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Fury (Herz aus Stahl) - David Ayer

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 6. Juni 2015, 18:11pm

Kategorien: #Filme

Fury (Herz aus Stahl) - David Ayer

Ein grossartiger Kriegsfilm.

Während die Medien den Zuschauer eher subtil auf die Grausamkeiten eines Krieges aufmerksam machen wollen und bewusst keine Gräueltaten zeigen, um uns zarte Gemüter zu schonen, so ist Hollywood in dieser Hinsicht stets das "gute Gewissen".

In den Filmen der Traumfabrik wird einem schonungslos die Barbarei menschlicher Auseinandersetzungen vor Augen geführt. Fragt sich am Ende, welche der "Bericht"erstattungen die ehrlichere ist?

Herausheben tut sich Fury von anderen Kriegsfilmen, weil er deutlich macht, auch wenn das zunächst sehr offensichtlich klingen mag, warum Menschen in Kriege ziehen: Um einander zu töten.

Dieser Umstand wurde in der Vergangenheit in den Filmen Hollywoods ein wenig vernachlässigt (mit einigen Ausnahmen) zu Gunsten romantisierter Handlungen und stilisierter Bilder. Nicht, dass diese Filme schlecht wären, im Gegenteil, sie beleuchteten jedoch mehr die Umstände des Krieges und legten den Focus auf eine bestimmte narrative Struktur, als die Wahrheit an sich zu zeigen: Krieg ist Mord. Krieg ist töten.

Und aus dieser Prämisse gelang es Regisseur David Ayer einen überzeugenden Kriegsfilm zu drehen?

Die Antwort lautet: Ja.

Fury - Herz aus Stahl ist ein äusserst intensiver und beeindruckender Film geworden, der lange nach dem Abspann nachhallt (grundsätzlich eine Qualität guter Filme).

Er erzählt die Geschichte einer Panzerbesatzung kurz vor Ende des II. Weltkriegs. Die Männer sind müde, sie sind zermürbt. Hitler hat den "totalen Krieg" erklärt und die Allierten stossen auf ihrem Weg nach Berlin auf erbitterten Widerstand. Die Besatzung des Panzers kennt sich lange und gut. In den Jahren hat sich eine Kameradschaft aufgebaut und man vetraut einander.

Ayer zeigt, wie sich diese Männer durch den "Alltag" des Krieges quälen und dabei versuchen "Mensch" zu bleiben. Das ist ein sehr grosses Plus dieses Films. Der Regisseur und zeitgleich Drehbuachautor Ayer legt den Focus hierbei ganz scharf auf die "Spezies Mensch" und weicht davon bis zum Ende nicht ab.

Durch einen geschickten Kniff wird dabei der Zuschauer mit auf eine albtraumhafte Reise genommen: Gleich zu Beginn schliesst sich ein junger und vollkommen unerfahrener Bordschütze der Einheit ein: Norman Ellison. Der Junge war bislang nur Schreibtischtäter und ist von heute auf morgen ein Soldat an vorderster Front. Durch ihn bekommt der Zuschauer die psychischen und physischen Qualen des Krieges zu spüren, eine bessere Identifikationsfigur kann es nicht geben.

Ihm Gegenüber steht das eingeschworene Team und ihr Kommandant, gespielt von Brad Pitt. Auch wenn Pitt gewohnt hölzern agiert (er hat einfach kein Talent), so vermag er es trotzdem die Zerissenheit seines Charakters über die Leinwand zu transportieren, eine seiner besseren Leistungen. Der von ihm gespielte Don "Wardaddy" Collier ist ein mit allen Wassern gewaschener und erfahrener Soldat. Trotz seiner Professionalität und seines professionellen Tötens hat er sich Würde und Anstand bewahren können.

Wie zweischneidig und widersprüchlich dieses Töten und zeitgleich zutiefst menschliche Verhalten ist, zeigt sich in den stillen Momenten des Filmes, insbesondere in einer Sequenz, in der Pitt und sein junger Bordschütze zwei deutschen Frauen in einer Stadt gegenüber treten. Die Intensität dieser Szene ist nicht vergleichbar, aber ähnelt und erinnert sehr stark an die Sequenz mit den französischen Kolonialisten aus Apocalypse Now.

Fury ist ein aussergewöhnlich guter Film, der nichts beschönigt und gerade dadurch, aber auch durch seine ungeheure visuelle Kraft dazu beiträgt, dass dem Genre des "Kriegsfilms" neues Leben eingehaucht wird. Er vermeidet, wenn möglich Stereotypien und zeigt auf, was Krieg ist: Ein Verrohung des Menschen aber auch ein Teil seines Wesens.

In dieser Hinsicht ist er ehrlicher als manche Berichterstattung in den Medien.

Rick Deckard

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AlanLomax 08/11/2015 16:46

Diesen Streifen habe ich bereits vor einigen Wochen gesehen und ich halte ihn auch für einen der besseren Filme der letzen Jahre. Warum? Nun er ist packend gemacht und erinnert eben auch ein wenig an einen von uns beliebten Film von Robert Aldrich. Auch wenn der 1960ziger Charme fehlt.

Diese Aussage habe ich bewusst provokant gewählt, um vielleicht einmal darüber zu diskutieren!

Ansonsten würde ich Deinen Eintrag komplett mit einen Textmarker kennzeichnen und freigeben für mein persönliches Archiv.

Man müsste noch die Kernsequenz in der Wohnung der beiden Damen in dem kleinen belgischen Dorf erwähnen, die wirklich atemberaubend ist und die einen Bart Pitt zeigt, der überhaupt kein wenig untalentiert ist, sondern in fabelhafter Filmstarmanier eines Lee Marvin spielt. Ich finde ihn ziemlich großartig und diese Sequenz ist es eben, der den ganzen Film erklärt und ihn zu einem guten Film macht.

Lomax, Tee trinkend!

Rick Deckard 08/11/2015 18:12

Die Sequenz ist in der Besprechung erwähnt, siehe 3. letzter Absatz.
Was Pitt betrifft: Gerne schaue ich mir den Film nochmals unter Deiner Würdigung seiner Schauspielkunst an.
Ja, der 60er Charme fehlt und das ist auch gut so, weil er das aus dem Film macht, was er ist: Ein Film ohne Charme der 10er Jahre des neuen Jahrtausends.
Deckard, Marabou Schokolade essend!

Melissa 06/16/2015 13:03

Ich fand Fury total gut! Ich habe ihn mittlerweile schon zweimal gesehen und bin immer wieder begeistert. Gerde die Figur des Norman fand ich total interessant.

Rick Deckard 06/16/2015 19:50

Ich bin auch kurz davor den Film ein zweites Mal anzusehen. Das spricht für sich, bzw. den Film. Auch wenn man sich mit "Norman" zu Beginn nicht anfreunden mag, hier wird übrigens sehr geschickt der Macho in uns Männern entlarvt und ins absurde geführt (!), so ist er doch derjenige, der das Grauen begreiflich macht.

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