen, ironischen und altersweisen Kommentare die Chief Dan George von sich gibt lassen einen nicht nur schmunzeln, sondern auch nachdenken. Eastwood kommentiert dies nicht sondern erwidert die Statements mit der Ihm bekannten Lakonie. Von diesem Zusammenprall zweier Charaktere lebt der Film in der zweiten Hälfte. In der ausgehenden 2. Hälfte der 50'er Jahre, wie auch in den 60'er Jahren wurden immer mehr kritische Stimmen laut, die sich bemühten das Schicksal der 'Native Americans' kritisch und ehrlich im Medium Film zu reflektieren. Einer der ersten ernsthaften Western dieser Art war John Ford's Klassiker 'Cheyenne Autumn'. Hier hingegen wird das ganze eher aus einer humorvollen Perspektive und mit weniger erhobenem Zeigefinger gesehen.

Gewisse Momente entbehren nicht einer Naivität, als beispielsweise Josey Wales Frieden mit einem Comanchen Häuptling schliesst, aber auch dieser Dialog beinhaltet Wahrheit und ist entgegen der Erwartungen der Zuschauer inszeniert.

'The Outlaw Josey Wales' ist ein fabelhafter Western von einem der (kann man nun unumwunden schreiben) talentiertesten und besten Regisseure der Neuzeit. Wer das nicht glauben mag, dem empfehle ich die letzten 5 Eastwood Regiearbeiten und seinen grandiosen Western 'Unforgiven'. Alle o.g. essentiellen Elemente eines Western tauchen bei 'Josey Wales' auf und sowohl in seiner kleinen politischen Aussage als auch in seiner Art wird dieser Film für immer unvergessen bleiben. Famos!

Clint Eastwood.

Immer der Sonne entgegen,

Rick Deckard

Bildquelle: Copyright Warner Bros. Pictures 

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