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Vergessene Helden - Saul Bass

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 15. September 2010, 14:18pm

Kategorien: #Vergessene Helden

saul.jpg

 

Wenn im deckardschen Heim demnächst wieder alles an seinem Platz steht, wird er sich „Kap der Angst“ ansehen. Dann muss er sich nicht mehr in der Musik und den Bildern in seinem Kopf verlieren.

 

Er wird die DVD behutsam in den Player legen. Nach dem er sich über das übliche Vorgeplänkel geärgert hat, auch den Kopierschutz-Werbefilm überstanden hat und sich für die Übertragung in „Deutsch“ entschieden hat, entspannt sich sein Gesicht. Er lehnt sich zurück atmet tief durch! Dann ertönen die ersten Takte der spannungsreichen Musik von Bernhard Herrman. Nach einem letzten Check, ob alles ruhig ist und der Zeitpunkt richtig gewählt ist, gleitet sein Zeigefinger langsam auf die Entertaste seiner Fernbedienung. Er klickt „Hauptfilm“ an.

 

Das ungewohnte Amblin Entertainment Logo kommt, der Vorhang geht auf, das Spiel beginnt. Ein leichtes Lächeln der Unvernuft liegt auf seinem Gesicht, dann die erste Bestätigung für ihn, dass der Film ab Sekunde 1 ein visueller Geniestreich der aller ersten Güte ist….

 

theamerican090110.jpgSaul Bass hat die Titelsequenz entwickelt. Ein Alptraum beginnt und Bass ist es gelungen diese diffuse Angst in Traumbildern umzusetzen.

 

Gestern habe ich das originale Plakat zu dem neuen Clooney Film „The American“ gesehen. Das Retroplakat erinnert an die besten europäischen Thriller der 70er Jahre. Viele Filmplakate und Titelsequenzen stammten von Saul Bass. Doch was ist eigentlich aus dem großem Designpapst geworden?

 

Interessanter Weise schließt sich wieder bei Scorsese der Kreis einer Stil prägenden Kunst. Die letzte Arbeit von Bass (und seiner Frau) war der Vorspann zu „Casino“ von 1995.

 

Durch Bass wurden Grafiker das erste mal als Künstler wahrgenommen. Bass hat Glück gehabt, dass er in einer Zeit groß wurde, in der er fast alle Medien ausprobieren konnte. Unverkennbar wurde er weil er die alte Grundregel der Aufmerksamkeit befolgte: Klare Formen!

 

Natürlich erlangte er seine Bekanntheit beim Film durch die Titelgestaltung für die beiden Otto Preminger Filme „Carmen Jones“ und „The Man with the Golden Arm“, bevor der maßgebliche Titelgestalter von Alfred Hitchcock wurde.

 

logo_att.giflogo_warner_communications.gifVielleicht weniger bekannt ist, dass er und seine Firma Saul Bass & Associates unverwechselbare Logos & Designs für die Markenkommunikation und die Corporate Identity  berühmter Firmen entwickelt hat. Z. B. das alte BP-Logo, das alte bekanntere Esso-Logo, AT&T und Warner.

 

Das waren Markenzeichen die Bestand über Jahrzehnte hatten. Heute ist es ehr üblich auszuprobieren und notfalls die CI/CD wieder auszutauschen. Ein aktuelles Beispiel ist z. B.  Mercedes-Benz! Der Autokonzern hat sein "neues" Markenzeichen bereits nach zwei Jahren wieder ausgetauscht. Ein dramatischeres Beispiel ist die Zigarettenmarke Camel. Die durch einen CIwechsel Milliarden Umsatzeinbussen gehabt haben. 

  

Klar, aber wird wie wichtig eine Titelsequenz und das Branding eines Filmes sind! Nach langem Nachdenken, fällt mir keiner meiner Lieblingsfilme ein, der kein einprägsames Logo oder Schriftzug hat. Unverkennbarkeit! Erstaunlich das heutzutage oft darauf verzichtet wird!?

 

Anton Corbijn Fotograf, Desigern und jetzt Filmemacher ist diese wichtige Ästhetik bewusst. Somit hat er auch seinem neuem Film „The American“ einen unverkennbaren visuellen Stempel aufgedrückt. Kleine Anmerkung: Oftmals wird vergessen, das Corbijn auch wesentlich das Image von Herbert Grönemeyer mitgeprägt hat. Was ihn verdächtig macht! Was mich stutzig macht, ist das der extrem gut aussehende Clooney in dem Streifen, auch noch zu Grönemeyer Musik rumlaufen wird. Der deutsche Musiker hat den Score zu dem Film geschrieben. Soweit zur Ästhetik, was beweist, dass zu einem Meisterwerk nicht nur ein Einzelner beiträgt sondern viele Künstler.

 

Den Vergleich Corbijn vs. Bass finde ich im Übrigen sehr reizvoll und im popkulturellen Zusammenhang sehr diskussionswürdig. Beide haben einen sehr eigenen aber unverkennbaren Stil. Bass ist sich seiner Kunst allerdings immer Treu geblieben und hat primär mit Figuren, Formen, Farben und Lettern experimentiert. Corbijn hat das fotografieren nicht mehr gereicht....

  

Uff, viele Namen, Gedanken und vielleicht einige nicht erkennbare Zusammenhänge. Was mir aber immer zeigt, dass ich mit einem Thema intensiver beschäftigen muss, weil es noch viel darüber zusagen gibt, vielleicht auch zu kommentieren....???

 

Jetzt wollen wir uns aber erstmal an der schönen Kunst des Herrn Bass, erfreuen...

 

Alan Lomax

 

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