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Musik, Kino, Kultur, Radio


The French Connection - Die Filmmusik von Don Ellis veröffentlicht von La-La Land Records

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 26. Dezember 2016, 10:15am

Kategorien: #Orchestrale Musik

The French Connection - Die Filmmusik von Don Ellis veröffentlicht von La-La Land Records

Ich erinnere mich nur all zu gut, wie frustriert ich am Ende von The French Connection war. Ein solches Ende hatte ich nicht erwartet, da Hollywood und seine Studios mich über all die Jahre sozialisiert hatten mit aufrechten Helden, die am Ende stets den Sieg davontragen und die Frau ihres Herzens gewinnen.

Und jetzt das: Ein Polizeifilm hart an der Realität, nüchtern erzählt ohne jegliche Romantik und mit einem Hauptdarsteller, der überhaupt keine Flächen zur Identifikation bot. Das war in der Rezeption von Filmen ein Umbruch, ein Neuanfang und dieser Anfang glich einem Fausthieb in die Magengrube. Doch bereits beim ersten Sehen übte The French Connection eine Faszination aus, die bis heute ihren Reiz nicht verloren hat. Genau dieses realistische Bild, welches von der Polizeiarbeit gezeichnet wird, die vielen Rückschläge, die das Team ertragen muss, die Bilder aus einem wenig glamourösen New York, all das überzeugte schlussendlich durch den Versuch die Realität auch ein wenig wahrhaftig abbilden zu wollen.

Und dann auch noch Gene Hackman als Detective Jimmy "Popeye" Doyle: Der Hut, die Unbeherrschtheit, das rohe und aufbrausende an diesem Charakter, der Ehrgeiz und der Jagdinstinkt. All das umwerfend dargestellt von einem der besten Darsteller Hollywoods. Nicht zu vergessen und ebenso gut ("der ewig unterschätzte") Roy Scheider als Detective Buddy "Cloudy" Russo.

Hollywood wurde neu definiert im wahrsten Sinne des Wortes: New Hollywood.

Mit der veränderten Sichtweise wagte es Regisseur William Friedkin auch musikalisch neue Wege zu gehen und engagierte den Jazz-Musiker, Trompeter und Komponisten Don Ellis und dieser schrieb eine vollkommen "abgedrehte" Musik, die grossen Einfluss in der Folgezeit ausüben sollte.

Das Label La-La Land veröffentliche nun die Musik zu French Connection I und II auf einer Doppel-CD die zusätzlich noch die Musik zur ersten Folge einer Fernsehserie enthält, betitelt mit Popeye Doyle geschrieben von Brad Fiedel.

Ellis' musikalische Untermalung der Bilder ist ungewöhnlich. Bereits der erste Track mit den pulsierenden Beats und den telegrammartigen Tönen warnt: Was folgt ist mitnichten ein filmmusikalischer Konsens. Ellis bedient sich als Basis eines kleinen Orchesters, es dominiert aber die Band. Die Grundlage, wenn man das so überhaupt sagen kann, bildet der Jazz, der hier und dort ergänzt wird durch den Blues. Zum Teil werden die Töne elektronisch verfremdet und dadurch werden eindeutig Assoziationen geschaffen zu dem aufkommenden Elektrik-Jazz dieser Zeit. Schöne Melodien und Saccharin durchzogene Streicher darf man hier nicht erwarten. Die Töne sind kalt und hart, die Musik ist dissonant und scheint sich an keine gängigen Regeln zu halten. Überträgt man das 1:1 auf den Hauptcharakter des Films liefert Ellis hier grossartige Arbeit. 

Für einen Sammler sind solche Editionen pure Freude. Es ist nicht nur das haptische Erlebnis die CD aus der Verpackung zu befreien und das Booklet in den Händen zu halten, es ist der Ausflug, das Versinken in eine andere Welt. Die Booklets solcher Editionen sind schön ausgestattet, wie auch in diesem Fall. Die Autorin schreibt etwas zur Entwicklungsgeschichte des Films und erläutert die Musik, daneben gibt es viele Bilder vom Set und den Darstellern, die das Herz eines jeden Cineasten höher schlagen lassen.

Auf der anderen Seite wird man durch das Hören der Musik auf die Klassiker des Genres aufmerksam gemacht und erinnert sich nicht nur an die Leistung eines Gene Hackman, sondern auch an die furios inszenierte und von Owen Roizman brillant fotografierte Verfolgungsjagd, die bis heute ihresgleichen sucht und die ich persönlich zu einer der besten im Kino überhaupt halte.

Ein wunderbarer musikalischer Ausflug in die 70er Jahre.

Rick Deckard

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