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Talent allein genügt nicht

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 15. Januar 2012, 18:47pm

Kategorien: #Filme

Ripley

Hat jemand die Romane der Amerikanerin Patricia Highsmith gelesen? Die Verfilmung ihres vielleicht bekanntesten Romans hat mich mehr als motiviert. Ich wusste nicht, dass Highsmith auf der Liste der Kandidatinnen für den Nobelpreis für Literatur stand. Das erste Mal, dass ich ihren Namen zur Kenntnis nahm, war der Vorspann zu dem Alfred Hitchcock Klassiker 'Der Fremde im Zug' (Strangers on a train). Bereits damals fielen mir die Charakterzeichnungen und das psychologisierende Element auf.

So war es gestern auch wieder. Ich hatte ein wunderbares Wiedersehen mit 'Der talentierte Mr. Ripley' (aus dem Jahr 1999 von Anthony Minghella), den ich an dieser Stelle allen Cineasten eindringlich empfehlen möchte. Das Set-Design, die Kostüme, die Kamera, die Musik, der Schnitt, die Handlung und nicht zuletzt die Schauspieler sind wirklich hervorragend bis bestechend. Ein Film, der einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Das wiederum liegt an der Umsetzung des Buches von Minghella selbst, der wie ich meine (auch wenn ich den Roman nicht kenne!) die Essenz des Buches gefiltert hat und damit im Geiste Highsmiths liegt: nicht wer hat den Mord begangen, sondern warum? Welche Umstände führen einen Menschen dazu eine Straftat, einen Mord zu begehen? Diese Frage ist auch Kernpunkt der Verfilmung. Die Antwort hierauf findet man zwischen den Zeilen im Film, häufig widergespiegelt im Gesicht des Protagonisten.

Highsmith selbst interessierte sich sehr für Psychologie, ihre literarischen Vorbilder waren u.a. Friedrich Nietzsche, Albert Camus, Joseph Conrad und Edgar Allen Poe. Weniger die Moral war ihr Anliegen, sondern das Seelenleben der Handelnden (Quelle: Wikipedia).

Und dieses Seelenleben wird von Matt Damon in der Hauptrolle perfekt zur Schau gestellt, der Tom Ripley spielt, einen mittellosen Amerikaner in einem Kellerloch in New York lebend, der über einen (gewollten) Zufall einen Auftrag erhält. Von heute auf morgen wird er Teil der High Society. Er lernt das Leben der Boheme kennen, das ausgelassene Feiern, das sorgenlose Leben an den schönsten Schauplätzen der Welt (in diesem Fall Italien).

Als sein Kontrast, sein angehimmeltes Vorbild, erscheint Dickie Greenleaf auf der Bühne, verkörpert von Jude Law, der Sohn eines Industriellen, der an einem Küstenstädtchen in Italien das Geld des Vaters ausgibt, weswegen ihn dieser auch in die Staaten zurück haben möchte. Genau das soll Ripley bewerkstelligen.

Die erste Hälfte des Films ist nicht nur ein optischer Genuss sondergleichen, sondern auch ein akustischer. Gabriel Yared schrieb ein wunderschönes Thema für den Film und beide, der Regisseur und der Komponist, zollen der Ära des Jazz Tribut. Die Hauptcharaktere werden nicht nur über ihr Wesen, sondern auch über die Musik charikiert und kontrastiert: Ripley, der Klassik liebt, bieder, konventionell, unscheinbar, Greenleaf, der Jazz liebt, aufbrausend, launisch, hitzig und explodierend vor Leidenschaft.

Nach und nach werden verschiedene Charaktere eingeführt und die Liste der Schauspieler hat es in sich: Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, James Rebhorn und Gwyneth Paltrow sind mit von der Partie und alle spielen sie ausgezeichnet. Ripley lässt sich von der Stimmung, dem Lebensstil seines neuen "Freundes" und dem Geld beeinflussen und vergisst seinen Auftrag, was bald zu einer fatalen Spirale führt.

Der Film ist in der zweiten Hälfte deutlich düsterer, sehr spannend und greift auch das vormals genannte psychologische Element auf. Ripley aka Damon wird mehr und mehr zum Soziopathen. Das beeindruckende hierbei ist aber, das wir, die Zuschauer, stets auf seiner Seite sind, obwohl er zum Kriminellen wird. Wir hoffen, dass er ungeschoren davon kommt. Wenn man so will recht perfide. Oder aber auch ein hervorragender Roman, ein tolles Drehbuch, erstklassige Darsteller und eine präzise Regie.

Ein ganz exquisiter und eleganter Thriller!

Aus Rom,

Rick Deckard

Bildquelle: Copyright Paramount Pictures und Miramax

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