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www.lomax-deckard.de

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Weezer: Death To False Metal - Der Versuch einer Bildanalyse des Covers

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 6. März 2011, 18:41pm

Kategorien: #Kommunikation

Death-to-false-metal.jpg

Schon immer habe ich versucht Packung und Inhalt miteinander zu vergleichen.

Was erwartet mich im Inneren, wenn ich zunächst nur das sehe was auf der Packung ist? Forrest Gump und seine Mutter haben dieses Problem auf ihre Weise gelöst. Ich kann mir noch keinen Reim darauf machen, ausgehend von der vorher gestellten Frage.

Bereits zu meinen 'Indie Zeiten' und auch später mit der Entfachung der Leidenschaft für Jazz habe ich mich immer gefragt, warum dieser oder jene Künstler gerade dieses Cover ausgewählt hat? Ich sehe gerade bei der Musik Inhalt und Aufmachung als Gesamtkunstwerk. Seitdem Lomax sein Statement über dieses Album abgegeben hat  Weezer – Death to False Metal frage ich mich, wie wohl die Musik zu diesem Album sein könnte, versuche krampfhaft den Download auf itunes zu umgehen und alleine aufgrund der Bildgestaltung mir die Musik vorzustellen. Ein hehres Unterfangen, aber dieses Cover hat mich die letzten Wochen nicht losgelassen. Obsession? Nein, nicht wirklich, eher Leidenschaft für das Unbekannte.

Vorab: ich bin kein Künstler, habe Kunst oder Kunstgeschichte nie studiert und habe auch sonst nichts mit Fotografie oder bildenden Künsten zu tun.

Schauen wir uns doch einmal gemeinsam die formale Gestaltung an. Das Bild ist grob unterteilt in der Waagerechten: 2/3 zu Gunsten des Hintergrunds und Himmels, 1/3 für den Vordergrund. Senkrechte Achsen gibt es nicht, allenfalls der Baum an der rechten Bildseite und wenn man so will die Achsen der 3 Personen im Vordergrund. 3 waagerechte Linien, bedingt durch das Wasser, teilen das Bild in sich noch einmal in Portionen unregelmässiger Abschnitte. Die Sonne und ihre Strahlen in der oberen Bildhälfte verströmen radiäre Linien, nimmt man die Sonne als Mittelpunkt.

Welche Farben wurden verwendet? Vornehmlich Violett, Grüntöne und Orange.

Was sehen wir? Zunächst 3 Objekte im Vordergrund. Ganz rechts unverkennbar ein Afroamerikaner, der eine Schubkarre schiebt, in der sich Obst und Gemüse befinden. Er trägt eine weisse Hose und Handschuhe, sowie einen violetten Blouson, der oben Knöpfe oder einen Reissverschluss hat. Sein Blick ist leicht nach rechts geneigt und der Kopf ebenfalls milde geneigt. Er scheint sich zu freuen. Entweder über den Tag, oder etwas was der Betrachter nicht sieht. Vielleicht hört er auch nur das neue Weezer Album über seinen mp3 Player. Er dominiert das Bild.

Ihm als Gegenpol, im Bild an der linken Seite, ein anderer Mann, ganz klar kaukasischen Typs mit einem Kapuzenpullover und einer grünen Hose. Seine Frisur erinnert an die eines frühen Brian Wilson, wenn man genau hinsieht. Er neigt sich vornüber und nimmt etwas von einem Mädchen entgegen, oder scheint etwas abzupflücken, schwer zu erkennen. Das Mädchen selbst trägt eine gepunktete Bluse und ebensolchen Rock, sowie einen Zopf, der ihr schwarzes Haar zusammenhält. Sie scheint südamerikanischen Ursprungs zu sein. Durch ihre Geste strahlt sie mit gleichzeitiger Bescheidenheit Gastfreundschaft aus. Kann sein, dass es die Tochter des Herren vorne rechts im Bild ist, oder die des Bauern.

Zumindest scheint der Typ im grünen Kapuzenpullover nicht von dort zu sein. Er erweckt den Eindruck eines Touristen.

In der Mitte des Bildes sehen wir zum rechten Bildrand hin einen Farmer im Overall, der das Feld jätet, ihm zur rechten Seite Wild, sowie ganz links am Bildrand einen Hirschen mit mächtigem Geweih. Der Hirsch neben dem Farmer schaut in die Richtung des Zuschauers oder des Mädchens. Man ist verwundert, denn normalerweise gelten diese Tiere als Fluchttiere und scheuen den Menschen. Ein Paradies?

Am linken Bildrand sehen wir einen Wasserfall mit einer Brücke und links oben im Bild Vögel unklarer Art, in der Mitte eine Elster? Fast die gesamte obere Hälfte wird ausgekleidet von einem Berg, der in seiner Grösse überstrahlt wird von der Sonne.

Betitelt wird das Cover durch den Schriftzug: 'Death To False Metal'.

'Tod', 'falsch', 'Metal', schwarzer Schriftzug. Steht alles in krassem Gegensatz zu der kitschigen Idylle des Bildes.

Nun ja, kommen wir zurück an den Anfang. Das alles in den letzten Zeilen geschriebene wird sich in den Augen eines Nicht(!)-Weezer Fans in Bruchteilen von Sekunden im Gehirn abspielen, wenn er das Album im Regal stehen sieht. Greift er zu oder nicht? Tod ist etwas absolutes, 'falsch' negativ konnotiert und 'Metal' martialisch. All das wird konterkariert mit politischer Korrektheit, dargestellt durch Gastfreundschaft, einander freundlich gestimmte Rassen, blühender Natur und Mutter Erde mit ihren Früchten.

Ist das die berühmte 'Indie-Entspanntheit' mit einem Schuss Intellektualität, gepaart mit Provokation? Vermutlich schon und vielleicht klingt die Musik auch so: Erdig, offen, provokativ, entspannt und Plagiaten(!) eine milde Kampfansage machend, aber mit Sonne im Herzen!

Vielleicht ist das alles aber auch nur geistiger Müll meinerseits und die haben sich nichts gedacht.

Ich aber schon.

Tod dem Stillstand.

Ein sehnsüchtig 2011 gute Popmusik erwartender,

Rick Deckard


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