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Blackthorn - Mateo Gil: Endlich wieder ein Western!

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 5. Mai 2012, 08:10am

Kategorien: #Filme

Blackthorn.jpg

Gil ruft mit seinem Film viele Erinnerungen hervor. Erinnerungen an Zeiten, die vermutlich nie wieder kehren werden und trotzdem im Gedächtnis eines jeden, der Western und das Kino liebt, haften geblieben sind.

Im Jahr 1969 drehte George Roy Hill mit Paul Newman und Robert Redford einen der schönsten Filme aller Zeiten mit dem Titel 'Zwei Banditen' (Burch Cassidy and the Sundance Kid), in dem die Geschichte der beiden Outlaws auf komödiantisch-humorvolle Weise erzählt wird. Das Ende ist in die Filmgeschichte eingegangen und lässt einiges offen.

Genau hier knüpft der Spanier mit seinem Werk an: Der alternde Bandit Butch Cassidy lebt in Bolivien verdient seinen Unterhalt mehr schlecht als recht mit der Pferdezucht. Eines Tage beschliesst er in seine Heimat zurückzukehren um einem Jungen die Ehre zu erweisen, der sein Sohn, oder der seines Freundes Sundance sein könnte. Nachdem er seine Geschäfte in einer nahe gelegenen Stadt erledigt hat, macht er unfreiwillig Bekanntschaft mit einem spanischen Ingenieur, der auf der Flucht ist ... .

Die beiden Protagonisten befinden sich alsbald vor der Flucht vor ihren Häschern und in wenigen kleinen Rückblenden wird parallel die Geschichte der zwei Banditen in Auszügen erzählt. Cassidy wird dabei von einem wunderbar knarzigen Sam Shepard verkörpert, dem sein Lebensweg im Gesicht geschrieben steht, der Ingenieur von Eduardo Noriega. Zu ihnen gesellt sich Stephan Rea, der einst die beiden Gauner verfolgte.

Blackthorn bedient alles, was den Western auszeichnet, in aller erster Linie eine atemberaubend fotografierte Landschaft. Wir befinden uns nicht in Wyoming, Utah, New Mexico oder dem Monument Valley, sondern in der prächtigen Natur Boliviens und die offenbart eine unglaubliche Schönheit, ob Wälder, Berge, Wüsten oder Steppe.

Die Bilder werden von dem spanischen Kameramann Juan Ruiz Anchía eingefangen, der bereits seit 1978 im Geschäft ist und auch in Hollywood einige Erfahrungen sammeln durfte. Jeder Produzent und Regisseur dort, der diese Aufnahmen gesehen haben mag, sollte diesen Künstler umgehend für 10 Filme verpflichten!

Was die Betrachtung dieses Filmes so sehenswert macht ist seine herrlich "langsame" (aber nicht langweilige) Erzählweise, die an die Filmkunst vergangener Jahrzehnte erinnert. Bilder, Akteure, Musik, alles ist stimmig und in sich ruhend und verbreitet eine wohltuende Atmosphäre. Die Shoot Outs sind spärlich, aber gut dosiert, Western-Romantik gibt es allen Orten. Lucio Godoy schrieb eine passende Musik, hier und dort unterbrochen von Songs im Stile eines Kris Kristofferson.

Einzig das Drehbuch ist eine Schwäche des Films, auf die ich hier aber nicht näher eingehen will, dankbar genug, dass überhaupt etwas aus diesem Genre zu sehen ist. Mateo Gil ist auch viel mehr interessiert an der Landschaft und den leisen Zwischentönen, dem unausgesprochenen. Er überlässt dem Zuschauer die Möglichkeit, sich seinen eigenen Reim zu bilden. Ich finde das gelungen, obwohl ich bei einer Geschichte eigentlich den klassischen Stil bevorzuge.

Blackthorn wurde sofort in die eigene Filmbibliothek aufgenommen und wird sich definitiv einiger Wiederholungen erfreuen, immer dann, wenn wehmütige Erinnerungen an vergangene Zeiten aufkommen. Mir hat der Film sehr gut gefallen und er ist ideal für den kommenden Sommer geeignet als Mitternachtsfilm im Freilichtkino.

Vom Salar de Uyuni,

Rick Deckard

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