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www.lomax-deckard.de

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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


Corona Kultur Surrogat – In Zeiten der Zeit - Tag 2

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 20. März 2020, 08:06am

Kategorien: #Alan Lomax Blog, #Album Review, #Essay, #Feuilleton, #Kommunikation, #Popmusik, #album

Corona Kultur Surrogat – In Zeiten der Zeit - Tag 2

Corona Kultur Surrogat – In Zeiten der Zeit - Tag 2

In den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren (!) erscheint auf www.lomax-deckard.de täglich eine Besprechung bzw. kulturelle Empfehlung für mich selbst und für alle Menschen, die es interessiert. Bücher, Platten, musikalische Werke, Filme, Serien, die ich gesehen, gelesen oder gehört habe oder die ich sehen, lesen und hören möchte. Ein paar Gründe dafür, weshalb ich das noch nicht gemacht habe und einige Gründe mehr dazu, weshalb ich diese Musik, jenes Buch und den Film sehe oder bereits gesehen habe. Somit komme ich auf die Grundidee des www.lomax-deckard.de Blogs zurück, die Deckard und ich hatten als wir vor über 12 Jahren mit dieser Archivierung angefangen hatten, nämlich der persönlichen Dokumentation unserer kulturellen Erlebnisse. Genauer gesagt: Regeneration bedeutet „erneute Belebung“ und das kann in Zeiten von Corona nicht schaden.

Tag 2 20.03.2020 Life During Wartime Talking Heads

„This ain't no party, this ain't no disco,
This ain't no fooling around
No time for dancing, or lovey dovey,
I ain't got time for that now“

Sie können es natürlich nicht wissen: Es gab Zeiten da habe ich den Konzertfilm STOP MAKING SENSE von Jonathan Demme einmal in der Woche gesehen. Die Talking Heads waren damals für uns die größte Band der Welt. Jeden Donnerstag sind wir in Hannover um 22:00 Uhr ins Hochhaus Kino gegangen und haben den Film zelebriert. Auch heute halte ich die Talking Heads für eine der bedeutsamsten Bands für mich persönlich.

Die musikalischen Geschichtsbücher und natürlich die Platten der New Yorker Band sprechen an sich für alles und auch für die kulturellen Wichtigkeit der Band. Das kann man nun alles runter schreiben, aber  ich finde Sänger David Byrne fast den Kern der Band, aber auch die Bedeutung des Songs LIFE DURING WARTIME in diesen Zeiten der Zeit sehr gut zusammen:

„This ain’t no disco‘ ist natürlich die Zeile des Songs, die hängen bleibt. Dann weiter (sinngemäß)…“Erinnern Sie sich, als sie Lagerfeuer von Donna Summer-Platten machten? Nun, wir mochten diese Disco-Musik! Sie heißt jetzt 'Dancemusic'. Einiges davon war radikal, albern, transzendent und wegwerfbar. Es war also komisch, dass man uns manchmal als die Fahnenträger der Anti-Disco-Bewegung sah."

Und es sind genau diese Vielfältigkeit die ich an den Talking Heads immer lieben werde. Stilistische kaum einordbar, immer innovativ und doch klassisch, Post-Punk und Funk, Pop und Avantgarde. Eine wilde Mischung.

Die Performance von LIFE DURING WARTIME in dem Film Stop Making Sense ist einfach unglaublich klug und minimalistisch genial umgesetzt:

Denn natürlich geht es in der Nummer um eine postapokalyptische Landschaft, in der sich ein einzelner Überlebender, vielleicht Kämpfer, auf einem verlassenen Friedhof versteckt und von Erdnussbutter überlebt. David Byrne wird aber beim Schreiben des Songs an die Menschen in Großstädten gedacht haben und an seine Nachbarschaft im New Yorker Stadtteil East Village, wo er auch heute noch wohnt.

Selbstverständlich bietet sich LIFE DURING WARTIME nun an die Hymne, dieser, unserer Katastrophe zu werden. Der NEW YORKER hat den Song einst als apokalyptische Funknummer im Viervierteltakt beschrieben und fügte hinzu, dass der Song noch immer höllisch gut zu hören ist.

Stimmt! Und es nicht nur LIFE DURING WARTIME, sondern auch all‘ die anderen Nummern und natürlich auch die einzigartige Inszenierung des leider verstorbenen Regisseurs Jonathan Demme, die diesen Konzertfilm von 1983 zu einem der besten Filme in diesem Genre überhaupt machen.

In Zeiten dieser Zeit macht es Sinn sich STOP MAKING SENSE in voller Pracht, bei einer unglaublichen Lautstärke, mit oder ohne bewusstseinserweiternden Drogen anzuschauen. Um dann THIS MUST BE THE PLACE und nicht IMAGINE von den Balkonen und aus den Fenster dieser Städte zu singen.

Bis morgen ….

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