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Musik, Kino, Kultur


30 Jahre! Spirit - Das Fanzine für Film, Theater, Musik, Literatur & Hörspiel / Eine schriftliche Hommage in zwei Teilen - Die zweiten 15 Jahre 1999 - 2014 TEIL II

Veröffentlicht von Alan Lomax auf 5. September 2014, 16:06pm

Kategorien: #Kommunikation

30 Jahre! Spirit - Das Fanzine für Film, Theater, Musik, Literatur & Hörspiel / Eine schriftliche Hommage in zwei Teilen - Die zweiten 15 Jahre 1999 - 2014 TEIL II

ÜBER DIE POPMUSIK ZUR HOCHKULTUR

Das SPIRIT Universum ist redundant, komplex, aber schlüssig. Nehmen Sie sich einmal die Zeit, klicken Sie auf www.spirit-ein-laecheln-im-sturm.de, tauchen Sie ab und lesen Sie z. B. ein Interview mit dem „Entertainer des Jahrhunderts“ Charles Aznavour oder „Viel lernen und immer ein bisschen angeben!“ ein Interview mit Filmmusik-Legende Ennio Morricone oder über Max Kruse’s „Urmel aus dem Eis“ oder in der Galerie der Helden über Peter O’Toole, Xao Seffcheque, Raimund Harmsdorf, Will Quadflieg oder Stanley Kramer. Wundern Sie sich über die Vielfalt von Themen, weinen Sie über die liebevollen, persönlichen Erinnerungen an Ardavaz Hairapetian (Marcs Vater) oder amüsieren Sie sich über die prominenten und würdevollen Eintragungen in den Leserbriefen.

(Mit Andreas Dorau; Quelle: www.spirit-fanzine.de)

Wenn man einmal Helden hat, bleibt man ihnen immer treu“ (Peter Hein oder Marc Hairapetian)*Anmerkung des Autors: Die Geschichtsschreiber sind sich nicht mehr sicher, wer tatsächlich diesen Satz geprägt hat. 

Was sich anhört wie eine reisserische Einladung zu einer Fahrt auf einem Jahrmarkt-Karussell ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von einmaligen Gesprächen, Arbeiten, Texten und Interviews. Eine Werkschau und gleichzeitige Ausstellung von vielleicht dem, was man schon immer gesucht hat, wenn man sich für Film, Musik & Kultur interessiert hat.

Nachdem der SPIRIT Hannover verlassen hat, um in Berlin das Handwerk der Journalisten zu studieren, neigte sich die Offline-Zeit des Magazins langsam dem Ende entgegen. Zu aufwendig, zu teuer, zu mühsam war es, nach der 17. „Oskar Werner“-Ausgabe weitere SPIRITS zu erstellen. 

Auf Initiative des bekannten Schauspielers, Hörspielmachers/-sprechers und SPIRIT Mentors Konrad Halver wurden die Inhalte für das Internet vorbereitet. Seit 2003 füllt sich die Seite inhaltlich und chronisch. Natürlich entspricht das Layout und die Architektur der Seite nicht mehr den Ansprüchen unserer Zeit. Inhaltlich aber ständig erweitert und mit neuen Interviews, Artikeln und Fotos gefüllt, lassen sich die Seiten inzwischen wie ein sympathisches Volkskundemuseum aus längst vergessener Zeit entdecken. 

(Konrad Halver; Quelle: www.spirit-fanzine.de)

Bereits 1993 hatte er als wahrscheinlich einziger Journalist privaten Einblick in das Leben seines Idols Oskar Werner bekommen und durfte ein Interview mit der Werner Witwe Antje Weisgerber am Tegernsee führen. Das Interview mit der Schauspielerin ist für den Einblick in das Leben und die Person Oskar Werner bis heute von höchstem Stellenwert für Biographen und Filmwissenschaftler, da es den komplizierten Charakter Oskar Werner’s perfekt beschreibt.

„Guten Tag, hier ist Warner Brothers, möchten Sie Jan Harlan und Christiane Kubrick in Hamburg interviewen?“ So oder ähnlich erklang die Stimme am SPIRIT Telefon am 1.9.1999, fast fünf Monate nach Stanley Kubrick’s Tod und kurz vor der Veröffentlichung seines letzten Filmes „Eyes Wide Shut“. Insgesamt wurden zu diesem Anlass inkl. dem SPIRIT zwei weitere Journalisten ins Hamburger Atlantic Hotel eingeladen. „Nein, das Interview kommt direkt zu mir“, sagte die Kubrick Witwe dann, als der SPIRIT mit den Pressevertretern über mögliche Veröffentlichungen sprach. 

