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Musik, Kino, Kultur, Radio


martin tingvall - en ny dag

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 30. August 2012, 20:03pm

Kategorien: #Populäre Musik

Tingvall.jpg

Man verspürt bereits in den ersten Takten des ersten Titels das unbändige Gefühl nach Ruhe. Ein Stern fällt, was aber keineswegs melancholisch klingt, sondern zauberhaft. Wie viel Schönheit eine kleine Melodie verströmen kann!

Die neuen Kompositionen von Martin Tingvall sorgen beim Hören für wunderbare Stimmungswechsel. Es sind dies kleine Veränderungen in der Tonart, in dem Tempo, der Begleitung der linken Hand, die diesen Effekt erzeugen. Während A Beginning in sich ruhend und meditativ daher kommt, wird es in Debbie And The Dogs plötzlich schnell und polternd, aber durchaus fröhlich. Der Interpret wirbelt jovial und man meint in Erinnerungen schwelgend über die Tasten, um immer zwischendurch inne zu halten.

After We Had Parted trägt musikalisch genau den emotionalen Inhalt in sich, den man vermutet. Ein bedächtig-dramatisches Stück mit leiser Melancholie. Ein sehr einnehmender Titel, der mit allen Facetten des Gefühls spielt, welches mit Trennung, in welcher Form auch immer, verbunden ist. Zeitgleich ist diese Musik auch ein Beweis für die grosse Kompositionskunst eines Martin Tingvall.

Der titelgebende Track lässt einen nach einiger Zeit durchatmen. Der neue Tag scheint verheissungsvoll, wenn auch als Echo sich gelegentlich die Trauer vergangener Tage in Erinnerung ruft. Wunderschöne Musik! Klasse wie die linke Hand repetitiv eine Grundmelodie vorgibt, über der Tingvall mit der rechten Hand seine verzückende Melodie spielt. Schön zu hören, wie die linke Hand hier und dort nach vorne drängt, sich aber schnell wieder zurückzieht und leiser wird, wenn es notwendig ist.

There Is Thunder In The Air! Leichte Hektik macht sich breit bis die linke Hand nach über einer Minute kurz und vehement aufdonnert. Die Unruhe und unheilvolle Stimmung vor dem Donner wird in diesem Titel gut dargestellt.

Ein feierlicher Moment um die Hand auf das Herz zu legen: Hositing The Flag On Midsommar. Nichts anderes suggeriert die Komposition. Ein erhebender Moment voller Stolz.

Die Gabe und das Talent eines Martin Tingvall Musik, Melodien zu komponieren sind wirklich beeindruckend. Man stelle sich das vor: Da sitzt ein Mensch vor seinem Instrument und übersetzt Stimmungen, Geschichten und Ideen in Töne und lässt sie für sich sprechen. Große Kunst ist das!

Wie er bloß auf die Bezeichnung des nächsten Titel gekommen sein mag? No Electricity In Harare. Eine saltierende Melodie, die wir da zu hören bekommen. Zum ersten Mal auf diesem Album schimmert so etwas wie Improvisation in der Musik durch. Die Stimmung ist trotz des Stromausfalls keineswegs bedrückend oder fatalistisch, sondern eher nach dem Motto: Nehmen wir es so wie es kommt und mit Humor! Feiner Track.

Mit der Präzision eines Uhrwerks oder eines Metronoms erklingt For The Loved Ones At Home. Die Aussage ist schwer zu fassen, fast klingt es so, als würde er den Daheimgebliebenen Mut zusprechen wollen. Ganz zart erklingt Sehnsucht. Je weiter das Album fortschreitet, desto überzeugender wird eine Intention des Musikers: Musik als Meditation, als Ruhepol.

Wie eine kleine Spielzeugmelodie spielt sich The Last Dance Of The Evening. Der Abend ist bald vorüber, etwas Wehmut kommt auf. Zeit, die letzten Sekunden und Minuten zu geniessen. Wunderbar wie der Musiker diese Stimmungen heraufbeschwört. 

Warum bloß soll der Moskito sterben? Hartnäckig ist er! Wut schnaubend (die linke Hand kurz nach dem Beginn!) scheint da jemand einem Insekt hinterher zu jagen. Ein lustiges Stück. Die Grenzen zwischen populärer Klaviermusik und Jazz verschwimmen immer wieder bei den einzelnen Stücken auf diesem Album. Eine schöne Hörerfahrung ist das. Man achte auf das Ende! Ist der Moskito tot oder ärgert sich der Jäger?

Genau! Mit When The Children Are Sleeping folgt ein Lullaby. Das ist ein Stück, Musik, die mitten in die Seele wandert. Eine einfache, aber bezaubernde Melodie weckt eindeutige Assoziationen. Diese Musik ist so herrlich beruhigend. Nicht in den Brustkorb, sondern in den Bauch atmen.

Am Ende des Tages bleiben Erinnerungen. Kurz bevor mit The Big Dipper das Album endet, spielt in At The End Of The Day lediglich die rechte Hand eine Melodie, die mehr aussagt als tausend Worte.

En ny Dag ist ein Album auf dem Martin Tingvall ohne Begleitung dem Hörer seine ganze musikalische Kunst offenbart. Stücke voller bezaubernder Melodien, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern Stimmungen kreieren, denen man sich nicht entziehen kann. Ein Album, welches beweist, wie effektiv Musik sein kann. Martin Tingvall ist ein begnadeter Musiker und gesegnet mit Talent welches er mit uns teilt. Hört man alle Titel am Ende eines Tages, geht man beruhigt und voller Hoffnung in den neuen.

Kein Wunder, dass man von den Skandinaviern sagt, sie seien glückliche Menschen.

En ny dag erscheint am 31.08.2012 auf Skip Records. Am 17.10.2012 wird Tingvall in der Hamburger Laeiszhalle auftreten, am 12.12.2012 im SR Sendesaal Saarbrücken.

Tief in einen Sommernachtstraum versunken,

Rick Deckard

http://www.skiprecords.com/de_home.php

http://www.martin-tingvall.com/

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Alan Lomax 08/31/2012 09:04


http://www.altes-pfandhaus.de/programm/veranstaltungen/tingvall-trio-1.html


Kleiner Nachtrag! Das Tingvall-Trio spiel auch in Köln! Am 04. November 2012 ...und nach diesem Artikel, werde ich ihm wohl auch Besuch abstatten....

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