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Musik, Kino, Kultur, Radio


Schauspiel Köln - DER ABEND ALLER TAGE

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 6. Mai 2013, 18:32pm

Kategorien: #Kommunikation

 
Suse Wächter ist völlig durchgeknallt! Zu gerne hätte ich die verstörten Zuschauer gestern Nachmittag gefragt, was sie von dem Stück, von der Aufführung gehalten haben. Die Meinungen im Vorfeld (lesen Sie auch die Kommentare auf der Internetseite des Kölner Schauspiel) waren extrem unterschiedlich. Manche möchte ihre Abos zurückgeben, andere Zuschauer waren verstört oder inspiriert.
Ich gebe es gerne zu: Auch ich bin ein ehr ein Liebhaber des klassichen Theaters. Ich brauche keine reizüberflutenden Aufführungen mit Kleintierschlachtungen, Masturbationssequenzen oder sonst irgendwelchen,angeblich provokanten Stilmitteln. Vom Theater wünsche ich mir konzentrierte Schauspielerführung- und Darstellung,minimalistische Bühnenbilder und etwas patethisch gesagt: Wahrhaftigkeit. Schwierig ist es allerdings solche Stücke zu finden. Rummelplatz, Lametta und Klimbim scheinen noch immer derzeitige Motoren der Intendanz und der Regisseure zu sein. Eine Frage der Einstellung, eine Frage des Geschmacks.
Vorwerfen lasse ich mir allerdings nicht, dass ich diesen ganzen Mumpitz nicht gesehen habe. Meistens ist es unerträglich. Erst kürzlich machte ich diese Erfahrung bei der Woyzeck-Aufführung im Schauspielhaus zu Hannover (lesen Sie auch auf diesen Seiten). Dagegen ist dieses Stück allerdings im direkten Vergleich leichte Kost und ich gebe es zu, kurzweilige Unterhaltung.
Spektakulär sogar der Anfang. Suse Wächters furiose Gottpuppe erschafft die Welt. Zweifel kommen in ihm auf. Kautzig, charmant, streckenweise intelligent erzählt uns Gott, wie die Welt sein sollte, die er uns (natürlich) als Scheibe präsentiert. Furisos auch der erste Vorhang. Allerhand Zauberei lässt sich mit Schwarzlicht und einer perfekten Performance vieler Akteure im schwarzen Hintergrund anstellen. Dann, Peng!!! Wir sitzen vor einer riesigen Varietebühne. Es riecht nach Flucht. Die Band (außer einem einsamen Bandleader) ist längst weg, die Instrumente stehen noch, dazwischen ein verzweifelter Entertainer und eine japanische Tänzerin. Wir werden eingeführt und verstehen schnell, dass wir alle -Schauspieler und Zuschauer- kurz vor der Apokalypse stehen. Die Bühne fällt nach und nach zusammen. Hier brennt ein Licht durch, dort schlägt ein Kurzschluss zu usw.
Die Dialoge zwischen Gott und den verbliebenen Darstellern sind knapp, langweilen kaum. Suse Wächters Puppenspiel entpuppt sich tatsächlich als eigenständige Kunst. Doch reicht das für die große Bühne? Ich will es nicht beantworten, da ich meine konservative Meinung, meine Erwartung vom, zum Theater bereits geschildert habe. Die anderen Zuschauer müssen ihre Antworten selbst finden! Theater ist genau dafür da! Es soll inspirieren, aufregen, vielleicht nicht gefällig sein? Vielleicht verstehen auch einige Zuschauer die parodistischen Einlagen nicht richtig, weil ihnen der Syntax zur Welt der Popmusik fehlt?
Der letze Vorhang ist grausam! Die finale Idee, der Plot, der Spiegel vorm Publikum funktioniert nicht! Leider! Auch unerträglich ist Frau Wächters Babypuppe. Unerträglich gewollt? Natürlich! Für die einen ein geniales Stilmittel, für die anderen unästhetischer Mummenschanz.
Was bleibt ist gute Unterhaltung, eine excellente Bühnengestaltung, eine polarisierende Frau Wächter und viele Fragen? Ich bin hin und her gerissen, aber nicht richtig zufrieden! Egal, die Aufmerksamkeit war und ist trotzdem da...
Alan Lomax

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