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Musik, Kino, Kultur, Radio


Weekend Festival in Köln 2012 - Der Freitag

Veröffentlicht von John Ross Ewing auf 4. Dezember 2012, 09:08am

Kategorien: #Got my eyes on you - Ewings Kolumne

 

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Nachdem das Weekend Festival im letzten Jahr erstmalig in Köln stattfand, und das Line Up ganz hervorragend war, galt es zunächst abzuwarten, ob die Veranstalter dieses Niveau halten können, um nachhaltig eine neue Institution für ein Kölner Clubfestival zu schaffen. Die ausgewählte Location Alte Kranfabrik ist auf jeden Fall erfreulich geeignet und der richtige Rahmen. Das Line Up war dann so speziell und erstklassig ausgewählt, dass das Festival leider nicht ausverkauft war. Es wurden so vielversprechende Acts ausgegraben, dass man gespannt und voller Neugierde einlaufen konnte. Alles ging zeitlich nicht, deshalb eine kommentierte Auswahl:

 

JAMES YORKSTON

 

Ganz hohe Erwartungen waren am Start. James Yorkston ist ein schottischer Songwriter, der einen ganz besonderen Flow in seine Songs bringen kann. Er ist allein mit seiner Gitarre angereist und hat sich überlegt keinen Applaus entgegenzunehmen, sondern die Songpausen mit Zwischenspiel aufzufüllen, so dass zunächst ein langer Song über 20 Minuten entsteht. Später kommt er dann doch ins Plaudern, verfällt aber glücklicherweise nicht in BillyBraggschen Dauertalk. Für Yorkston benötigt man absolute Ruhe zum Genuss, leider ist das in der Kranfabrik nicht drin. Harscher Lärm von hinten versaut definitiv die Akustik der tollen Performance, das war wirklich schade. Beim nächsten Mal gern wieder mit den persönlichen Hits im Gepäck.

 

http://www.youtube.com/watch?v=eKDwNVnoNeI

 

FELIX KUBIN

 

Der Herrn Kubin ist für mich eine faustdicke Überraschung. Ein paar Platten kennend, ging ich davon aus, einen Soundtüftler, Frickler, Nerd, einen cineastisch angehauchten Bastler auf der Bühne zu sehen. Stattdessen entpuppt er sich als fantastischer Entertainer, der ganz besonders mit seinen vom alten Korg-Synthie gepushten ElektroClashern die Halle mit Leben füllt. Beste Abendunterhaltung, die ein Grinsen in die Gesichter treibt. Wer braucht schon Kraftwerk-Tickets? Die Frage ist natürlich Unfug, ein Vergleich weder gewünscht, noch angemessen, zeigt aber, welche Euphorie Kubin hervorrufen kann. Er hat offensichtlich selbst sehr viel Spaß an seiner großartigen Performance und erfüllt, klar, auch die erstgenannten Attribute. Filmvertonend, richtig beeindruckend mit dem Sound aus dem Korg und voller Mut seine coolen Texte präsentierend bleibt Vieles von Felix Kubin hängen. Das schreit nach Live-Wiederholung.

 

Raus aus meinem Traum Donald Duck, raus aus meinem Traum Terence Hill, raus aus meinem Traum Schweiger Till!

 

http://www.youtube.com/watch?v=0ZoT2qLTuGg

 

 

SCRITTI POLITTI

 

Nach der Ankündigung, dass Scritti Politti erstmals seit 1979 in Deutschland auftreten, war klar, dass dieses Festivalticket gekauft wird. Was für eine feine Band, welche Melodien, was für große Pop-Alben, die seit den frühen Achtzigern zunächst aus dem Radio auf alte BASF Chromdioxid Super II Tapes aufgenommen wurden. Bis dann Cupido & Psyche 85 kam und eine wundervolle, perfekte Popscheibe ein langjähriger Begleiter wurde. The sweetest girl, Absolute, The word girl, Wood beez, Oh Patti - heute verbunden mit der großen Hoffnung, das alles mal live zu hören. Der Waliser Green Gartside ist einfach begnadet und die Band ist ziemlich perfekt abgestimmt. Nervig ist einzig der dauerhaft dumpfe Sound in der Kranfabrik. Das macht die perfekte Musik nur mittelmäßig genießbar. Dennoch gibt es genügend Momente, die das Gesicht erhellen und ein wenig Wasser in die Augen treiben. Green Gartside ist smart, hat zu jedem Song eine kleine Anekdote parat und er ist mit 56 offensichtlich reif, nun endlich mal häufiger auf der Bühne zu stehen und seine jahrzehntelange Scheuheit zu überwinden.

 

Für mich war The Boom Boom Bap vom 06er Album White Bread Black Beer der signifikanteste Song des Abends, der Gartside’s ewige HipHop Referenzen mit feinstem Pop verbindet.

 

http://www.youtube.com/watch?v=JUgcmRwPseU

 

 

John Ross Ewing

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