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www.lomax-deckard.de

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Reine Menschen, reine Luft

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 3. November 2010, 15:14pm

Kategorien: #Kommunikation

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Am Montag habe ich im Fernsehen die Trauerfeier für Loki Schmidt gesehen. Das war ergreifend, da ich Loki und Helmut Schmidt sehr verehre. Man sah Helmut Schmidt in der ersten Reihe des Hamburger Michels sitzen. Ein gebrochener, trauriger Mann! Mir hat das sehr leid getan.

 

Nun kann man zu den Schmidt’s politisch und menschlich stehen wie man will, dass eine muss man ihnen lassen:

Wenn man die beiden in der Vergangenheit so bei Interviews, Reportagen und Auftritten in der Öffentlichkeit gesehen hat, vermittelten sie stets so etwas wie einen längst verlorenen gegangen Lebensstil, der völlig unaufgesetzt wirkte. Mich hat das stets fasziniert.

 

Für dieses geschaffene Bild, einer unfassbaren Selbstverständnis, trägt natürlich auch der ewige Qualm der beiden bei! Die ständige Zigarette, die sich weder Helmut, noch Loki, trotz des hohen Alters nicht nehmen ließen. Im Hamburger Michel musste Helmut leider auch eine Pause einlegen.

 

Das Thema Rauchen ist allzeit präsent bei mir. Vor einigen Monaten habe ich den Versuch unternommen, selbst damit aufzuhören. Man kann das in diesem blog nachlesen, wenn man will.

 

Vorab kann ich aber gleich mitteilen, dass mir das Aufhören nicht gelungen ist. Ich wurde unausstehlich, hatte einen charakterlichen Wechsel mitgemacht und mutierte langsam aber sicher zu einem Soziopathen, der sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ein Süchtiger, für wahr.

 

Nun bin ich aber stets Genussraucher gewesen. Zigaretten zu gewissen Zeitpunkten haben immer einen Sinn für mich ergeben. Und so ist es auch weiterhin.

 

Man sucht ständig für Entschuldigungen in dieser Zeit. Menschen haben Angst vor allem, am meisten vor anderen, vor der Gesellschaft und dem Unbekannten. Wir lassen uns tagtäglich einreden, dass wir uns schlecht ernähren, dass wir dick, faul, arm, deutsch oder sonst etwas sind. Vergessen gleichzeitig aber die wirklichen Gründe für unser Handeln.

 

Als Loki Schmidt in der letzten Woche starb, sah ich im Fernsehen ein Gespräch mit ihr und dem  Schriftsteller Siegfried Lenz. Beide Freunde saßen in einem Cafe an der Alster. Loki rauchte ihre Zigaretten, Siegfried holt seine Pfeife raus und stopfte sie mit Tabak aus einer großen goldfarbenen Dose. Es qualmte, das Gespräch war sagenhaft. Ein Dialog zwischen Freunden, in einer wunderbaren Atmosphäre. Keinen Menschen störte der Rauch!

 

Überhaupt stören, dieses Wort ist ein Mittelpunkt der bürgerlichen Ängste. Erst kürzlich kroch ein einjähriger zwischen meinen Beinen rum. Ich saß mal wieder in einem Flughafen. Der drei Käsehoch zog sich an meinen Beinen hoch. Wir lächelten uns an. Endlich eine menschliche Regung, zwischen den ganzen Anzugträgern. Die Mutter rief: „Jonas, stör doch den Mann nicht!“ „Jonas stört mich überhaupt nicht, im Gegenteil….“, während ich das aussprach, rupfte die Mutter Jonas genervt weg.

 

Auch Zigarettenqualm stört die Menschen! Daher ist auch diese Kampagne gegen das Nichtrauchen in unserer Gesellschaft losgetreten worden. Diese Kulturrevolution, geführt von der Anti-Nichtraucher-Liga, hat sich so schnell durchgesetzt wie noch keine andere Revolution. Weil sie die Ängste der Menschen aufs ureigene anspricht.

 

Dabei wurde leider vergessen, dass wir auf wesentliche Dinge verzichten müssen und nichts mehr so ist wie früher! Ist es besser geworden? Gute Frage! Da die Frage natürlich auch gleichzustellen ist mit dem eigenen Fiasko des Rauchens! Ist es besser geworden, mit dem Aufhören? Und ja das ist es. Ich konnte tatsächlich besser atmen, ich konnte besser riechen und schmecken. Ich fühlte mich körperlich wohler. Aber nicht gut!

 

Joe Jackson hat über das alles eine wunderbare Abhandlung geschrieben: http://lomax.over-blog.de/article-mein-leben-als-nichtraucher-49355159.html

 

Ich führte das bereits auf!

 

Schön wenn jemand einen versteht und das auch zum Ausdruck bringen kann.

 

Da wir Raucher aber immer seltener werden und ich auch zunehmend soziale Verachtung feststelle, ist es noch besser, wenn man die Worte eines schlaues Mannes findet, der nicht nur provoziert, sondern auch amüsiert recht hat.

 

In diesem Fall spreche ich von Ferdinand von Schirach! Schirach hat es in seinem Spiegel Essay, nicht nur auf den Punkt gebracht, sondern zeitgleich ein Manifest für eine Haltung geschrieben, welche ich gerne mit blauer Tinte unterschreiben werde. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72462712.html

 

Gentlemen, you may smoke

 

Alan Lomax

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