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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


William Fitzsimmons, Motoki Kollektiv, Köln 30.11.2008

Veröffentlicht von Alan Lomax auf 1. Dezember 2008, 16:29pm

Kategorien: #Populäre Musik

Ist es eigentlich verwerflich oder „hinteres Gestern“, wenn man sich auf schöne, einfache Musik einlässt? Völlig unspektakuläre schöne Lieder? Diese Frage muss ich mir stellen, wenn ich über William Fitzsimmons nachdenke. In seiner Musik ist überhaupt nichts, was zeitgemäß, innovativ oder kompositorisch interessant ist. Seine Lieder sind einfach nur schön! Ein vielleicht vergessenes Attribut! Natürlich mit der Gefahr beliebig oder überflüssig zu klingen…

 

An diesem ersten Adventssonntag in Köln hat atmosphärisch alles gepasst. Das Wohnzimmerkonzert im ausverkauften und sehr gemütlichen Motoki Kollektiv war ausverkauft und mit ca. 60 zahlenden Gästen eigentlich schon wieder zu voll.

 

Interessant finde ich immer wieder die Haltung von Amerikaner, wenn sie das erste Mal in Deutschland auftreten. Auch Fitzsimmons war bei seinem dritten Auftritt in Deutschland, sichtlich neugierig auf die Menschen in diesem Land. Somit gab es lange Unterhaltungen mit dem Publikum und einen zu langen Dialog mit einer Zuschauerin, die sich aus New York in das Motoki verirrt hatte. Genau das hat Fitzsimmons nicht interessiert. Aber Sheila aus Brooklyn war die einzige die sich getraut hat in der Stille zu sprechen. Die verhaltenen bis entrückten anderen Zuschauer, waren somit noch nicht mal in der Lage, den kölschen Akzent zu erklären. Aufgeschlossener wurde dann die Sing-A-Long-Phase angenommen. Köln wie singt und lacht!

 

Billy Fitzsimmons benötigt nicht mehr als eine Gitarre und einen zweiten Gitarristen. Der aus meiner Sicht völlig überflüssig war. Somit überzeugt auch seine aktuelle Platte „The Sparrow And The Crow“ mit leisen und zurückhaltenden Arrangements. Hin und wieder gibt es eine weibliche Counterstimme zu hören, hin und wieder ein Piano und hin und wieder ein Drum-Loop. Aber das alles muss live nicht sein.

 

Simmons ist ein hervorragender Gitarrist und lediglich seine wenig facettenreiche Stimme könnte man ihm vorwerfen. Somit klingen viele seiner Songs beim ersten Hören eintönig, entfalten aber auf Dauer, durch Text und Intensität absolute Größe.

 

Simmons kommt aus Jacksoville, Illinois. Einem Bundesstaat der USA der sehr republikanisch und ländlich geprägt ist. Simmons ist gelernter Therapeut und mit zwei blinden Eltern aufgewachsen. Sicherlich schon jetzt Indikationen für eine erstklassische amerikanische Nerdverfilmung mit sehr guter Collegemusik. Wenn jemand Interesse hat, ich schreibe gerne das Drehbuch.

 

Ich vermute das unter dem Dickicht seines Bartes und seiner Mütze ein ziemlich gut aussehender Kerl steckt, der mit hoher emotionaler Intelligenz ausgestattet ist. Und in dem das Herz eines kleinbürgerlichen Mid-West-Amerikaners pocht. Die beste Vorraussetzung also, ein studentisches Publikum weltweit anzusprechen. Angekurbelt natürlich auch durch seine Songs „Passion Play“ und „Please Don’t Go“ die bei der erfolgreichen Serie „Grey’s Anatomy“ eingesetzt wurden und somit eine ähnliche Zielgruppe anspricht.

 

Die äußerliche und innere Nähe zu Sam Beam von Iron & Wine muss natürlich nachträglich auch noch erwähnt werden. Somit war die Coverversion „Naked As We Came“ von Sam Beam auch eine der Höhepunkte der nur einstündigen Show.

 

Simmons wird seinen Platz in unseren Herzen finden. Ich bin auch überzeugt, dass das nachhaltig ein schönes Erlebnis bleiben wird. Seine Musik ist sowieso in meinem Herz verankert.

 

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