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Frühstück im Hotel

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 17. September 2011, 12:05pm

Kategorien: #Genuss: Essen & Trinken

Kaffee.jpg

Copyright: DiePresse.com 2011

Eine Woche ausser Haus zu sein, heisst auch eine Woche auswärts zu essen, trinken und auch zu geniessen. Stellt sich die Frage, ob man seine Gewohnheiten mitnimmt, oder sich fernab seiner gewohnten Umgebung anders verhält?

Ich weilte die letzten Tage in einer Stadt am Rhein, nein nicht Köln, und konnte (und musste) den gewohnten Tagesrhythmus für 5 Tage ändern. Jeder Morgen, jeder Tag beginnt mit einem guten und ausgewogenen Frühstück, zumindest wird das immer so propagiert, ob sich die Menschen daran halten, vermag ich nicht zu sagen.

Nun bietet das Hotel im Vergleich zum Alltag meistens eine Auswahl in Form eines Büffets. Während zuhause der Toast sich golden färbt und die Kaffee Maschine läuft, steht man morgens in einer fremden Stadt, der Kaffee bereits in der Kanne auf dem Tisch und eine grosse Vielfalt an Getränken und Speisen lassen die Augen glänzen.

Ich muss zugeben, noch vor einem Jahrzehnt ass ich morgens anders, will sagen, dass die Möglichkeiten eines Büffets genutzt wurden. Da landete dann morgens nicht das Brötchen mit der weichen Nuss-Nougat Creme auf der Hälfte auf dem Teller, sondern mal ein Croissant oder auch eine Waffel, je nach Gusto. Den anderen Tag ein Fruchtsalat oder ein Müsli. Die innere Vorgabe lautete "Du bist woanders, also iss auch anders!". Weniger als Imperativ, sondern als Chance.

Es ist übrigens sehr interessant Menschen morgens im Hotel beim frühstücken zu beobachten, insbesondere dann, wenn sie sich nicht in Gesellschaft befinden, sondern alleine am Tisch.

Doch zunächst zum Essverhalten und den verschiedenen Typen:

Der "Ich habe bezahlt und nicht zu wenig, also nehme ich alles in Anspruch"-Typ: Dementsprechend sieht auch der Teller aus - die verschiedenen Bestandteile ragen über den Tellerrand hinaus, wild und ohne irgend ein "Konzept". Ist der Teller einmal leer, wird auch schon der nächste bestückt, immerhin is(s)t man im Hotel, die Anonymität verleitet zum ungewohnten Verhalten. Faszinierend, was Menschen morgens so essen können.

Der "Continental-Frühstück"-Typ: egal wo auf der Welt er sich befinden mag, stets werden sich die gleichen Bestandteile auf seinem Teller finden: Brot/Brötchen/Toast, Butter, Marmelade und Kaffee. Punkt. Keine Variation. Keine Kompromisse.

Der "Experimental"-Typ: natürlich schwierig zu belegen, ob das auch so ist, aber diesen Typ sieht man lange am Büffet verweilen, es wird alles gelesen, beäugt, hin und her gegangen und am Ende wundert man sich, was dann auf dem Teller landet, v.a. in welcher Kombination.

Der "Wer weiss, wann ich wieder zum essen komme"-Typ: Bereits morgens wird warm gegessen und nicht zu wenig. Der Büffet-Klassiker schlechthin. Nicht nur wird die ganze Kanne Kaffee geleert, sondern zudem noch Rührei, Bacon und die kleinen Würstchen. Dazu noch Unmengen an Brötchen. Auch sehr beeindruckend wie ich finde.

Der "Vernunftsmensch und Öko"-Typ: Jean Pütz lässt grüssen. Kein Fett, kein Zucker, nichts gebratenes. Müsli, Früchte und Tee. Das alles aber nicht auf einmal, sondern mit mehreren Pausen und diversen Gängen.

Bitte nicht missverstehen ich will das hier nicht werten, jeder so wie er/sie es möchte. Neben den hier erwähnten mag es bestimmt noch Crossover und eine grosse Variabilität geben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Die, die alleine sitzen, sitzen nicht alleine, sondern werden immer begleitet von ihren Smart Phones oder Notebooks. Nun ist die Gruppe morgens im Hotel inhomogen, es findet sich alles vom Geschäftsreisenden bis zum Touristen, trotzdem wird sich nicht die Zeit genommen, sich nur auf das Frühstück zu konzentrieren und es zu geniessen. Es wird getippt und "gescrollt" was das Zeug hält. Gottlob hat keiner telefoniert. Die andere Gruppe las Zeitung, was für mich einem entspannten Genuss am morgen näher kommt.

Ich selbst muss zugeben, dass ich diesen 'Auswärts Bonus' mittlerweile verlassen habe und esse im Hotel morgens das, was ich auch zuhause esse. Macht der Gewohnheit? Wunsch nach Stabilität in der Fremde? Schwer zu sagen. Die Wundertüte Büffet hat zumindest ihre Wirkung verloren.

Kann sich noch jemand an das Garni-Frühstück erinnern? Auch ein Klassiker. Morgens wird das Standard Frühstück an den Tisch gebracht, bestehend aus Ei, Kaffee, Brot, Butter Marmelade, Käse und Aufschnitt. Dazu noch 10-15 s Smalltalk und der Tag ist gerettet. Auch eine Variante.

Mir fiel in den letzten Jahren auch immer wieder die unterschiedliche Geschmacksqualität des Kaffees auf, auf den ich am Morgen am meisten Wert lege. Die Variabilität ist enorm. Es gab bisher nur ein Hotel und eine Marke, die alle Ansprüche diesbezüglich vollends befriedigt hat, die ich aber nicht nennen werde, keine Werbung. Ein frisch gebrühter Kaffee am morgen mit kräftigem Aroma und verführerischer Würze ist besser als alles andere.

Übrigens, das sei am Ende noch zu erwähnen, ein Getränk ist ebenfalls der ultimative Klassiker am Frühstücksbüffet im Hotel: Der Saft zum Frühstück, bevorzugt Multivitamin mit orangener Farbe. Ich frage mich wie viele der Menschen diesen auch zuhause trinken?

Es ist mit dem Genuss wie bei allem anderen auch stets eine Frage der Dosis. Ein zu viel führt zur Inflation, auch des Geschmacks, ein zu wenig zur Langeweile.

Insofern tut eine Abwechslung des morgendlichen Essverhaltens auch immer gut.

Rick Deckard

link zu einem Loriot Klassiker auf YouTube

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