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Musik, Kino, Kultur, Radio


LOU REED - Ein persönlicher Dank von John Ross Ewing

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. Oktober 2013, 09:09am

Kategorien: #Got my eyes on you - Ewings Kolumne

Velvet-002.JPG

 

Man kann ja gar nicht in Worte fassen, welche Strahlkraft Lou Reed auf die Musikgeschichte hat und noch haben wird. Dazu braucht es Bücher. Es macht mich unfassbar traurig, dass Lou Reed vorgestern schon im Alter von 71 Jahren gestorben ist. John Cale sagte zum Tod  seines Freundes: “Diese Nachricht fürchtete ich am stärksten. Nichts von Wert kann diese Leere füllen… gebrochen für alle Zeiten.“

 

Das letztjährige Konzert von Lue Reed in Bonn habe ich locker verpasst, man kann ja beim nächsten Mal wieder hingehen, höre ich mich noch sagen.

 

Andy it’s me, haven’t seen you in a while

I wished I talked to you more when you were alive…

 

Das haben Lou Reed und John Cale auf Songs for Drella in ihrem Abschiedssong an den Mann verfasst, der für den Start dieses unglaublichen Lebenswerkes verantwortlich zeichnet: Andy Warhol. Und das werden jetzt viele zu Lous viel zu frühem Tod ebenso denken.

 

Andys Inszenierung des Exploding Plastic Inevitable hat dafür gesorgt, dass Kunst und Musik zu völlig neuen gemeinsamen Provokationsstrategien in der Lage sind. The Velvet Underground haben die Musikgeschichte so verändert wie vermutlich niemand danach. Lou Reed hat The Velvet Underground & Nico im Alleingang geschrieben und somit die beste Platte aller Zeiten zu verantworten.

 

Viele Stücke waren schon vor 1965 aus seiner straßengehärteten Feder geflossen. Offenbar brauchte es aber Warhols Factory-Kontext, um den Grundstock für eine Gegenkultur zu legen, der sich tausende von Bands in den Jahrzehnten danach verpflichtet haben. Dazu hat Warhol ein Cover geschaffen, das weltberühmt wurde, genial, anstößig, provokant. Die Band war NY-gehärtet, state of the art und  fucking anti-hippieesque.

 

Mein erstes Album von Lou Reed war Mitte der 1980er Jahre aber nicht diese beste Platte, sondern White light / white heat aus dem Jahr 1967. Und zwar wegen des 17minütigen Sister Ray. Ein Referenzkauf sozusagen, weil Joy Division das gecovert haben, außerdem hatte King David Bowie den Titeltrack ja ewig im Live-Programm. 

 

 Velvet-006.JPG 

 

Ich erinnere ein Konzert 1996 in der Düsseldorfer Philipshalle, ich glaube es war die Set the twilight reeling- Tour und ich war erfreut über das Album. Lou war aber stoisch und wenig begeisternd, eigentlich keine stimmungsvolle Sache. Aber wenn er dann nur einen der großen Songs beginnt, spielt das keine Rolle mehr. Diese Songs, in dem Fall hat mich Satellite of love aus der Lethargie gerissen und zutiefst gerührt, haben Kraft wie wenig anderes.

 

Lou Reed ist im positiven Sinn immer ein Querulant geblieben, der keine Kompromisse gemacht hat. Er hat aber auch immer wieder klar gestellt, wie wichtig ihm das Verständnis seines Publikums ist, er wollte die große Akzeptanz. Sein nicht immer geliebtes Berlin aus dem Jahr 1973 hat er in wunderbarer Neuinszenierung in den Nuller Jahren aufgeführt und von Julian Schnabel, der ja bereits das Leben von Jean-Michel Basquiat verfilmt hat, einen wunderschönen Konzertfilm erstellen lassen.

 

An der Stelle sei stellvertretend für all die abertausenden Coverversionen, die von Reed-Songs aufgenommen wurden, der bei der Berlin-Inszenierung anwesende Antony erwähnt, der Candy Says gemeinsam mit Lou Reed zu einem Gedicht formt, das an Wärme und Melancholie kaum zu überbieten ist.

 

Lou Reeds Poesie wird mich für immer begleiten.

 

I’ll bei your mirror

Reflect what you are

 

 

John Ross Ewing

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