674FM proudly presents Josy Basar – am 16. September 2026 in Köln
JOSY BASAR – Von Punkt A nach Punkt B.
Mit möglichst vielen Umwegen.
von Oliver Jörns (Alan Lomax)
Es gibt Künstler, die werden einem empfohlen. Und es gibt Künstler, die findet man.
Das ist ein Unterschied, der in Zeiten von Spotify, Algorithmen und inzwischen auch KI-generierter Musik vielleicht größer geworden ist, als man zunächst denkt. Josy Basar haben wir gefunden. 2025 beim Haldern Pop Festival, im Jugendheim und später im Tonstudio. Dort, wo man beim Haldern manchmal die interessanteren Entdeckungen macht, während anderswo längst die größeren Namen auf den Bühnen stehen.
Wir waren mit 674FM vor Ort, wie seit vielen Jahren, machten Radio, übertrugen Konzerte, trafen Musiker – und dann steht da plötzlich dieser Typ aus Metz und macht mit ein paar elektronischen Gerätschaften, französischer Sprache und einer ziemlich eigenwilligen Vorstellung von Popmusik etwas, bei dem man hängenbleibt.
Genau für solche Momente macht man Radio. Und genau deshalb holen wir Josy Basar jetzt erneut nach Köln.
Josy Basar kommt aus Metz und macht eine Musik, die zunächst gar nicht so leicht einzuordnen ist. Irgendwo zwischen französischem Chanson, Lo-Fi-Synthie-Pop und einer ziemlich eigensinnigen Form elektronischer Musik. Wobei „irgendwo zwischen“ schon wieder verdächtig nach Musikjournalismus klingt und eigentlich wenig erklärt.
Vielleicht hilft Metz weiter?
Der Osten Frankreichs ist schließlich nicht Paris. Metz liegt näher an Saarbrücken als am Eifelturm. Hier gibt es Industrie, Autobahnen, Silos, Strommasten, verlassene Fabriken und diese weiten Landschaften, die gleichzeitig etwas Tristes und ungemein Schönes haben können. Genau solche Bilder tauchen bei Josy Basar immer wieder auf. Er hat selbst davon erzählt, wie ihn die Linie am Horizont auf Reisen durch Osteuropa, Tschechien und Burgund verfolgt hat. Man fährt weit weg und begegnet plötzlich wieder der Landschaft, aus der man kommt.
Das gefällt mir. Vielleicht auch, weil ich ohnehin eine Schwäche für Frankreich und seine etwas andere Vorstellung von Popkultur habe. Nicht das Postkartenfrankreich mit Baskenmütze, Baguette und den üblichen Gainsbourg-Referenzen. Eher dieses eigentümliche französische Selbstverständnis, Popmusik durchaus als Kunst zu betrachten, ohne deshalb gleich eine Pressekonferenz darüber abzuhalten.
Basars Album erstes Album (2024) heißt Alinéa, einer seiner schönsten Songs „La ligne“. Die Linie. Von Punkt A nach Punkt B.
Mehr braucht er zunächst nicht.
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674FM proudly presents: JOSY BASAR - 674FM
Mittwoch, 16. September 2026 Einlass 19.30 Beginn 20.00 674FM Konzertraum, Ubierring 13, 50678 Köln
Eine stoische Bassfigur, Synthesizer, Drumcomputer und diese beiläufige Stimme. Das Stück läuft und läuft und verändert dabei fast unmerklich seine Wirkung. Keine große Produktion weist einen darauf hin, wo jetzt gefälligst der Refrain zu sein hat. Der Song vertraut einfach darauf, dass man zuhört. Etwas ruppiger, vielleicht treibender sind viele Tracks des neuen Albums Le Chien. André ist da vielleicht ein Anspieltipp, aber auch hier gibt es Räume. Immer wieder Wege
Josy Basar hat in einem sehr lesenswerten Interview mit La Face B gesagt, er lasse gerne Platz zwischen den Worten, damit die Menschen dazwischen tanzen können. Ein schöner Gedanke, weil er ziemlich genau beschreibt, was seine Musik ausmacht. Sie erklärt nicht alles. Sie lässt etwas offen. Und sie nimmt sich die Freiheit, auch einmal irgendwo abzubiegen, obwohl der kürzeste Weg längst berechnet wurde.
Natürlich steckt darin französische Chanson-Tradition. Basar nennt Catherine Ringer, Bashung oder Thiéfaine, gleichzeitig aber auch deutsche Techno- und Rave-Kultur der Neunziger, belgische Trance und industrielle Musik als Einflüsse.
