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www.lomax-deckard.de

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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


Poll 2009

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 17. Dezember 2009, 07:10am

Kategorien: #Kommunikation

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Ganz ohne ist es am Ende eines jeden Jahres ohne eine Statistik nicht möglich. Auch wenn ich/wir mich/uns gegen Listen wehren  Manifest gegen Listen , das was mich in diesem Jahr beschäftigt hat wird im folgenden aufgelistet (!), in freier Anlehnung an den Poll des ME. Natürlich habe ich in dieser Aufzählung mehr als die Hälfte an Grossem und Wunderbarem vergessen, aber so ist es immer:

PoP

National: 'Songs for Joy' - Erobique & Jaques Palminger

International: 'Declaration of Dependence' - Kings of Covenience

Re-Issue: 'Burt Bacharach Songbook'- Marion Maerz, arr. von Ingfried Hoffmann

Filmmusik

2009: Star Trek - Michael Giacchino

Wieder(Neu-)veröffentlichung:  'Star Trek II - The Wrath of Khan' -  James Horner

Jazz

'Heaven on Earth' - James Carter & John Medeski

Song

'Lass uns Liebe sein' - Jochen Distelmeyer

'Human Of The Year' - Regina Spektor

Albumcover

'Wilco' (The Album) - Wilco

Film

'Star Trek'- Directed by J.J. Abrams

DVD

Neuveröffentlichung: 'Barfly' - Directed by Barbet Schroeder

Website

www.tagesspiegel.de

Fernsehsendung

Keine spezielle. Häufig angesehen: Talkshows auf N3 am Freitagabend.

Buch

'Klassiker der Filmmusik' - Reclam, Hrsg. Peter Moormann

("Mode")label

Nike

Spielzeug 

iphone

WARUM?

Ich bin "schon immer" ein Freund der deutschsprachigen PoP-Musik gewesen. Schon immer ist etwas übertrieben, eher seit meinem ersten Konzerterlebnis in Köln bei der PoP Komm. Blumfeld und Jochen Distelmeyer führten mich in ein neues musikalisches Universum. Umso gespannter war ich auf die Veröffentlichung des neuen Solo-Albums. Nach dem sofort gängigen und wunderschönen 'Lass uns Liebe sein', welches diese noch schürte, wurde ich masslos enttäuscht. 'Heavy' war eine einzige Katastrophe, sowohl musikalisch als auch textlich. Banaler, alltäglicher und langweiliger geht es kaum. Nicht verwunderlich, dass alle Gazetten dieses Album lobten, zwar nicht 'über den Klee', aber über Maßen.

Da kamen doch 'Erobique & Jaques Palminger' wie gerufen mit ihren 'Liedern der Freude'.
Das hier ist Alltägliches, aber so würdevoll, leicht, reizend und zu Herzen gehend, dass ich es prompt als das beste deutschsprachige Album deklarieren musste. Musik von Menschen für Menschen. Grosse Melodien, kleine, aber feine Arrangements und ein unglaubliches Sammelsurium an Zitaten und Querverweisen. Ein Traum! Danke Mr. Lomax für diesen Tipp!

Die 'Kings of Convenience' haben mich deswegen überzeugt, weil sie ein ganzes Album hindurch eine gewisse Qualität aufrecht halten. Vieles von dem was sie auf 'Declaration of Dependence' machen genügt meinen persönlichen Ansprüchen an die PoP Musik -  Songs voller Ruhe, Melodie und Harmonie. Es gab dieses Jahr am Ende eines jeden anstrengenden Tages kein besseres Album, welches mich sanft auf den Boden zurückgeholt hat. Dazu einen Single Malt, tief ein- und ausatmen und mit Erlend in die Weite blicken. Jeden Abend ein kleines bisschen Urlaub und Frieden. Was will man mehr?

Dass Burt Bacharach ein Held von uns ist, dürfte keinem entgangen sein. Marion Maerz singt seine Songs arrangiert von Ingfried Hoffmann. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Erstere sagte mir nichts, Hoffmann kannte ich aus dem Fernsehen und der Filmmusik. Die Interpretationen sind toll, erfrischend und die Arrangements sind vom Allerfeinsten - man höre sich als Beispiel mal 'Das Ende der Reise' (24 Hours from Tulsa) an!

Filmmusikalisch gab es dieses Jahr eine ganze Menge neues zu entdecken. Fast Monat für Monat wurde ich mit feinen neuen Wiederveröffentlichungen erfreut und das eine oder andere mal liessen die Ankündigungen mein Herz höher schlagen. Herausragend war die komplette Wiederveröffentlichung des Meisterwerks von James Horner zum zweiten Film aus der Star Trek Reihe 'The Wrath of Khan'. Symphonische Filmmusik die Euphoriestürme entfesselte mit unglaublichen Melodien! Aktuell gab es 2009 wenig interessantes auf dem Markt, da ragte nur Giacchino's 'Star Trek' heraus. Dass S.T. "das Rennen" machte ist purer Zufall. Ansonsten gab es eine Fülle an grossartigen Scores. Auch habe ich Zugang gefunden zu einem Komponisten, der mir bisher immer etwas sperrig vorkam: Alex North. Seine gewaltige und nuancenreiche wie farbige Komposition zu 'Shoes of the Fisherman' hat mich nachhaltig beeindruckt.

