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Musik, Kino, Kultur, Radio


Italien / Elba I – Der Gleichklang nach dem Besonderen

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 23. Juli 2012, 13:04pm

Kategorien: #Kommunikation

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Am 26. Juni hatte ich mich aus dieser Welt verabschiedet! Rick Deckard nutzt gerne das Wort Entschleunigung für die schönste Zeit des Jahres. Ja, und es macht tatsächlich Sinn sich einmal von allen täglichen Routinen zu verabschieden, die innere Uhr abzuschalten und seine „Sinne“ auf die wirklich lebenswerten Dinge dieser Welt zu richten. Dinge die man sehen, riechen, anfassen und -sprechen- kann.

„Hätte ich nicht den Entschluss gefasst, den ich jetzt ausführe, so wär‘ ich rein zugrunde gegangen: zu einer solchen Reife war die Begierde, diese Gegenstände mit Augen zu sehen, in meinem Gemüt gestiegen“. Unser alter Freund Wolfgang von Goethe fasste die Worte 1786 zu seiner Italienischen Reise besser zusammen, als es wohl sonst jemand kann.

Denn auch das was Goethe und Millionen von Touristen und auch ich in Italien suchen, kann man noch finden. Eine großartige Idee wie ich finde: Den Gleichklang nach dem besonderen zu suchen. „Fare una bella figura“ ist dann auch nicht nur das Ziel des Italieners an sich, sondern auch für die Reisenden, die auf der Suche nach dem Ursprünglichen sind und versuchen wollen alles auf eine ästhetische, elegante und geschickte Art und Weise zusammenzubringen. Der Gleichklang nach dem Besonderen!

Ich habe noch Zeit diese Woche! Zeit mich zu beschleunigen. 3 Wochen lang habe ich keine Zeitung gelesen, kein Buch, keine neue Musik gehört, kein Internet besucht, kein Fernsehen gesehen und nur sanfte, schöne ästhetische Dinge aufgenommen. Die Batterien sind voll, der Speicher ist leer, ich freue mich auf mein normales Leben. So soll es sein.

Zwei Gründe habe mich dieses Jahr nach Elba getrieben: Die Suche nach der Ursprünglichkeit des italienischen Lebens und die Flucht vorm Massentourismus in ein kleines Nest namens Pomonte, am Ende der Insel die, die römische Göttin der Liebe Venus aus den Wellen des Meeres geschaffen hat.

Zugegeben etwas angefixt von einem alten Reiseartikel eines Zeitjournalisten, der seit Jahrzehnten, den Nachbarort Chiessi besucht: http://www.zeit.de/2008/17/Elba

Eigentlich darf man gar nicht von diesen Orten berichten. Denn der deutsche Reisende sollte hier nicht her fahren. Vergebens sucht man Trekkingschuhe mit weißen Socken, Bildzeitungen, schreiende Kinder mit Jack Wolfskin Rucksäcken und genervte Eltern aus Stuttgart oder Wiesbaden. Man findet all‘ das nur bei den dort Urlaubmachenden Italienern vor. Denn natürlich ist auch in Italien bei den Italienern inzwischen alles erlaubt. Die sprichwörtliche „Eleganza“ vergessen auch gut situierte Italiener an Orten wo es Mittags bereits 40 Grad „warm“ ist. Die „unkultivierte“ kurze Hose hat sich auch Abends im Restaurant durchgesetzt. Kein Römer, Mailänder oder Neapolitaner trägt seinen Anzug auf, bei diesen Temperaturen.

Aber sonst ist dort wo ich war und Peter Roos es beschreibt, alles so geblieben, wie es der Deutsche zu Wirtschaftswunderzeiten in den 1960er Jahren vorgefunden hat. Kleine Hotels, keine ausländischen Restaurants, keine nicht italienische Kultur. Gut so!

Wunderschön ist es dort am äußersten Zipfel der Insel, dort wo die Sonne rechts neben Korsika untergeht. Man abends mit der Familie flanieren geht und noch ein Eis ist, bevor man sich zurückzieht vom heißen, unaufgeregten Tag. Dort wo sich jeder weigert deutsch oder englisch zu sprechen und man es verstehen muss mit der italienischen Arroganz umzugehen. Schnell versteht man, dass man dort nur Gast ist, geduldet, aber nicht geliebt wird. Schnell gibt man sich der Gleichmut der anderen Gäste hin und versteht schnell, wann man „Ciao“ sagen darf oder sich auf ein förmliches „Arrivederci„ beschränkt. Nicht nur akklimatisieren ist angesagt, sondern auch assimilieren. Es ist das mindestens, was man den Menschen dort zurückgeben kann, wenn man dort Urlaub machen darf.

Längst ist also nicht alles erlaubt! Vielen nicht Italienern dürfte das schwer fallen, daher rate ich auch dringend davon ab, an diesen Ort zu fahren, wenn man sich nicht anpassen kann und nicht gewillt ist den „Gleichklang des Besonderen“ zu finden.

Über Musik, die La Cucina Italiana, den Kaffee und den Verkehr muss ich später in dieser Woche schreiben…

Tief in meinem Herzen ist mir die italienische Seele am verwandtesten, so viel steht zumindest schon mal fest!

Aus Pomonte!

Alan Lomax

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