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Nils Wülker: Live in Hamburg - EP

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. Oktober 2010, 16:03pm

Kategorien: #Jazz

Wulker.jpg

Endlich, bei der Live Veröffentlichung/ EP des Konzerts vom 24. März 2010 in der Fabrik in Hamburg hat es bei mir gezündet. Ich besitze bereits 2 Alben von Wülker, aber erst die hier Live eingespielte Musik hat meine Begeisterung für den Trompeter vollends entfacht.

Alle Stücke auf diesem Album, 6 Songs und 2 Videos, sind sofort eingängig und stimmen einen enthusiastisch von Anfang an. Der Klang ist berauschend gut! Das liegt nebst der Produktion musikalisch daran, dass die Band um Nils Wülker einen Sound kreiert, der nicht an "trockenen" Jazz erinnert, sondern die Musik verschafft einem die Möglichkeit seinen Assoziationen freien Lauf zu lassen. Das wiederum liegt daran, dass hier Elemente des PoP und Rock mit den Eigenheiten des Jazz fusionieren und dadurch wird ein wunderbar grooviger und erdiger Sound erschaffen, dem es einfach Spass macht zuzuhören.

Die Trompete und auch das Flügelhorn sind für mich mit dem Klavier die beeindruckendsten Instrumente des Jazz, was natürlich an ihrem Klang liegt. Gerade noch vor kurzem habe ich mir das Album 'Clark After Dark' angehört und wie dort Clark Terry (der v.a. für das Dehnen der Töne (bends) bekannt wurde) das Flügelhorn spielt ist schon famos!

Ich war froh, dass Nils Wülker seine Trompete ohne Dämpfer spielt, mag ich den reinen, blechernen und   klaren Klang am liebsten. Und genau jener Ton ist es, der mir bei ihm gefällt. Er ist prägnant und scharf, aber zeitgleich auch sehr warm, weich und fett im Klang. Die Art und Weise wie er dem Instrument mit den 3 Ventilen Töne entlockt ist absolut hörenswert.

Man kann Wülker und seiner Band entspannt auf den einzelnen Stücken folgen, selbst dann, wenn die Soli an Tempo aufnehmen und in höheren Oktaven spielen, wie beispielsweise ein Saxophon-Solo auf der EP. Interessant ist es Saxophon und Trompete zeitgleich zu hören und darauf zu achten, wie sich diese Instrumente in dem Klang unterscheiden, wenn auch die beiden Bläser meistens parallel spielen und sich selten duellieren. In der Geschichte des Jazz haben die Trompeten-Spieler ja versucht dem flüssigen Klang des Saxophons nachzueifern.

Wenn mich heute einer fragen würde, was Jazz für mich bedeutet oder wie ich diese Musik beschreiben würde, dann käme mir nur ein Wort in den Sinn: Freiheit. Die Möglichkeit zur Entfaltung haben alle Musiker auf dem Album und der Leader lässt ihnen ausreichend Spielraum um zu improvisieren oder ihre Ideen zu verwirklichen.

Die Band besteht aus Jan v. Klewitz am Saxophon, Arne Jansen an der E-Gitarre, Lars Duppler am Fender Rhodes und am Moog-Synthesizer, Edward Maclean am E-Bass und Jens Dohle an den Drums. Alle Musiker haben die Gelegenheit sich einzubringen und dass das ihnen Spass macht sieht man auf den beiden Videos. Jazz ist auch immer wieder ein Beispiel für Kommunikation untereinander und die Fähigkeit und der Wille dem anderen zuzuhören. Das ist ein Bestandteil, der mich an dieser Musikgattung schon immer fasziniert hat.

Lars Duppler am Fender Rhodes und am Moog ist grossartig, ohne einen Musiker hervorheben zu wollen. Alleine die einlullenden und weichen Sounds live zu hören ist Freude pur. Schön, dass auch er auf einem Stück die Chance erhält auf diesen Instrumenten länger zu spielen. Arne Jansen spielt rockige Riffs, hält sich aber auch ökonomisch-sparsam im Hintergrund als akzentuierter Begleiter. Bass und Drums schliessen den perfekten rhythmischen Rahmen. Die Band klingt sehr harmonisch und ich bedauere es dem Konzert nicht live beigewohnt zu haben. Vielleicht erscheint ja irgendwann eine Musik DVD.

Wülker und seine Mitstreiter spielen sowohl Up-Tempo Nummern und Songs mit viel Funk n' Groove, haben aber mit dem Track 'Glow' auch eine wunderschöne Ballade im Programm, auf der Wülker dem Klang nach ein Flügelhorn (?) spielt. Eine unfassbar schöne Nummer!

Jedem der sich nicht an Jazz wagt und Manschetten vor der Musikrichtung hat, warum auch immer, dem kann ich die EP ans Herz legen aus den o.g. Gründen. Jazz ist ein sich ständig wandelnder Stil, der nicht starr an Vorgaben gebunden ist und genau das machen die Spieler hier.

Nach dem Chastenier Album ist es bereits das zweite klasse Jazz Album und hoffentlich behält Nils Wülker seine Integrität, seine Freiheit und seinen Ideenreichtum bei. Ein sehr sympathischer und technisch versierter Trompeter, der auf dem Boden geblieben ist. Er hat sein eigenes Label gegründet und kann so hoffentlich seine Visionen in der Zukunft verwirklichen.

Ich bin dabei!

Rick Deckard

link zu einem aufschlussreichen 10 min. Interview mit Wülker auf jazz-online.com

link zu seinem Label eartreatmusic.com

link zu seiner Homepage

link zu You Tube und der 'Safely Falling EPK'

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