Beim anschliessenden Empfang unterhielt sich Frau Kubrick dann lange und so intensiv mit dem SPIRIT, dass sie die weiteren Gäste fast vergaß. Unglaublich? Nicht genug! Wenige Zeit später saß unser ruhelose Reporter am Originalesstisch aus dem Kubrick-Film „The Shining“, der bei Christiane Kubrick im Esszimmer des Anwesens „Childwickbury Manor“ in England steht. 

Das Interview erschien in zahlreichen Zeitungen Europas. Marc hatte die wohl beste Referenz und eine große Streuung in den wichtigsten Feuilletons und begann parallel seine Karriere als freier Journalist, der er ja im Prinzip immer war.

Natürlich hatte die Popkultur immer noch einen enormen Stellenwert bei der Berücksichtigung der Artikel, allerdings war das Interesse des noch immer jungen Reporters (der aufgrund seiner ständigen tierischen Begleiter und der kecken Art durchaus mit Herge´s Tim verglichen werden kann) inzwischen eher bei seinen Helden aus Film und Schauspiel angekommen. 

„Es begann als Interview und endet als Gespräch“ Blacky Fuchsberger zum SPIRIT

Wahrscheinlich ist das der Grund, dass sich selbst als schwierige Interviewpartner erwiesene Künstler gerne und authentisch mit dem SPIRIT unterhalten und ihn als gleichwertigen Gesprächspartner betrachten. 

In Zeiten, wo Journalisten gegenseitig von sich abschreiben, wo Gonzo-Journalismus eher als zweitklassige Literatur abgelehnt wird, kann man von einem Relikt sprechen.

„Ich bin kein typisch deutscher Journalist, die eher distanziert berichten, ich würde mich eher als empathisch-amerikanischen oder südländischen bezeichnen“, sagt der SPIRIT mit einem Augenzwinkern und einem wortlosen Verweis auf seine armenische Herkunft. 

Während die letze Bahn durch die schlafende Stadt rattert, jubelt die Unterwelt: „Der SPIRIT ist tot!“. Doch keine Bange: Sie werden sehen, dass selbst der Tod, den SPIRIT nicht aufhalten kann. So steht es im Vorwort der SPIRIT-Webpage. Natürlich ist auch dieser Satz kein Zufall und zuallererst ein Querverweis auf den Namensgeber des Magazins und alter Ego The SPIRIT, einer Comicserie von Will Eisner, die mehrfach neu von Frank Miller herausgebracht und verfilmt wurde. 

Der SPIRIT ist ein nicht unfehlbarer Held ohne besondere Fähigkeiten. Fast ist es so, dass Eisner’s zu räumlichen Sequenzen angeordneten Bilder, wie in der kulturellen SPIRIT Welt, nicht nur Informationen vermitteln, sondern eine ästhetische Wirkung beim Leser erzielen. 

Die Passion, ein solches Magazin weiterhin, alleine, mit den Mitteln zu publizieren, ist natürlich unmöglich und so erfreuen wir uns eben an der eskapistischen Sicht des Doppel-SPIRITs. Schließlich lebt der Geist in Marc, mit seinem Journalismus und seinen Artikeln ständig weiter.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, neigt man als Freund schnell zu einer subjektiven, musealen Betrachtung, wünscht seinen liebsten Menschen sowieso das Allerbeste. Schnell wird man verleitet, große Adjektive inflationär zu verwenden. Auf diesem Blog wurde dem sowieso eher selten ein Filter gesetzt. Bei Hommagen dieser Art oder Jubiläumsreden neigt der Sprecher natürlich auch schnell zur Übertreibung und bleiben wir doch deshalb mal auf dem Boden:

Über was schreibe ich hier!? Über ein Relikt, ein Unikum oder eine ernsthafte Antiquität, die es gilt aufrecht zu erhalten, zu bewahren und fortzuführen? Nein! Ich schreibe hier über einen Mann, der seitdem er denken kann, für das Gute in dieser Welt kämpft, dies mit jedem Wort, mit jeder Zeile, mit jedem Satz journalistisch manifestiert und davon träumt, dass wahrhaftige Kunst den Stellenwert erfährt, den sie verdient hat, egal, ob es Popkultur oder Hochkultur ist. 

