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Precht und Döpfner im Gespräch: Gefährliche Freiheit?

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 8. Oktober 2012, 12:05pm

Kategorien: #Fernsehen

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Die zweite Sendung befasste sich mit dem Thema 'Freiheit'.

Geladen war der Vorstandsvorsitzende der Springer AG, Dr. Mathias Döpfner. Es entwickelte sich ein intensives und durchaus kontroverses Gespräch, innerhalb dessen der Begriff der Freiheit ausgelotet wurde, in Zusammenhang mit der Demokratie, den Pflichten eines jeden Bürgers, der Bedrohung der Freiheit von innen und aussen. In der zweiten Hälfte der Sendung lag der Fokus auf Gerechtigkeit und Freiheit in Balance sowie Chancengleichheit.

Es zeigte sich eine lebhafte Diskussion, bei der konträre Ansichten ausdiskutiert wurden, aber auch ein Konsens bestand. Auffällig war eine deutliche Dysbalance zwischen Fragesteller und Gast. Auffällig insofern, als dass Herr Döpfner als Vorsitzender eines grossen Konzerns immer wieder in die Bredouille geriet, nicht zuletzt durch provokante und berechtigte Fragen zum Thema. Das machte den besonderen Reiz der Sendung aus: Wie würde sich ein solcher Mensch, in erster Linie Mensch und Bürger und erst in zweiter Instanz Vorsitzender des Springer Konzerns zu brisanten Themen äussern? Eine schwierige Gratwanderung in einer solchen Position, da hatte es Herr Precht einfacher. Vorgefertigte Meinung (Döpfner) traf hier häufig auf gedankliche Flexibilität (Precht). Wie wäre ein solches Gespräch wohl ausgegangen, wenn beide sich unbeobachtet in einer Taverne bei einem Glas Wein unterhalten hätten?

Was in Erinnerung bleibt sind mehrere Inhalte. Die zur Eröffnung von Herrn Precht gestellte Frage:Worauf würde der Bundesbürger eher verzichten wollen: Sein Handy oder das Wahlrecht? Döpfner antwortete richtig und konsequent, dass ohne ein Mobiltelefon der Grad der Freiheit noch größer ist, respektive des Umstands nicht immer erreichbar zu sein. Mich würde trotzdem interessieren, wie die Bürger dieses Landes, müssten sie abstimmen, sich entscheiden würden?

Wesentlich aufschlussreicher war das Ergebnis einer Studie in der Menschen befragt wurden, was ihnen im Leben wichtig sei? Freiheit wurde dabei erst an 4. Stelle nach 1. Körperlicher Unversehrtheit, 2. Wohlstand, 3. Sozialen Bindungen genannt. Döpfner war der Auffassung, dass Punkt 4 die erstgenannten bedingen würde, einer Meinung der sich Precht nicht ohne weiteres anschliessen konnte. Erstaunlich, dass Freiheit in der Wertung eines jeden einzelnen Menschen eine so untergeordnete Rolle einnimmt. Insofern hatte das Thema der Sendung durchaus seine Berechtigung, denn müsste sie nicht an erster Stelle genannt werden? Daraus entwickelte sich ein weiterer Diskurs, ob Menschen überhaupt in Freiheit leben wollen und können? Keine einfach zu beantwortende Frage.

Noch eines ist der Erwähnung wert: Wie wird der Begriff der Freiheit in verschiedenen Kulturen bewertet? Beide unterhielten sich über die Tatsache, wie Freiheit nach dem II. Weltkrieg unter welchen Voraussetzungen errungen wurde und ob das Modell, welches wir hier leben, ohne weiteres auf andere Länder übertragbar sei? Mathias Döpfner nahm in dieser Hinsicht die Position des Konservativen ein und argumentierte aus einer sicheren, unverrückbaren Position heraus, indem er Vergleiche anstellte, Precht versuchte die Frage in einem historischen Kontext zu bewerten und zu beantworten und machte darauf aufmerksam, wie schwer, wie langwierig und wie mühselig es war dahin zu kommen, wo wir uns heute in Bezug auf die Freiheit befänden. Leider wurde der Punkt der Bedrohung der Freiheit von innen und aussen nicht detailliert und analytisch genug aufgearbeitet, es kam zu Polaritäten, milder Polemik und Precht musste sich den Vorwurf des Zynismus gefallen lassen.

Ausgeleuchtet wurde das Verhältnis des Bürgers zum Staat im Hinblick auf Verantwortung des Einzelnen und ein Vergleich mit den USA hergestellt, ein Land, in dem nach Auffassung von Herrn Döpfner die individuelle Freiheit höher bewertet würde, als die Staatshörigkeit bei uns. Meines Erachtens schwer zu vergleichen, schaut man auf die Geschichte und Geografie beider Länder.

Die Sendung ist insgesamt auf einem sehr guten Weg und weckt das Bedürfnis auf weitere Themen. Die Optik und die Kameraführung waren weitaus beruhigender als bei der Premiere. Es bleibt weiterhin zu wünschen, dass die Sendezeit vorverlagert und die zeitliche Dauer verlängert wird, denn solche weitgefassten Themen binnen 45 Minuten abzuhandeln gleicht einem Husarenritt. Es zeigte sich in dem Gespräch auch sehr eindrücklich, wie unterschiedlich Meinungen und Argumente ausfallen können, je nach dem welche Rolle ein Mensch in der Gesellschaft einnimmt. Da hat es Precht als Freigeist, als ungebunder Mensch, wesentlicher einfacher als jemand, der bereits durch seinen Beruf eingeengt ist, moralisch und ideell.

Mathias Döpfner schien aber auf viele der Fragen von Precht vorbereitet gewesen zu sein, seine Hausaufgaben hatte er anscheinend gemacht. Hoch interessant war das Mienenspiel des Befragten, aus dem z.T. mehr heraus zu lesen war als in den Anworten.

Was bleibt als Resümee? Die Tatsache, dass das Wort, der Begriff 'Freiheit' nicht zwangsweise positiv konnotiert ist. Gedanklich unruhig stimmte mich der Umstand, dass ein Kontext zur Gefahr in diesem Zusammenhang gesehen wurde. Ein komplexes Thema, eine ständige Gratwanderung in der Geschichte des Menschen, eine Errungenschaft, die es Wert ist zu erhalten, so banal sich das anhören mag.

Die Sendung wird wiederholt zu einer früheren Uhrzeit, alternativ auch im Internet zu sehen. Einschalten, ansehen lohnt sich!

Rick Deckard

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