Mich interessiert an Josy Basar aber noch etwas anderes. Seine Musik ist für mich ein ziemlich wunderbarer Antipode zu dem, was man etwas verkürzt Spotify-Kultur nennen könnte.
Damit meine ich ausdrücklich nicht die inzwischen etwas ermüdende Diskussion Mensch gegen Maschine. Popmusik war immer auch Technologie. Ohne Studio keine Beatles, ohne Synthesizer keine Kraftwerk, ohne Sampler kein Hip-Hop. Die interessante Frage ist also nicht, ob Technologie Kunst verändern darf. Das hat sie immer getan.
Aber wir erleben gerade etwas anderes.
Im Frühjahr meldete Deezer, dass inzwischen Zehntausende vollständig KI-generierte Tracks jeden Tag auf die Plattform geladen werden. Spotify wiederum beginnt, auf künstliche Künstleridentitäten und die zunehmende Vermischung von menschlicher und synthetischer Musik zu reagieren. Die Musikindustrie versucht also längst, Regeln für etwas zu finden, das bereits mitten unter uns angekommen ist.
Mich interessiert dabei weniger die Frage, ob eine Maschine Musik machen „darf“. Natürlich kann sie das. Mich interessiert, ob wir irgendwann noch merken, wenn uns etwas berührt, weil ein Mensch tatsächlich etwas zu erzählen hatte.
Und da sind wir wieder im Jugendheim und im Tonstudie in Haldern und in unserem Konzertraum von Radio 674FM.
Bei einem Typen aus Metz, der aus Landschaften, Erinnerungen, französischer Sprache und elektronischen Geräten seine eigene kleine Welt baut. Nicht perfekt optimiert, nicht für jeden und vermutlich auch nicht dafür gemacht, beim Kochen unauffällig unter irgendeiner Playlist namens „French Indie Dinner“ durchzulaufen.
Genau solche Künstler sind einer der Gründe, warum wir bei 674FM Radio machen.
Und warum ich kleine Konzerte immer noch für einen ziemlich wichtigen Bestandteil von Popkultur halte.
Ich zahle inzwischen tatsächlich lieber zwanzigmal ungefähr 20 Euro für solche Abende, als einmal 400 Euro für den nächsten komplett durchproduzierten Arena-Abend, bei dem ich einen Weltstar aus achtzig Metern Entfernung hauptsächlich auf einer Videowand betrachte und mich anschließend darüber ärgere, dass der Sound schlechter war als zu Hause.
Das ist keine moralische Frage. Ich liebe große Popmusik und ich liebe große Shows.
Aber bei kleinen Konzerten kann noch etwas passieren.
Man entdeckt jemanden, von dem man vorher nichts wusste. Vielleicht funktioniert es nicht. Vielleicht steht man anschließend an der Theke und diskutiert darüber. Und manchmal hört man einen Song und weiß nach wenigen Minuten ziemlich genau, warum man seit Jahrzehnten Platten kauft, Konzerte besucht, über Musik schreibt und Radio macht.
So war das ein bisschen mit Josy Basar.
Wir haben ihn 2025 beim Haldern Pop Festival im Jugendheim gefunden. Jetzt holen wir ihn wieder mit 674FM nach Köln.
Und deshalb ist dieser Text natürlich auch eine Konzertankündigung. Sogar eine ziemlich parteiische.
Am Mittwoch, 16. September 2026, spielt Josy Basar im 674FM-Konzertraum am Ubierring 13 in Köln. Einlass ist um 19:30 Uhr, Beginn um 20 Uhr.
Nicht „Interessiert“ anklicken. Nicht bei Spotify abspeichern und denken: Höre ich mir irgendwann mal an.
Hingehen! Vielleicht ist das ohnehin die einfachste Antwort auf all die Diskussionen darüber, was Musik in Zeiten von Streaming, Algorithmen und künstlicher Intelligenz noch wert ist.
Man kauft eine Eintrittskarte, geht in einen kleinen Raum und hört einem Menschen dabei zu, wie er versucht, mit Musik etwas auszulösen.
Von Punkt A nach Punkt B.
Mit möglichst vielen Umwegen.
À bientôt, Josy.
Oliver Jörns / Alan Lomax
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JOSY BASAR am 16.09.2026 in Köln
JOSY BASAR am 16.09.2026 in Köln ► Alle Infos & Tickets auf Rausgegangen!
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