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Musée Hergé

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. August 2009, 16:01pm

Kategorien: #Vergessene Helden




Bildquelle: Alan Lomax Foundation

Hergé ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten europäischen Künstler. Sein umfangreiches Werk wurde von Millionen von Kindern und Erwachsenen gelesen und hat mehrere Generationen von Comic-Zeichnern und –Autoren beeinflusst. Viele heute bekannte Zeichner sammelten ihre ersten Erfahrungen in den Hergés Studio und die Elemente der „ligne claire“, wie man die Geradlinigkeit in Hergés Erzählstil und in seiner Zeichentechnik bald nannte, finden sich auch heute noch in den Werken vieler junger Künstler. 

In Belgien gehören Comics zum kulturellen Erbe. Hergé hat in Louvain-la-Neuve (ca. 30 km vor Brüssel) sein eigenes Museum bekommen. 

Das ist aus Sicht von Deutschland aus schon ein sensationelles Ereignis. Comics fristen im Land der „Hochkultur“ noch immer ein fragwürdiges und unpopuläres Dasein, dass kaum eine Akzeptanz in unserem Leben gefunden hat. 

Ich persönlich kenne nur wenige Menschen, die Comichefte in ihrem Wohnzimmer stehen haben, in der Lage sind, auch nur einen Künstler namentlich zu erwähnen oder Zusammenhänge zu erkennen. 

Auch kann ich nur immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich mir die vereinzelten Exemplare von Comics in großen deutschen Buchhandlungen ansehe. Meist irgendwo in die Ecke gedrängt, zwischen Zeitschriften und Monatsjournalen. Anders Frankreich und Belgien. Allein der Besuch der größten Kulturfilialen (FNAC) lässt einen staunen. Ganze Etagen und fachkundige Verkäufer beschäftigen sich mit dieser großen Kunst. 

Was nutzt die ewige Meckerei und Unzufriedenheit? Die ewige Beschwerde über die Ignoranz und Dummheit der Menschen? Insbesondere wenn man die Möglichkeit hat, wie z. B. bei Hergé „..in einem Bunker eine zeitlose Dimenson zu erschließen.“ In sein faszinierendes Universum abzutauchen, dass scheinbar alle Strömungen unserer schnelllebigen Zeit überdauert zu hat. Man muß nur die Tür öffnen, indem man einer seiner Alben aufschlägt, um in eine Welt humorvoller Abenteuerträume zu entschwinden. 

Jung gebliebene Fans können das nun auch im Hergé Museum in der Nähe von Brüssel. Nach siebenjähriger Planungszeit und fast drei Jahren Bauphase ist es nun endlich fertig. 

Als ich meiner Familie, den  Planen geschildert habe dort hinzufahren, wurde über eine Aussage gelacht: Ich sagte sinngemäß: „ ...auf diesen Museumsbesuch freue ich mich schon seit Jahren, obwohl es das Museum erst seit Mai 2009 gibt“. Ich verstehe bis heute nicht, was daran belustigend ist, Sapalot!? 

Um es vorweg zu nehmen, ich bin mir sicher, dass Hergé sehr bewegt gewesen wären, wenn er dieses großartige Museum von außen und innen gesehen hätte. Dem französischen Architekten Christian de Portzamparc ist schlichtweg ein bauliches Meisterwerk gelungen. Er hat die „klare Linie“ berücksichtig und wenn man so von Raum zu Raum wandelt, fühlt man sich in einer riesigen „Tim und Struppi“ 3D-Welt. Aber keine Angst, es ist –zum Glück- kein Freizeitpark geworden. Die Ausstellung beginnt in der dritten Etage. Der Saal heißt „Parcours eines Lebens“. So geht es weiter: Von Saal zu Saal wandelt man zwischen scharz-weiß karierten Fahrstuhlschächten, man sieht Pyramiden und geschwungene Stahlbrücken, bevor man staunend weitere Filme, persönliche Gegenstände von Hergé, Comics, Briefe und Zeichnungen, sowie Bilderalben und Reisesouvenirs betrachtet.

Begleitet wird man von einem vielseitigen (Audio und Video) kleinem Gerät. Welches die verschiedenen Stationen Hergés sehr gut und mit viel Witz dokumentiert. 

Der Rundgang dauert ca. 2 h. Ich kann nur empfehlen, voll und ganz abzutauchen und sich auf keine Nebensächlichkeiten einzulassen. Besser und schöner kann man Hergés Universum nicht erleben. 

Abgeschlossen wird der Rundgang von einem tollen Restaurantbesuch und dem Reliquienkauf im Hergé-Schreinshop. 

Mein persönlichen Top5-Highlights der Ausstellung: 

1.)   Der Original-Entwurf und das dazugehörige Modell des Jets „Carreidas 160“ des Zeichners Roger Leloup für das Studio Hergé

2.)   Der Raum Studio Hergé in dem die Zeichentische der Tim und Struppi-Zeichner nachgebaut wurden und liebvoll hergerichtet wurden

3.)   Der Originalnachbau von Bienleins Unterseeboot aus „Dem Schatz Rackhams des Roten"

4.)   Der Filmausschnitt indem in einer französischen Fernsehshow aus den sechziger Jahren, ein Philosophieprofessor zu Wort kommt und eine flammende, leidenschaftliche Rede über Hergés Meisterwerk „Die Juwelen der Sängerin“ hält. Hergé selbst ist auch im Studio zu sehen, freut sich und ist aber auch leicht schüchtern, als der Redner davon Rspricht, dass es sich bei der Ausgabe, um eines der größten philosophischen und literarischen Meisterwerke über das Thema „Kommunikation“  der Weltgeschichte handelt

5.)   Die Freude darüber, dass meinem Lieblingsschurken Rastapopouls eine ganze Vitrine gewidmet wurde. 

Steven Spielberg und Peter Jackson werden im nächsten Jahr ihre Hollywood Verfilmung von Tim und Struppi in die Kinos bringen. Tim wird viele neue Freunde bekommen. Man sollte vor diesem Hype versuchen nach Belgien zu fahren. 

Denn das wichtigste was Hergé für Millionen von Lesern in aller Welt geschaffen hat, ist ein Ruhepunkt in der Hektik des grauen Alltags, eine Handvoll Träume.

Alan Lomax 

 

 

MUSÉE HergÉ
1348 LOUVAIN-LA-NEUVE

 

BELGIEN

http://www.museeherge.com/content/pdf/depliant.pdf

 

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