The Brutalist – Ein Film wie ein Bauwerk
Ich schreibe über The Brutalist, weil er mir wichtig ist. Punkt. Das muss am Anfang stehen. Nicht, weil er ein perfekter Film wäre, sondern weil er ein Ereignis ist. Einer dieser Filme, die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Zu groß, zu ambitioniert, zu schwer, um in diese Zeit zu passen. Und genau deshalb passt er.
Denn was Brady Corbet hier wagt, ist nichts weniger als eine Zeitreise in die Ästhetik des Monumentalen. Ein Film, der sich nicht dem schnellen Rhythmus heutiger Sehgewohnheiten unterwirft, sondern in Stein und Beton gedacht ist.
Adrien Brody spielt diesen Mann, László, einen Architekten, Überlebenden, Vertriebenen. Jemand, der mit seiner Vergangenheit im Rücken und einer ganzen Welt im Kopf nach Amerika kommt. Dort trifft er auf Geld, auf Arroganz, auf die Gier der Nachkriegsjahre. Alte Welt trifft auf neue Welt – und es knallt.
Man kann den Film nicht verstehen, ohne das Bauhaus zu begreifen. Es ist das eigentliche Herz dieser Geschichte. Bauhaus als Idee, als Bruchstelle, als Vision von Klarheit und Wahrheit in einer Welt voller Lügen und Verdrängung. „Weniger ist mehr“ wird bei Corbet zu einer existenziellen Aussage. László baut, weil er sonst nicht überleben könnte. Architektur als Erinnerung, als Waffe gegen das Vergessen, als einziger Weg, das Chaos zu ordnen.
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Brody ist der Film. Ohne ihn würde alles auseinanderfallen. Er spielt nicht einfach – er trägt, er schleppt, er leidet. Seine Körperlichkeit, diese Mischung aus Würde und Erschöpfung, erinnert mich an Daniel Day-Lewis in There Will Be Blood. Auch an Pacino in Godfather II, wenn er in einer stillen Geste mehr über die Einsamkeit eines Menschen erzählt als ganze Dialogseiten.
Brody hält The Brutalist zusammen – nicht nur als Figur, sondern als künstlerisches Fundament. Man spürt, dass er selbst glaubt, dass Kino mehr sein kann als „Content“. Dass es noch diese Größe geben darf.
Beim Sehen musste ich an Luchino Visconti denken, an Il Gattopardo. Auch da: Geschichte wird über Körper und Räume erzählt. Oder Bertolucci, 1900. Dieses Gefühl, dass ein Film nicht nur einen Menschen, sondern eine ganze Epoche darstellen will.
Und dann wieder die Gegenwart: Jonathan Glazers The Zone of Interest – auch dort Architektur als Metapher, als Kälte, als Spiegel. Nur dass Corbet den Schritt weitergeht: seine Architektur ist nicht bloß Symbol, sie ist Handlung, Schicksal, Lebensform.
The Brutalist ist ein sperriger Film. Ein Bauwerk. Nicht jeder wird hineinfinden wollen, nicht jeder wird ihn aushalten können. Aber ich habe das Gefühl, dass wir genau solche Filme heute brauchen: Werke, die uns überfordern, die sich dem Markt verweigern, die so tun, als ob das Kino noch immer eine Kathedrale wäre und kein Streaming-Container.
Ich schreibe also über ihn, weil er bleibt. Weil er zeitlos ist. Weil er ein Denkmal setzt – aus Beton, Erinnerung und Schmerz. Und weil Adrien Brody ihn zu einem Kunstwerk macht.
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