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www.lomax-deckard.de

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Alter

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 11. August 2009, 20:57pm

Kategorien: #Kommunikation

Heute auf dem Weg nach Hause hielt ich am Kiosk um eine Fernsehzeitschrift und einen erstklassigen Schokoriegel zu kaufen. Bereits am Eingang verschreckten mich 4 Kunden aber ich stellte mich hinten an und atmete tief durch. Jeder kennt das, dieses Gefühl des Kontrollverlustes an der Kasse oder wo auch immer man ansteht. Ganz vorne bediente die Besitzerin eine sehr alte Dame und unterhielt sich mit Ihr über irgendein bevorstehendes Sommerfest und ihren Einkauf. Ich wurde ungeduldiger und innere Fragen nach dem Sinn des Ganzen quälten mich, ich wollte endlich an die Reihe kommen um schnell zu zahlen und zu gehen. Plötzlich jedoch wich die Ungeduld einer weiteren Frage, die aus welchem Grund auch immer zum Vorschein kam: "Was wäre, wenn Du da vorne in diesem Alter stehen würdest?" Es liess mich nachdenken, ich atmete langsamer und flacher. Wozu dieser Geschwindigkeitsrausch, warum die Ungeduld, wozu diese Unruhe 'nicht endlich dran zu kommen'? Die Besitzerin half der alten Dame heraus und verstaute den Einkauf im Rollator und wünschte Ihr einen schönen Tag.

Ich sah der alten Dame noch eine Weile nach wie sie am Strassenrand stand und auf den richtigen Moment wartete um die Strasse zu überqueren. Nach einer Weile ging sie langsam hinüber und verschwand in einer Seitenstrasse aus meinem Blickfeld.

Die Besitzerin entschuldigte sich dann bei uns, bzw. bei einer Kundin vor mir für die Wartezeit. Diese entgegnete es sei alles in Ordnung und ergänzte mit den Worten "Wir werden alle da hin kommen und es sei schön, dass Sie Ihr geholfen habe!", kaufte 2 Päckchen Zigaretten einer französischen Marke von wegen die 'Freiheit ist Deine' usw., eine Flasche Wasser und Apfelsaft und zog von dannen.

Mir fiel spontan ein Dialog aus einem grossen indischen Heldenepos ein, der zwar nicht direkt, aber indirekt mit der Situation zu tun hatte. In dieser Geschichte wird ein König u.a. von einem Geist gefragt, was für Ihn das grösste Wunder der Welt sei. Der König antwortete:

"Das grösste Wunder der Welt ist, dass jeden Tag um uns herum Menschen sterben und wir so tun, als würden wir ewig leben!"

Mir gingen mehrere Dinge nach diesem kleinen Ereignis durch den Kopf:

Warum sah sich die Besitzerin genötigt sich zu entschuldigen? War Ihr Handeln nicht selbstverständlich?

Wann im Leben eines Menschen fängt er an sich Gedanken über das Alter zu machen? Ist dieser Zeitpunkt individuell als Summe aus Erfahrung und Umwelt vorgegeben oder eine Konsequenz der Biologie und somit irgendwann zwangsläufig?

"Die junge Generation hat auch heute noch Respekt vor dem Alter, allerdings nur noch beim Wein, beim Whiskey und bei den Möbeln."

Truman Capote.

Bildquelle: wissenschaft-online.de 

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