Saint-Tropez. Oder: Wie Louis de Funès meine Kindheit an die Côte d’Azur verlegte.

von Alan Lomax Rick Deckard Blog  -  9. Juli 2026, 11:38

Fotos by Alan Lomax merci Musée de la gendarmerie et du cinéma de Saint-Tropez
Fotos by Alan Lomax merci Musée de la gendarmerie et du cinéma de Saint-TropezFotos by Alan Lomax merci Musée de la gendarmerie et du cinéma de Saint-TropezFotos by Alan Lomax merci Musée de la gendarmerie et du cinéma de Saint-Tropez

Fotos by Alan Lomax merci Musée de la gendarmerie et du cinéma de Saint-Tropez

Manche Reisen beginnen nicht mit einer Hotelbuchung. Sie beginnen Jahrzehnte früher. Vor einem Röhrenfernseher. An einem verregneten Sonntagnachmittag. Mit dem unverwechselbaren Gesicht eines Mannes, der sich schneller aufregen konnte als jeder andere Schauspieler der Filmgeschichte: Louis de Funès.

Die Gendarmen-Filme waren für mich nie bloß leichte Komödien. Sie gehörten zu diesen Filmen, die sich tief ins kulturelle Gedächtnis einer Generation eingebrannt haben. Man kann heute noch einzelne Szenen sehen und weiß sofort wieder, wie sich Sommerferien anfühlten. Wie es war, wenn die ganze Familie vor dem Fernseher saß und gemeinsam lachte. Kino war damals kein Algorithmus. Es war ein gemeinsames Erlebnis.

Als Jean Girault 1964 Der Gendarm von Saint-Tropez drehte, konnte niemand ahnen, dass daraus eine der erfolgreichsten europäischen Filmreihen entstehen würde. Sechs Filme bis 1982 machten Louis de Funès zur internationalen Ikone – und Saint-Tropez gleich mit. Aus einem ehemaligen Fischerhafen wurde plötzlich eine Filmkulisse, die Millionen Menschen kannten, obwohl sie nie dort gewesen waren.

Und dann steht man plötzlich selbst dort.

Vor der ehemaligen Gendarmerie. Auf dem Place des Lices. Am alten Hafen. Man läuft dieselben Wege entlang, auf denen Cruchot wieder einmal völlig überfordert versuchte, Ordnung in eine Welt zu bringen, die längst beschlossen hatte, chaotisch zu sein. Natürlich ist vieles touristischer geworden. Luxuriöser. Lauter. Aber erstaunlicherweise existiert dieses filmische Saint-Tropez noch immer. Es liegt zwischen den Fassaden, in den kleinen Gassen, im Licht über dem Hafen und irgendwo zwischen Erinnerung und Wirklichkeit.

Vielleicht ist genau das die größte Kraft des Kinos. Gute Filme altern nicht. Sie verändern unseren Blick auf Orte. Sie machen aus Straßen Erinnerungen und aus Städten Sehnsuchtsorte. Man besucht Saint-Tropez nicht nur wegen des Meeres. Man besucht auch seine eigene Vergangenheit.

Ich glaube, genau deshalb fahre ich so gerne zu Originaldrehorten. Nicht, weil dort Stars gelebt haben. Sondern weil dort Geschichten entstanden sind, die ein Teil meines eigenen Lebens geworden sind. Jeder Film hinterlässt Spuren. Manche verschwinden nach dem Abspann. Andere führen einen Jahrzehnte später bis an die Côte d’Azur.

Und während die Sonne langsam hinter den Masten der Segelboote verschwindet, hört man sie fast wieder. Die hektischen Kommandos. Das Pfeifen. Das Fluchen. Und dieses unnachahmliche Temperament eines Mannes, der mehr über Komik verstand als die meisten nach ihm.

Manche Orte besucht man zum ersten Mal. Und hat trotzdem das Gefühl, nach Hause zu kommen.

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