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Oviedo und Asturien

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 4. August 2010, 10:39am

Kategorien: #Kommunikation

woody-allen_oviedo.jpg
Die Schönheit einer Stadt zu beschreiben, finde ich sehr schwierig. Denn eine Stadt zu entdecken ist ein vollkommendes Sinneserlebnis. Daher bewundere ich Reisejournalisten und -Schreiber auch sehr. Im Vergleich über Musik, Filme oder Kunst zuschreiben ist einfach. Denn was man dabei nicht benötigt ist die Nase, im Sinne ihrer organischer Funktion!
Das erste was an der Bezirkshauptstadt Oviedo (Asturien/Nordspanien) auffällt ist der Geruch. Es riecht nach allen Köstlichkeiten der südlichen Welt und nach Geschichte und nach hundert Jahren alter Geschäftigkeit. Insbesondere an diesem Samstagmorgen im Juli. 
Der Grund für mich nach Oviedo zu fahren war der Film "Vicky Christina Barcelona" von Woody Allen. In dem Film verführt der Maler Jaun Antonio Gonzalo die amerikanischen Touristinnen Christina und Vicky für ein Wochenende nach Oviedo. Die Flucht aus der Großstadt Barcelona in die Provinz Spaniens ist von Allen in einer atemberaubenden Schönheit gefilmt worden. Nicht nur die Dramatik der entstehenden Dreiecksbeziehung und die hintergründige Abarbeitung der moralische Frage zeigt Allen in gewohnter Konsequenz mit allen Anspielungen und Witz. Insbesondere die Atmosphäre und die Leichtigkeit des Lebens in einer perfekten Umgebung, sind von nachhaltiger Kopfpräsenz. Es ist die großartige Darstellung der Leichtigkeit des Seins.
Nun war ich auch etwas skeptisch, was den Besuch der Stadt anging. Denn, dass amerikanische Kino und seine Produzenten sind keine Träumer. Das Studio hat um Bewerbungen von zahlreichen spanischen Städten gebeten. Oviedo hat den Zuschlag bekommen. Nicht zuletzt werden Gelder geflossen sein! W. Allen wurde so z. B. eine Statue in der Stadt versprochen (s.o.) und zudem will Oviedo Europas Kulturhauptstadt 2016 werden!
Auf dem Weg in die alte Stadt gingen mir dann auch genau diese Gedanken durch den Kopf. Oviedo könnte die Verpackung sein, gefilmt wurde dann wo anders (?). Wie so häufig im amerikanischen Kino.
Oviedo liegt in der spanischen Provinz Asturien. Eingebettet zwischen dem gewaltigen Gebirgszug "Picos de Europa" und dem Atlantik. Die Gegend ist Europäern weites gehend, wegen dem Jakobsweg bekannt. Touristisch wurden bisher kaum Meilensteine gesetzt. Was unglaublich befreiend ist, wenn man dort ist. Leere Surferstrände, keine Hotelburgen, sanfter Tourismus, kaum stattfindende Globalisierung. Selbst der einzige MCD in Oviedo, darf nur "klein" an der Hauswand werben. Der örtliche Burger King hält sich an die noch immer praktizierende Fiesta und schliesst zwischen 15:00 und 18:00 Uhr. Gesprochen wird erbarmungslos Spanisch. Die Frage, ob jemand englisch spricht, gibt man schnell auf, da man sofort ein Nein auf die obligate Frage bekommt!
Aber Oviedo respektive Asturien hält was es (nicht) verspricht. Wahrhaftigkeit! Ein träumerisches Kleinod, wie es in Europa wohl schwer vergleichbar in der Vielfalt zu finden ist.
Die Altstadt von Oviedo ist autofrei. Die wichtigsten und schönen Sehenswürdigkeiten, wie die beeindruckende Kathedrale San Salvador (inkl. der wichtigsten Reliquiensammlung Spaniens) , der Palast des Markgrafen von San Félix und insbesondere die zahlreichen Statuen sind zu Fuss zu entdecken.
Woody Allen hat sich nicht getäuscht. Er hat eine der schönsten (Klein-)städte Europas verifiziert und in den zentralen Mittelpunkt seines Filmes gestellt. Asturien als schlichte, aber gewaltige Landschönheit ist für einen empfindsamen Menschen kaum zu ertragen. Hier trifft sich die schroffe Schönheit der schottischen Highlands, mit den weichen europäischen Bergwelten und der mediterranen Welt, diese wieder rum mit dem harten, unergründlichen und epischen Lebenswelten des Atlantikraums.
Asturien -insbesondere die Gegend um Llanes am Atlantik- wird nicht umsonst für zahlreiche spektakuläre Filmsequenzen genutzt.  So hat sich auch der spanische Regisseur Jan Antonio Bayona für sein gruselliges Meisterwerk "Das Waisenhaus" den Strand von Andrin ausgesucht. Der Strand von Ballota wird beispielsweise  für zahlreiche amerikanische Produktionen verwendet. Nicht zuletzt, weil die visuelle Nähe zu Hawaii, aber auch zu südamerikanischen Stränden nahliegend ist!
Eigentlich sollte man erzählen wie furchtbar diese Gegend ist, in der Hoffnung, dass sie unentdeckt bleibt! Aber, auch hier gilt, jeder ist sich seines Glückes Schmied. Und wer die Unverfälschtheit einer europäischen Landschaft und einer nicht zufassenden autarken Kultur entdecken will, muss hier hin fahren. Lange bevor man sich etwas anderes vornimmt. Denn hier gibt es alles, komprimiert und unverfälscht. Noch!!!
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Alan Lomax
 
 

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