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www.lomax-deckard.de

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Stacey Kent - Dreamer In Concert

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. Oktober 2011, 17:49pm

Kategorien: #Jazz

Stacey-Kent.jpg

Liebe Leserinnen und Leser!

Auf dem Live Album 'Dreamer In Concert' bietet sich dem Hörer ein buntes Potpourri an Songs (und deren Komponisten).

Die Musik wurde im La Cigale, Paris, am 30. und 31. Mai dieses Jahres von Joao Paulo Nogueiro aufgenommen und einem ausgewähltem Publikum vorgestellt. Soviel vorweg: die Klangqualität des Albums ist vorzüglich, man ist, um dem Slogan eines öffentlich-rechtlichen Senders zu zitieren, "mitten drin, statt nur dabei." Der Sound ist sehr transparent, plastisch, die Bässe dezent-durchdringend und alles perfekt verständlich.

Menschen, die sich mit dem 'Great American Songbook' auskennen, den Chansons, mit dem Werk eines Antonio Carlos Jobim und den Kompositionen ihres Ehemannes Jim Tomlinson, werden ihre Freude haben. Kent interpretiert hier Titel nicht nur von Rodgers & Hammerstein, sowie Gershwin, sondern auch von Gainsbourg und Benjamin Biolay. Was zunächst wie 'Leipziger Allerlei' klingen mag, fügt sich auf dem Album als ganzes harmonisches zusammen. Das liegt an den ausgewogenen und ruhig dahin fliessenden Arrangements als auch an der Stimme von Stacey Kent.

Gut, es hat unzählige Versionen dieser Standards gegeben, was also sollte neu sein?

Es ist die Interpretin selbst und ihre Art zu singen: zart, weich, gelegentlich fragil, ja und ein Stück weit auch amerikanisch. Es wirkt nie überanstrengt oder überheblich, nein, man kann der Sängerin folgen auf ihrem Weg und durch diese "natürliche" Art zu singen wirkt sie glaubwürdig. Man vertraut ihr. Ich mag diese (ihre Art) Art zu singen und als grosser Bewunderer von Frank Sinatra höre ich auch immer auf die Phrasierung. Die Betonung und Aussprache sind vorzüglich!

Stacey Kent (Vocals & Gitarre) wird begleitet von:

Jim Tomlinson: Tenor- und Sopran-Saxophon, Percussion

Graham Harvey: Klavier & Fender Rhodes

Jeremy Brown: Double Bass

Matt Skelton: Schlagzeug & Percussion

Sängerin und Instrumentalisten, Rhythmus-Gruppe ergänzen sich sehr gut. Kent gibt den Ton an und die anderen folgen, mehr oder minder unkapriziös und unspektakulär, aber ganz im Dienste der Sache. Der Gesang hat hier eindeutig Vorrang. Ausufernde Soli sollte man nicht erwarten. Hier geht es nicht um Selbstdarstellung sondern um einen Abend voll mit guter Musik.

Den gibt es z.B. mit dem perlend-meditativen und mäanderförmigen 'O Comboio' (Antonio Ladeira/ A. C. Jobim), ein echtes Highlight (Ladeira ist übrigens ein portugiesischer Dichter), wie auch das folgende 'Dreamer' (Gene Lees/ A. C. Jobim). Gerade beim letzteren war es ein Genuss das Fender Rhodes zu hören, was für ein schönes Instrument! Mir gefällt auch das Saxophon Spiel des Jim Tomlinson - sehr impressionistisch-introvertiert, mit viel Gefühl gespielt. Kleine und feine Minatur-Improvisationen hier und da.

Ein Auszug:

 

Interessanterweise hat mit Jim Tomlinson zusammen ein Schriftsteller an 2 Songs mitkomponiert, bzw. mitgewirkt: Kazuo Ishiguro. Er schrieb z.B. die Vorlage für den wunderbaren Film mit Anthony Hopkins und Emma Thompson 'Remains Of The Day' (Was vom Tage übrig blieb). Hier war er beteiligt an 'Postcard Lovers' und 'Breakfast On The Morning Tram'. Eine wirklich interessante Liason, bzw. Kollaboration von Literatur und Musik.

Sehr schön und überaus hörenswert die "lazy Version" des George & Ira Gerhwin Klassikers 'They can't take that away from me' mit einem wunderbar luftig-begleitenden Klavier. Tolle Version und äusserst gefühlvoll gesungen! Vielleicht der beste Song auf dieser Zusammenstellung. Grosse Klasse!

Mit 'Ces Petits Riens', 'Samba Saravah' und 'Jardin d'Hiver' ist Madame Kent auch in französisch mit dabei und spielt dabei ihre Rolle sehr gut und akzentfrei. Wobei ich als kleinen und einzigen Wermutstropfen hinzufügen muss, dass die Album Version von 'Ces Petits Riens' mir besser gefällt (zu hören auf dem fantastischen Album 'Breakfast On The Morning Tram'). Es gibt viel Applaus für diese Nummern, insbesondere für den Samba.

Mit dem melancholischen 'Jardin d' Hiver' (Benjamin Biolay - Keren Ann Zeidel) endet das Album. Ein wirklich wunderbares Lied, ebenso gesungen!

'Dreamer In Concert' ist ein Album wie aus einem Guss und bietet 1 h und 5 min. besten Mainstream-Jazz. Stacey Kent betört und beeindruckt mit ihrer elfenhaften Stimme, das Publikum besteht scheinbar aus Kennern und die Band spielt sehr lässig und höchst dienlich zugleich.

Eine absolute und uneingeschränkte Empfehlung für die, die sich dem Jazz nähern oder einen entspannten Abend geniessen wollen, gerade zu dieser dunklen Jahreszeit.

Es ist schön Kent beim träumen zuzuhören!

http://www.emimusic.de/release/3253119,5099968093228/kent-stacey-dreamer-in-concert-live

http://www.staceykent.com/

Die Interpretin ist Trägerin des 'Chevalier des Arts et de Lettres'.

Herzliche Grüsse,

Rick Deckard

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