Der Jazz war auch dieses Jahr ein ständiger Begleiter, wenn auch keine Alben veröffentlich wurden, die mich umgehauen haben. 'Heaven on Earth' muss hier als einziges genannt werden. Die Spielfreude aller Beteiligten ist umwerfend. Jedes Stück, ob neue Komposition oder Standard, wird auf diesem Live Album zelebriert. Eine perfekte Symbiose aller beteiligten Spieler. Aufregend, mitreissend und purer Jazz!

Regina Spektor ist eine skurrile Erscheinung in der PoP Musik. Interessante Biografie. Eine Künstlerin, auf deren weiteren Werdegang ich sehr gespannt bin. Sicherlich ist 'Far' nichts weltbewegendes, aber in der Summe mit allen Songs ein feines PoP Album. Die Frau kann singen und spielen, das Klavier ist stets und ständig dabei. 'Human Of The Year' ist betörend schön.

Tja, das gute alte Kino. Wie lange wird es existieren? Die alten 'Lichtspielhäuser' wurden immer mehr und mehr durch Betonkomplexe verdrängt. Hollywood drehte auch dieses Jahr Fortsetzungen und setzte auf alten und bekannten Franchise, aber Regisseure wie Clint Eastwood, Danny Boyle und Woody Allen zeigten auch, wie man Geschichten erzählen kann und muss, damit diese Gattung der Kunst noch Fortbestand haben kann.

Was 'Kino' in seiner reinsten und ursprünglichsten Form bedeutet, dass hat dieses Jahr J.J. Abrams mit 'Star Trek' gezeigt: Unterhaltung der absoluten Extraklasse. Wenn man sich schon alter Erfolgsmuster bedient, dann so! Furioses, bildgewaltiges, spannendes, humoriges Entertainment. U.a. die ersten 12 min bleiben mit das Beste, was es dieses Jahr zu sehen gab.
'Gran Torino' von Eastwood wird hier nicht aufgeführt, da der Film in eine andere, hoch persönliche Kategorie gehört. Nach fast über 30 Jahren schaffte es Clint Eastwood meinen All Time Favorite 'Lawrence of Arabia' von Sir David Lean vom 1. Platz zu verdrängen! Das will schon etwas heissen. Dieser Film ist von einer solch gewaltigen emotionalen Intensität und Wahrheit, dass kein anderer dieses Jahr mit ihm standhalten könnte, daher wird er im Poll auch nicht aufgeführt. Nicht missverstehen: Ich wiege hier nicht den einen Film gegen den anderen auf und das ist auch kein Wettbewerb, den es in der Kunst sowieso nicht gibt, sondern eine Erklärung, warum ein Film hier aufgeführt wird und warum nicht. Clint Eastwood hat sich sowieso in der Ruhmeshalle für alle Zeiten verewigt.
Zu diesem Teil des Polls muss ich noch sagen, dass ich leider Michael Hanenke's Film 'Das weisse Band' nicht im Kino gesehen habe und äussert gespannt darauf bin, weil der Film nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern mit den Mitteln des Kino auch eine Erklärung zu einem der interessantesten und aufwühlendsten Themen der jüngeren Geschichte wagt.
Endlich hat man sich erbarmt und Barbet Schröder's 'Barfly' auf DVD veröffentlicht. Ein Film, und das überraschte mich, der auch noch nach über 20 Jahren die gleichen Emotionen in mir auslöste wie damals. Mickey Rourke liefert eine Glanzleistung und wer genau hinsieht und v.a. hinhört, der kann jede Menge Wahrheiten entdecken. Unabhängig davon einer der lustigsten und komischsten Filme die je gedreht wurden!

In den unendlichen Weiten des Internet ragte dieses Jahr eine Seite immer wieder heraus, gerade wegen des exzellenten kulturellen Anteils. War die Homepage des Spiegels in den letzten Jahren der Anlaufpunkt im Netz, so war es dieses Jahr der 'Tagesspiegel'. Eine sehr gute und inhaltlich fast exakte Deckung mit meinen Interessen. Auch Zeit Online war regelmässig einen Besuch wert.

Im Reclam Verlag erschien zum Ende des Jahres ein kleiner aber höchst lesenswerter Band zur Filmmusik. Hierin werden alle wegweisenden Scores der letzten Jahrzehnte mit kleinen Notenbeispielen und Analysen vorgestellt. Die ideale und äusserst kurzweilige und sehr gute Lektüre für alle Freunde der Filmmusik. Ich höre viele Filmmusiken mit einem anderen Ohr und es erstaunt mich immer wieder, wie ungenau man hört, wenn man Musik hört. Das wird einem immer wieder bewusst, wenn man diese Artikel liest. Ein schöner Ansporn seine Konzentration zu steigern!

Rick Deckard

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