Current Joys - Köln 20. August 2026 - Gebäude 9

von Louis Jörns  -  21. August 2026, 14:55  -  #Independent Musik, #674.fm

Current Joys

Current Joys

Konzertreview von Louis Jörns 

 

Es ist ziemlich genau 4 ½ Jahre her, dass Current Joys im Gebäude 9 gespielt hat. Mein erstes Konzert nach Corona. Seitdem ist viel passiert, grundlegend verändert hat sich aber wenig. Ich habe dieselben Leute um mich, höre die gleiche Musik und Nick Rattigan spielt immer noch im Gebäude 9. Damals noch alleine mit Gitarre und sehr intim, heute begleitet von einer Band, und es fühlt sich in der ersten Hälfte ein wenig so an, als sei es die Comeback-Tour einer verlorenen Indie-Band der frühen 2000er (Das meine ich im wirklich positivsten Sinne, auch wenn es sich nicht so anhört, haha). Man merkt, dass auch bei ihm viel passiert ist.

Was ist anders? Es hat eine andere Energie als damals – natürlich. Damals fühlte es sich an, als ob er all unsere Sorgen und Gefühle komprimiert auf die Bühne bringen kann. Alleine, sinnbildlich für das, was wir damals erlebt hatten. So viele schwere Monate, die wir alle ertragen mussten, und ein toller Abend, um das vielleicht abzuschließen und endlich nach vorne schauen zu können. Heute endlich wieder gemeinsam mit seinen und meinen Freunden in abgewandelter Form.

Die Leute, die Nick Rattigan schon lange verfolgen, wissen, dass er musikalisch schon so ziemlich alles hinter sich hat. So hat man das auch heute gesehen. Das Set ist ein Ausflug in seine Diskografie, die mittlerweile wirklich weitreichend ist. Man vergisst gerne, dass der Mann 2013 sein erstes Album „Wild Heart“ herausgebracht hat, von dem auch seine bekanntesten Songs stammen. Zur Freude des ausverkauften Gebäude 9 werden alle Hits gespielt.

Dabei sind es auch heute wieder gar nicht die „Hits“ wie „New Flesh“ oder „Blondie“, die überragen, sondern es sind die besonderen, nahbaren Momente, die wirklich wenige Leute so erzeugen können. Immer wenn er alleine einen Song anspielt und die erste Strophe solo singt, merkt man, wie der ganze Raum zu einer homogenen Masse wird. Alle gehören zusammen, alle sind eins, alle haben dasselbe, eine Gefühl. Eine Gabe, die nicht viele Musiker:innen haben und die sehr erstrebenswert ist. Doch fühlt es sich manchmal so an, als ob ihm das selbst gar nicht so gefällt. Wenn er möchte, nimmt er, wie 2023, halt ein Trap-Album auf. Wer soll ihn stoppen? Und danach kommt halt mit „East My Love“ ein wundervolles, warmes, folkiges Album mit wunderschönen Songs wie „California Rain“.

„Wild Heart“ schreibt er mit 19. Mittlerweile ist er 34 Jahre alt. Völlig klar, dass man sich weiterentwickelt. Ist das jetzt besser oder schlechter? Wäre ein wenig vermessen, das beurteilen zu wollen. Vielleicht ist es ein Künstler, gefangen im eigenen Erfolg. Vielleicht bin ich aber auch einfach geblendet von dem, was mich bewegt.

Wie fassen wir es also nun zusammen: Es war ein musikalisch sehr abwechslungsreicher und schöner Abend, und ich kann allen Menschen nur empfehlen, IMMER zu Shows von Nick Rattigan zu gehen, völlig gleich, ob er mit Current Joys oder mit Surf Curse unterwegs ist. Denn enttäuscht wird man definitiv nicht.

Das neue Album „ROSEBUD“ erscheint am 6. November, und ich bin gespannt, was uns diesmal erwarten wird.

„And this song is a joke and the melody I wrote wrong“

Louis Jörns

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