ADULT SOUND MOVIES NOW SHOWING - WE ARE ALL PROSTITUTES

(Fehlfarben; Quelle:digplanet.com)

„Ein dynamischer Prozess lässt sich schwer definieren. Besonders kritisch wird der Versuch der Definition, wenn der Prozess noch nicht abgeschlossen ist.“(Hollow Skai)

Ich kann zumindest sagen, dass ich häufig dabei war! Diesmal bin ich der Reporter, der es verhindert, Klischees aufzugreifen und versucht anhand des Lebens eines Mannes zu beschreiben, wie es ist, eine Haltung zu bewahren, die durch und durch Punk ist. Gemeint ist natürlich nicht der Punk wie ihn sich Lieschen Müller vorstellt. Gemeint ist hier etwas Abstraktes.

Ich war bei vielen Momenten des SPIRITS der letzten 30 Jahre dabei. Bin mit Marc in die Provinz gefahren, um Peter Hein und die Herren von Family Five kennenzulernen, habe mir freigenommen um ein Interview mit der Sprecherlegende Gert Westphal zu führen und um einen glanzvollen Auftritt des Hohensteiner Kaspers am Vormittag zu sehen. Ich war mit dem SPIRIT gemeinsam nach der Wende zwei Wochen auf der Berlinale und habe ihn als Helfer und Redaktionspraktikant einige Jahre auf der Popkomm unterstützt. Durfte einige Konzerte und Filmvorführungen erleben, die ich als Normalsterblicher nicht erlebt hätte. Aber ich habe mein bürgerliches Leben, meine Karriere und meine Familienplanung nicht verlassen, bin den sicheren Weg gegangen, obwohl das Interesse an Kunst, Kultur und Popkultur einen hohen Stellenwert in meinem Leben hat.

Das Motiv Punk als Stellenwert und Lebensentscheidung, nämlich gegen die Norm, seine eigenen Interessen zum Mittelpunkt, Zweck und Einkünften des Lebens zu machen, aber keinen permanenten Geldeingang zu haben, ist ein nicht immer einfacher Weg und eine schwierige Entscheidung. 

Dies muss abschließend erwähnt werden, um zu verstehen, dass mit der Biographie des SPIRITS auch eine Loslösung der gesellschaftlichen Norm stattgefunden hat, der seine Mühen für die Erfassung der Kunst und sein persönliches kulturelles Universum stets über die bürgerliche Norm der Existenz gestellt hat.

Ob man den SPIRIT nun als singuläres kulturhistorisches Ereignis darstellt oder als erfreuliche Überraschung, für mich bleibt die Person Marc Hairapetian und sein SPIRIT ein sensationelles Erlebnis! 

EPILOG

Rick Deckard, Mrs. Lomax, ich und der SPIRIT haben viele Abende und Nächte verbracht, in denen wir uns nur in Filmzitaten unterhalten haben. Auch heute gilt es, bei den seltenen Treffen und Telefonaten, ein glorreiches Zitat zu platzieren. 

(Tim & Struppi sagen Cheers SPIRIT - ...da kann man auch schon mal eine gute Flasche aufmachen;-)

Dieser Nachtrag bietet sich also dazu an, das perfekte Filmzitat für die 30 Jahre SPIRIT zu finden. Ich habe viele gefunden und hätte aus unseren gemeinsamen Lieblingsfilmen „Lawrence von Arabien“, „Das Narrenschiff“, „Lord Jim“, „A Clockwork Orange“ oder „Verdammt in alle Ewigkeit“ wählen können oder einen Songtext von Peter Hein, Blondie oder einem x-beliebigen von uns immer geliebten Schlagertext wählen können, um endgültig zusammenzufassen, was ich empfinde, aber auch um dem SPIRIT einen Rat für die nächsten 30 Jahre mit auf den Weg zu geben.

Entschlossen habe ich mich für einen Satz meines Lieblingskomikers W.C. Fields, der in Edward Sutherlands Film „Mississippi“ (1935) folgendes sagt: 

„Denk dran, ein toter Fisch kann sich treiben lassen, aber es braucht einen lebenden, um gegen den Strom zu schwimmen.“

Herzlichen Glückwunsch SPIRIT!

 

Alan Lomax 

 

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