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Paradies der gefälschten Dinge /Niels Frevert und Trümmer/Trümmer

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 22. August 2014, 11:53am

Kategorien: #Populäre Musik

Paradies der gefälschten Dinge /Niels Frevert und Trümmer/Trümmer
 

Das Seltsame, das Schöne an der Popmusik ist doch, dass sie einen immer wieder versöhnt!

Nebst meiner Heimatstadt Köln ist Hamburg noch immer meine Geliebte. Trotz Gentrifizierung des Kiez, trotz vergangener Tage der Schule und denen von mir immer noch geliebten Bands.

Scheinbar gibt es 2014 ein nostalgisches Revival der Ahnen. Die Sterne und Blumfeld werden auf Tour sein, ein paar alte Recken bringen neue Platten raus. Es ist viel passiert, seit dem, dass alles schön und wichtig war!

Gegenkultur verklärt die Nostalgie, manchmal ist es hart einen Jochen Distelmeyer Song zu hören, seltsam merkwürdig fühlt es sich an, wenn man eine Tocotronic Platte auflegt. „Früher war alles besser“ und „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, ist natürlich Blödsinn und auch keine Hoffnung mehr.

Klar, es geht voran und man selbst, aber auch der musikalische Wohlklang aus der einzigen richtigen Hafenstadt Deutschlands muss sich zwischen Konformität, Botschaft und deutscher Pop-Bedeutsamkeit messen. Nicht einfach!

Man könnte es sich einfach machen und die tolle, provokante und tatsächliche Punkband „Die Nerven“ aus Stuttgart hören. Aber Lärm reicht nicht immer um Barrikaden umzureißen. Es bedarf an Botschaft und manchmal eben auch etwas Tiefgang und vielleicht sogar schimmernden Optimismus.

Diesen Druck haben Hamburger Bands immer gut stand gehalten und so ist dieser Herbst 2014 nicht nur nostalgisch, sondern auch entdeckungsreich. Denn die Alben der hamburger Band Trümmer und des hamburger Musikers Niels Frevert enthalten all’ die geforderten Attribute und abseits von dem gesamten Musikerwahn bestechen beide Platten mit guter, losgelöster Popmusik, fern aller Anforderungen von Nerds wie mir!

Natürlich ist Niels Frevelt eine Ewigkeit dabei. Vielleicht sogar von Anfang. Die sehr gute Band „Nationalgalerie“ hatte einige kleine kommerzielle Erfolge, künstlerisch wurde sie nie in Frage gestellt. So lange und häufig danach hatte der Musiker dann Soloplatten veröffentlicht, die aber leider nie den Anklang gefunden haben, die sie eigentlich verdient hätten.

Wäre man neu in dieser Stadt Hamburg und deren Musik beim spazieren gehen hören, würde man bei „Trümmer“ von einem Gegenentwurf sprechen! Trümmer sind alternativer, provokant, musikalisch interessant, aufwühlender und etwas neuer als der gute alte Niels Frevelt, aber eben nur „ter“ und etwas. Zusammengefasst eine schöne Ergänzung. Wenn das so sein muss, wie ich es hier schreibe, was natürlich auf gar keinen Fall, der Fall ist!

„Wenn alles in Schutt und Asche liegt, dann hat uns die Liebe besiegt“, singt Trümmer Frontmann Paul Putsch! „Das mit dem Glücklich sein, ist relativ und plötzlich wird meine Hand von Deiner gehalten und plötzlich will ich irgendwann mal alt werden!“ antwortet der Sänger Frevert imaginär!

Frevertsche Hardcore Fans wissen, dass der Mann sehr unterhaltsam und sehr hintergründig ist. Aber es gibt eben auch die andere Seite von Menschen die nicht für die „gemeinsame Sache sind“, die die einen unangenehmen Mundgeschmack bekommen, wenn sie seine Songs hören. Scheinbar ist dieser Teil von Menschen größer, denn sonst müsste der Hamburger einen größeren Erfolg haben, der ihm auf jeden Fall zu gönnen wäre.

Denn für wahr „Paradies der gefälschten Dinge“ ist seine beste Platte. Die Texte, seine schönen Melodien und seine Authentizität, wird endlich von einer großen Produktion untermauert. Man hört orchestrale Momente im Hintergrund, die seinen Songs gut tun und noch etwas reifer, echter, wichtiger klingen lassen.

Trümmer sind historisch gesehen, ehr die heranwachsenden, gut beobachtenden Jugendlichen, die es mit post-alternativen musikalischen Mitteln schaffen, Aufmerksamkeit zu erzeugen!

„Liebe ist ein Akt der Rebellion“, sagt Paul Putsch in einem älteren Interview. Ergänzt wird er von Bandkollege Tammo, der sagt: „Dazu gibt es ein Zitat von Slavoj Zizek. Er sagt, die letzte Revolution unserer Zeit sei die Ehe. Ich weiß nicht genau, was er damit meint, aber ich lass das mal so stehen.“

Inzwischen könnten Trümmer die Antwort gefunden haben. Denn während die Band ehr von der Zerstörung und dem anschließenden Neuaufbau spricht, schwelgt Frevert von der ständigen Zerstörung und dem Sinn der Beständigkeit.

Je älter man wird, desto ähnlicher wird man sich.

Hamburg steht!

 

Alan Lomax

 

Paradies der gefälschten Dinge /Niels Frevert und Trümmer/Trümmer

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