Gitarren, die wieder etwas bedeuten: The Tubs – Hard Life

von Alan Lomax Rick Deckard Blog  -  28. August 2026, 14:52

Gitarren, die wieder etwas bedeuten: The Tubs – Hard Life

Alle wünschen sich ständig wieder „richtige“, handgemachte Indie-Musik. Meist endet dieser Wunsch bei der nächsten Post-Punk-Schablone, etwas Elektro-Trash oder einem bemühten Crossover-Hype, der schon beim zweiten Durchlauf nach Branchenmeeting klingt. Und dann kommen The Tubs.

 

Hard Life erfindet die Gitarre nicht neu. Es erinnert nur mit großer Verve daran, weshalb sie einmal unverzichtbar war: zwölf kompakte Songs, Melodien mit Schrammen, herrlich ineinanderlaufende Gitarren, Folk-Nerv, Power-Pop und Owen Williams’ Stimme, die irgendwo zwischen Richard Thompson, Bob Mould und dem letzten walisischen Pub vor der Sperrstunde wohnt.

 

Darin steckt etwas von jener besonderen Cardiff-Schule, die schon Young Marble Giants, Super Furry Animals, Mclusky, Los Campesinos! oder Joanna Gruesome hervorgebracht hat: Bands, die Popmusik lieben, ihr aber niemals ganz trauen. The Tubs sind aus dem Umfeld von Joanna Gruesome und Ex-Vöid entstanden – inzwischen leben sie in London, aber Cardiff hört man weiterhin. Nicht als Heimatfolklore, sondern als Haltung.

 

Williams beschreibt die Entwicklung der Band wunderbar trocken: „The first record is me being purely an asshole, the second is me kind of being an asshole but also grieving.“ Auf Hard Life müsse er nun sein Leben neu betrachten und mit sich selbst streiten. Bereits früher erklärte er dem Guardian: „I’ve always liked lyrics that can be brutal.“ Genau das sind diese Songs: brutal, komisch, verletzt – und trotzdem so melodisch, dass man sie sofort noch einmal hören möchte.

 

Hard Life klingt nicht nach nostalgischer Rekonstruktion. Es klingt nach Menschen in einem Raum, die gemeinsam etwas können. Nach einer Band, nicht nach einem Konzept. Selbst wenn The Tubs einen Prince-Song covern, bleibt das Ergebnis unverkennbar ihr eigener, keltisch schimmernder Indie-Rock. Das britische Mojo vergibt fünf Sterne und nennt sie eine „exceptional band, casually delivering brutal truths in the most glorious way“.

 

Sehr schön. Sehr wahrhaftig. Und endlich wieder eine dieser Platten, bei denen man nicht erklären muss, weshalb Indie-Musik einmal wichtig war. Man hört es.

 

Hard Life erscheint am 11. September 2026. The Tubs spielen am 11. Dezember im artheater Köln. Dort wird sich zeigen, ob diese großartigen Songs live genauso dringlich klingen, wie sie es verdient haben. Ich habe allerdings wenig Zweifel.

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