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Musik, Kino, Kultur, Radio


RED OAKS –Joe Gangemi, Gregory Jacobs, Steven Soderbergh

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 5. Januar 2017, 18:15pm

Kategorien: #Fernsehen

RED OAKS –Joe Gangemi, Gregory Jacobs, Steven Soderbergh

1987 hatte ich das große Glück einen ganzen Sommer in Amerika zu verbringen. Rückblickend war das der beste Sommer meines Lebens. Und es war wie in einem Highschoolfilm von John Hughes. Um mich herum waren all‘ die Stereotypen die ich aus Filmen wie „Breakfast Club“, „Pretty in Pink“ und „Ferris macht blau“ kannte. 

Wir fuhren in unglaublich großen und alten amerikanischen Karren rum, rauchten Sportzigaretten, tanzten zu New Order und Echo & The Bunnymen, schossen Budweiser-Dosen im Akkord, wurden zum Barbecues eingeladen, gingen auf Tanzveranstaltungen mit Homecoming Queens und verbrachten die Tage am Strand des Michigan Sees, gingen Fischen oder hingen im örtlichen Country Club der Stadt Muskegon rum.

Es war herrlich! Ich erinnere mich genau. Angereist bin ich mit roten Chucks und schwarzen, engen Jeans, zurück kam ich mit Baseballcap und Sneakern. Die Mädchen sahen viel wunderbarer aus, als in Hannover: Sie hatten häufig Leggins an, Tubesocks und unglaubliche Frisuren mit Locken in grellen Farben. Probleme? Die gab es nicht…

 

Die leicht zu verdauende und sehr unterhaltsame Serie RED OAKS (amazon prime) spielt im Sommer 1985. Der Student David (Craig Roberts) arbeitet als Tennislehrer im Country Club Red Oaks und durchlebt eine klassische Coming of Age Story. 

Die von Steven Soderbergh erdachte Story wirkt aus heutiger Sicht einfach wunderbar. Die achtziger Jahre, ihre Menschen, ihre Kultur, Probleme und Themen wurden lange nicht schöner portraitiert. Die Charaktere sind charmant überzeichnet, werden aber von den verschiedenen hochwertigen Regisseuren, überwiegend ernst genommen.

Und wenn Sie nun denken, dass diese ganze Kiste unerträglich amerikanisch ist und Lomax das sowieso nur subjektiv beschreibt, da er bekannter Weise unter Amerikanophilie leidet, irren Sie...

Monumental beginnt die zweite Staffel in Paris. Unser Held besucht seine Freundin (die Tochter des reichen Clubpräsidenten) in Paris und stilistisch schlägt die Serie auf einmal in einen Nouvelle-Vague-Kurzfilm um, bevor wir mit beiden zusammen in den bekannten Countryclub zurückgespielt werden und den zweiten Sommer erleben. 

Die unbesorgten Jugendlichen von einst, müssen sich langsam aber sicher mit ihrer Zukunft auseinander setzen und mit den schlechten Vorbildern ihrer spießigen, total verrückten Eltern leben, die aber trotzdem eine sympathische, niemals überzogene Positionierung erfahren. Der Wunsch von David ist es nun Filmemacher zu werden. 

Erstaunlich wie, das alles zwischen Tennisstunden, Swimmingpool und unbeschwerten Partyszenen erzählt wird. Die Verbindung der einzelnen Handlungsstränge ist dabei ewig nachvollziehbar, weil der gesamt Kosmos Country Club als Hauptrolle und Kammerspiel bestens geeignet ist. Da ist auch der innere Twist unseres Helden involvierend, dessen Filmwunsch niemanden interessiert. Sein Vater und Schwiegervater in Spe, aber von ihm erwarten Buchhalter oder eben aus Sicht des Kapitalisten Getty, dem Clubpräsidenten, in einem seiner Büros an der Wall Street zu arbeiten. 

Und ich habe es zu Beginn des Textes tatsächlich ernst gemeint. Diese Achtziger Jahre in Amerika sind meine und es ist schön, dass ich das nochmal erleben darf, ohne von oftmals zu derben, in diesen Sujets, zu sehr genutzten ironischen Anteilen zu verwelken und genervt zu werden. 

Bei dem Retrofausthieb und zwischen Aerobic- und Tennisanzügen gesetzten Dialogen über das Leben, ist es schon erstaunlich, dass hier ein ganzes Genre gerettet wird.

Nostalgisch ist vielleicht noch verfrüht, aber eine romantische Sicht auf einen Teil meiner Jugend muss erlaubt sein. Denn vielleicht erinnern Sie sich: Ich habe gerade mein Buch, über meine Musiksozialisierung in den 1980ziger Jahren mit dem Titel „Jeden Tag Regen“ beendet. Und ehrlich gesagt: ...dieses RED OAKS Gefühl kann ich in dem Buch nicht bedienen, da es im Vergleich ehr ein Trauerspiel ist.

Es ist aber auch nicht immer einfach: Wenn man New Order und Echo & The B. am Pool hört, die Sonne scheint und die blonden, hübschen Mädchen an einem vorbeiziehen, ist vieles einfacher, als wenn man in Hannover im Regen sitzt und den Sommer in einem ausgelaugten Musikclub zwischen Blue Curacao und Cointreau verbringt.

Erstaunlich wie klar mir das gerade wird! Und wie interessant parallel auch meine Geschichte zu der Serie verläuft, denn diese Paris-Nummer hatte ich ein paar Jahre später auch…

Zwischen den Welten und Zeiten, aber nicht bedauernd! 

Alan Lomax

 

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