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www.lomax-deckard.de

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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


The Sound of Silence

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. Mai 2010, 13:04pm

Kategorien: #Populäre Musik

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Seit dem letzten Abend mit meinen Musikabendfreunden, beschäftigt mich ein Gedanke! Warum singt Kristof Schreuf den Text von MY GENERATION (The Who) auf dem Song SCARBOROUGH FAIR (trad.)?

 

Freund, Gerber und Serienstar John Ross Ewing beschreibt die neue Platte hier: http://lomax.over-blog.de/article-gastbeitrag-john-ross-ewing-meilensteine-deutschsprachiger-bands-auslese-2009-2010-49915789.html und bezeichnet diese Herangehensweise bzw. den Song als „so was von schön und neu“!

 

Germanisten bezeichnen dieses Vorgehen als Intertextualität. Vereinfacht gesagt versteht man darunter den Bezug von Texten auf Texten.

 

Unter www.jolifanto.de habe ich unter dem Kapitel „Die langweilige Definition“ eine interessante Definition gefunden: „Sprache ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Phänomen und kann vom Einzelnen nur im steten Austausch mit anderen aufgebaut werden.“

 

 

Quasi ist alles, was der Einzelne schreibt oder sagt, zwangsläufig beeinflusst von dem, was andere gesagt oder geschrieben haben, gleichgültig, ob der Einzelne sich dessen bewusst ist von dem, was andere gesagt oder geschrieben haben, gleichgültig, ob der Einzelne sich dessen bewusst ist oder nicht. 

 

Interessant ist diese Überlegung, weil sie sich auf das Zitat von Martin Scorsese stützt, auf das ich bereits hier eingegangen bin: http://lomax.over-blog.de/10-categorie-10684188.html

 

 

Bevor ein ganzer Blumenstrauß von Überlegungen entsteht, konzentriere ich mich lieber auf 2 Ansätze. 

 

Intertextualität_1 

 

Der Kanal- bzw. die Kommunikationsplattform des blogs basiert auch auf einer Form der Intertextualität. Deckard und ich beziehen uns permanent auf bestehende Kunstwerke jeglicher Form und reflektieren dies teilweise auf unser Leben oder analysieren es grobkörniger in Bezug zur Gesellschaft im Allgemeinen. 

 

Aus der Perspektive der Kommunikation gesehen, ist der Ansatz der Intertextualität auf diesem Weg sehr kritisch zu sehen. Wir leben in einer Zeit des Gedankendiebstahls und der Textkopie. Literatische oder Journalistische Artikel, Filme oder Musik werden von Künstlern und Kreativen gegenseitig geklaut, kopiert oder umformuliert, natürlich aber auch verfeinert und weitergedacht. Wirklich Neues entsteht so selten. Wir leben in einer Zeit der Diversifikation von grundsätzlichen Ideen! Mutter dieser traumatischen und Gesellschaft vernichtenden Tatsache ist das Internet und insbesondere die bedenkliche Brut des „Social Web“ bzw. die der sog. sozialen Netzwerke. 

 

Einträge und Selbstdarstellungen werden auf wenige Worte reduziert. Diese Worte werden Freunden und Bekannten im Netz um die virtuellen Ohren gehauen. Die Einsilbigkeit bzw. die Aufmerksamkeit einer Werbekampagne regiert! Wer am lautesten und am wirksamsten Schreit bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Analysen, Nachdenkliche Töne, Reflektionen und Bezüge zu echtem Wissen sind unnötig geworden. Kunst und Kultur in der Erklärung der Masse reduziert sich auf ein „höre auch“ oder „sehe gerne“. Lange ausufernde Texte und Überlegungen, wie sie z. b. für eine gute Film- oder Literaturkritik notwendig sind sterben aus. Kritik oder Qualität eines Filmes wird in Form von Sternen oder erhobenen/gesunkenen Daumen repräsentiert und an die Masse weitergegeben. 

 

Schafft es doch mal jemand einen guten Text zu verfassen, wird dieser schnell kopiert und weiter verwendet. Als kleiner blogger wundert man sich des öfteren, in welchen Artikeln und Moderationen, die hier geschriebenen Worte weitere Verwendung finden. Die Searchrobots der großen Online-Redaktionen arbeiten schnell und sehr genau!

 

Der Regisseur Quentin Tarantino hat vor einigen Jahren geschickt angefangen, sich auf vorhandene Filmkunst zu stürzen. Popkultur in sich selbst zu zitieren und somit ein erweitertes Genre zu kreieren. Autoren setzen diesen Fortgang logischer Weise fort.

Man denke nur an die fast schon faschistoiden Vorwürfe gegen die überragende Autorin Helene Hegemann. Interessierten Lesern empfehle ich an dieser Stelle die selbstbewusste Stellungnahme AN MEINE KRITIKER auf www.zeit.de .

 

 

Der Autorin wurde vorgeworfen 90 Prozent Ihres Buches aus dem Internet abgeschrieben zu haben. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit nur um wenige Sätze. Helene Hegemann selbst geht es um eine Idee, nicht um ein gesamtes Werk. Ihr geht es nicht unbedingt um Authentizität, sondern um eine Art von Pseudorebellion im besten Sinne. Vielleicht sitzen wir im Geiste in der gleichen Kaffeebar.   

 

Intertextualität_2 

 

Wie ist nun aber der Ansatz von Musiker, Künstler, Punk und Nudelkocher Schreuf zu verstehen?

Immerhin er hat es souverän geschafft, mich zum Nachdenken anzuleiten. Aus meiner Sicht eine der Aussagekräftigsten Belobigungen die man einem Künstler entgegen rufen kann. Ich selbst akzeptiere aber nur den grundsätzliche Idee der Intertextualität, aber nicht die Botschaft oder die Musik des Songs.

 

Bevor sich die Jugend aber kolossal aufregt. Bei den Überlegungen zu Schreuf darf es nicht um die Musik gehen, denn die ist qualitativ nicht erwähnenswert und steht aus meiner Sicht nur für den Mittel zum Zweck!   

 

Um meine Kritik auf eine einfache Bühne der Selbstdarstellung zu verfrachten, nun also eine provokante Frage in die Runde: 

 

Warum wurde nicht der Text von KILLING IN THE NAME OF… (Rage Against the Machine) auf JUST LIKE HEAVEN (THE Cure) genommen? 

 

Wenn niemand einen Einwand hat, würde ich gerne Antworten! Weil die Auswahl der möglichen Songs für diese Idee völlig beliebig ist. Kern der Idee ist die Polarisierung: 

 

England vs. USA

 

Zerstörung vs. Harmonie (als künstlerisches Element)

 

Stumpfe Aggression vs. Nachdenkliche Rebellion

 

Klassenkampf vs. Gesellschaftskritik 

 

etc.! 

 

Ist es also das, was Schreuf erreichen wollten. Ist das Geheimnis des intertextuallistischen Ansatzes so einfach? 

 

Ich werde mir nun auf jeden Fall mal den nächsten Song von der Platte anhören und der heißt: Keep on Rocking in the Free World. 

  

Alan Lomax

 

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