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Zwei Banditen

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. November 2018, 13:48pm

Kategorien: #Filme

Zwei Banditen

Die Luft ist raus. Es hat mich überrascht, dass der Film, den ich mir nach vielen Jahren wieder angesehen habe und der früher zu meinen Lieblingsfilmen gehörte, mich kaum noch beeindruckte. Zur Zeit starte ich ein persönliches Revival der Filme, mit denen ich aufgewachsen bin und von denen ich beeinflusst wurde. Butch Cassidy And The Sundance Kid ist einer dieser Filme.

Wieder einmal lehrt die Erfahrung in diesem Zusammenhang: Die Kindheits- und Jugenderinnerungen sollten unangetastet bleiben. Das gilt insbesondere für Serien und Filme. Die Zeit, in der man sich einst diese Filme angesehen hat, war eine andere, man selbst war ein anderer Mensch, folglich muss auch die Rezeption eine andere gewesen sein. Das, was einst beeindruckte, führt heute nur noch zu einem müden Lächeln. Eine bittere Erkenntnis. Vielleicht liegt das aber daran, dass man diese Filme zu häufig in seinem Leben gesehen hat und deswegen der Zauber verflogen ist?

Es gibt aber auch eine andere Erklärung, der ins Auge zu sehen weit weniger angenehm ist: Vielleicht ist der Film gar nicht so gut ... . Das hört und liest sich auf den ersten Blick wie eine "Gotteslästerung", aber sehr viele Klassiker, die ich nach Jahren wieder gesehen habe, wussten noch immer zu überzeugen.

Im Laufe der Jahre betrachtet man Filme und das Kino aus einer sich stetig verändernden Perspektive und die eigenen Massstäbe und Kriterien zur Bewertung eines Filmes werden strenger. Man sieht genauer hin und der Anspruch steigt.

Butch Cassidy and the Sundance Kid enthält zweifelsfrei Elemente, die ihn seinerzeit zu einem riesigen Kassenhit und Erfolg machten: Die beiden umwerfend gut aussehenden und hervorragend agierenden Schauspieler und deren berühmte Leinwandchemie, der Humor, die poppige Interpretation des Western, der berühmte Song von Bacharach und David und nicht zuletzt die atemberaubende Fotografie von Conrad L. Hall. Das hinterliess vor Jahrzehnten bei der ersten Betrachtung einen nachhaltigen Eindruck.

Das ist heute anders: Ich wunderte mich über den fragmentarischen Erzählstil des Films, einige Längen, erzählerische Ungereimtheiten und schlussendlich auch über den etwas antiquierten Humor mit der phasenweise äußerst schlechten Synchronisation. In der Gesamtschau war es ernüchternd!

Das wiederum führt zu einer weitergehenden Frage: Was soll man zukünftig tun, wie soll man im Zusammenhang mit den persönlichen Klassikern agieren? Erinnerungen behalten und sich in Nostalgie suhlen, oder die vermeintlichen Klassiker einer erneuten Prüfung unterziehen? Schwer zu beantworten. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich für die kritische Variante entschieden.

Die Klärung dieser Frage beinhaltet aber auch einen weiteren, weitaus weniger emotionaleren Hintergrund: Im Zuge der Digitalisierung werden die Silberlinge nicht nur überflüssig, sondern nehmen auch Platz ein, der für andere Gegenstände dringend gebraucht wird (z.B. gute Bücher). Welche Filme also verdienen es im Regal zu bleiben, welche sollte man schnellstmöglich verkaufen,  solange sie noch zumindest etwas Wert sind?

Ich werde mich von Zwei Banditen trennen. Bitter, aber ehrlich und notwendig.

Aus Bolivien,

Rick Deckard

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